In diplomatischen Kreisen hat sich ein unerwarteter Skandal entfacht, ausgelöst durch eine ungenaue Aussage von Kaja Kallas, der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik. Während eines Briefings vor einem Ministertreffen auf Zypern erklärte sie, dass die US-Botschaft angesichts russischer Drohungen gegen Kiew die ukrainische Hauptstadt verlassen habe. Diese Information wurde jedoch sofort von ukrainischer Seite und der US-Botschaft selbst widerlegt.
Fehler im Äther: Was Kallas sagte
Im Zusammenhang mit der Eskalation terroristischer Angriffe Russlands, die darauf abzielen, Angst in der Bevölkerung zu schüren, versuchte Kallas, die Standhaftigkeit der Diplomaten hervorzuheben. Ihrer Aussage zufolge blieben fast alle Botschaften in Kiew und zeigten Mut, doch sie erwähnte fälschlicherweise, dass die amerikanische diplomatische Mission abgereist sei. „Alle europäischen blieben, Amerika ging“, zitierten ukrainische Medien die Worte der EU-Außenbeauftragten.
Sofortige Reaktion aus Kiew und Washington
Kallas’ Worte lösten in Kiew eine Welle der Empörung und des Unverständens aus. Georgij Tichyj, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, erklärte offiziell, dass die Information über den Abzug der US-Botschaft nicht den Tatsachen entspreche. Dmitrij Litwin, Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, bezeichnete die Situation als seltsam und betonte, dass Ukraine die Worte der EU-Außenbeauftragten in Bezug auf einen strategischen Partner nicht interpretieren müsse.
Die US-Botschaft in der Ukraine veröffentlichte umgehend eine Erklärung, in der sie betonte, dass das diplomatische Vertretungsbüro im normalen Betrieb sei. Im Dokument heißt es, dass alle gegenteiligen Meldungen falsch seien und die Sicherheit US-Bürger weiterhin eine Priorität des Außenministeriums bleibe.
Korrektur des Fehlers in Brüssel
Nachdem die Widerlegung öffentlich bekannt wurde, erfolgte eine Korrektur auf der Website des diplomatischen Dienstes der Europäischen Union. In der aktualisierten Version der Erklärung wurde der Hinweis auf den Abzug der Amerikaner entfernt. Die neue Formulierung lautet nun: „Alle Europäer blieben“, mit einem Vermerk zur Aktualisierung bezüglich der diplomatischen Präsenz in Kiew.
Politischer Kontext
Dieser Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund harter Drohungen Moskaus mit Angriffen auf Kiew. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha hatte zuvor seine Kollegen aus der EU dafür gedankt, dass sie sich nicht einschüchtern ließen. Auch Warschau trat zur Verteidigung Kiews an, rief den russischen Botschafter ein und erklärte, dass die Ziele der „Spezialoperation“ ausschließlich militärischer Natur sein müssten. Der Fehler von Kallas, obwohl korrigiert, könnte als Signal für eine mögliche Schwächung der Unterstützung missverstanden werden, was unter den aktuellen Bedingungen unzulässig ist.