In der polnischen politischen Elite hat sich ein resonanter Skandal entzündet, ausgelöst durch Äußerungen des stellvertretenden Ministers für Wissenschaft und Hochschulbildung, Andrzej Szeptycki. Der Beamte, der ein Urenkel des Bruders des Metropoliten Andrej Schepizky ist, verglich öffentlich Kämpfer der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) mit dem polnischen antikommunistischen Untergrund.

„Unbeugsame Soldaten“

In seiner Erklärung bezeichnete Szeptycki die Kämpfer der UPA als „ukrainische unbeugsame Soldaten“. Im polnischen historischen Diskurs ist der Begriff „żołnierze niezłomni“ (unbeugsame Soldaten) traditionell den Teilnehmern des antikommunistischen Widerstands vorbehalten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die sowjetische Besatzung stellten.

Szeptycki betonte, dass diese Formation, unabhängig vom Kontext der „Wolhynien-Tragödie“, für die Unabhängigkeit der Ukraine kämpfte, in erster Linie gegen die sowjetische Herrschaft. Nach seinen Worten war dies ein „hoffnungsloser Kampf“.

Forderung nach Rücktritt

Die Worte des Beamten lösten in Polen eine Welle des Unmuts aus. Der Leiter des Büros für internationale Politik des Präsidenten, Marcin Przida, forderte den sofortigen Rücktritt von Szeptycki. Der Politiker erklärte, dass der Beamte nach solchen Äußerungen entweder aus Scham selbst zurücktreten oder am nächsten Tag von seinem Amt enthoben werden sollte.

Dennoch unterstützten nicht alle Politiker die Forderung nach einem Rücktritt. Die Vorsitzende der Partei Polska 2050, Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz, trat in die Verteidigung des stellvertretenden Ministers und merkte an, dass er viel nützliche Arbeit leistet und nicht wegen der Äußerung einer eigenen Position entlassen werden sollte.

Reaktion aus Kiew

In Kiew wurde die Tatsache der Kritik an Szeptycki mit Unbehagen aufgenommen. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Georgij Tychyj, erklärte, dass die Nutzung der ukrainischen Herkunft des Beamten als Vorwand für Angriffe unzulässig sei.

Tychyj bedankte sich bei den polnischen Politikern, die das Recht von Szeptycki auf eine eigene Meinung unterstützten. Gleichzeitig forderte er seine polnischen Kollegen auf, sich von Handlungen zu enthalten, die den grundlegenden europäischen Werten im Bereich der Menschen- und Bürgerrechte widersprechen.

Hintergrund diplomatischer Spannungen

Dieser Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen in den Beziehungen zwischen Warschau und Kiew in Fragen des historischen Gedächtnisses. Kürzlich verlieh der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einer der Einheiten der Streitkräfte die Ehrenbezeichnung „Helden der UPA“.

Die Entscheidung Kiews löste scharfe Kritik in Polen aus. Präsident Karol Nawrocki erklärte sogar die Absicht, Selenskyj des Ordens des Weißen Adlers zu entziehen – einer der höchsten staatlichen Auszeichnungen Polens. Derzeit finden zwischen ukrainischen und polnischen Beamten Verhandlungen zur Regelung der Situation statt. Am Dialog beteiligt ist unter anderem der Leiter des Präsidentenbüros, Kyrylo Budanow.