Der Skandal um die ukrainische Fernsehmoderatorin Olga Martynovska hat sich von einer Unterhaltungsnachricht zu einer ernsthaften Lektion im Reputationsmanagement entwickelt. Auslöser für die heftige Reaktion der Öffentlichkeit war ein Interview mit Masha Efrosinina, in dem die Star von Kinderscherzen mit Tieren erzählte. Experten betonen jedoch, dass das Problem weniger im Geständnis selbst lag, sondern darin, wie die Moderatorin versuchte, die Dinge nach dem Medienaufschrei zu glätten.

Der Hauptfehler: Entschuldigung für die Reaktion, nicht für die Tat

Die Inhaberin der Agentur a69pr und bekannte PR-Expertin Alena Garmasch analysierte in einem exklusiven Kommentar für RBC-Ukraine die Handlungen von Martynovska. Nach Ansicht der Spezialistin wäre der Reputationsschaden minimal gewesen, wenn die Reaktionsstrategie anders aufgebaut worden wäre.

Der entscheidende Fehler liegt laut Garmasch in der Formulierung des ersten Videokommentars von Olga. Die Moderatorin erklärte: „Entschuldigen Sie diejenigen, die von meinen Äußerungen verletzt wurden“. Die Expertin betont, dass dies ein klassischer Fehler ist: Martynovska entschuldigte sich dafür, dass es den Menschen unangenehm war, gab aber keine Schuld für den Inhalt ihrer Äußerungen zu und bestätigte nicht, dass die Ereignisse übertrieben waren.

„Sie entschuldigte sich dafür, dass sich die Menschen gekränkt fühlten, und nicht für das, was sie getan hat. Und sie entschuldigte sich nicht für die Reaktion während des Interviews. Das bedeutet, dass die Person die Situation nicht wirklich verstanden hat“, fasst Garmasch zusammen.

Die verpasste Chance in der frühen Phase

Die Situation hätte sich bereits während der Aufzeichnung des Interviews anders entwickeln können. Die Expertin stellt fest, dass selbst wenn Martynovska die Version der Übertreibung beibehalten hätte, sie ihre Position sofort hätte klarstellen können.

„Als sie im Interview war, hätte sie sagen können: ‚Selbst wenn dies übertrieben war, verurteile ich dies kategorisch‘. Man hätte die Position klar erklären und keinen Raum für Interpretationen lassen können“, erklärt Garmasch.

Neben der verbalen Kommunikation schlägt die Expertin ein konstruktives Beispiel vor, das der Reputation zugutegekommen hätte: „Man hätte sogar einen bestimmten Beitrag zur Unterstützung von Tieren leisten können. Ich verstehe, dass die Ukraine kein Hollywood ist, aber das wäre für eine öffentliche Persönlichkeit angemessen und schön gewirkt“.

Warum die Marke TM Savory den Vertrag kündigte

Die Folgen des Skandals waren spürbar: Die Marke TM Savory beschloss, die Zusammenarbeit mit Olga Martynovska zu beenden. Alena Garmasch kommentierte diesen Schritt in ihrem Telegram-Kanal und stellte fest, dass es nicht um die „freche“ Vergangenheit der Star ging.

„Die Gesellschaft spürt normalerweise sehr gut den Unterschied zwischen ‚es tut mir leid, dass Sie das als verletzend empfunden haben‘ und ‚es tut mir leid, dass ich das getan habe‘. Und ich denke, genau aus diesem Grund hat die Marke diese Entscheidung getroffen. Nicht wegen der Vergangenheit. Sondern wegen der Art und Weise, wie diese Geschichte in der Gegenwart erlebt und der Öffentlichkeit präsentiert wurde“, ist die Meinung der PR-Managerin.

Laut der Expertin hätte eine richtige Strategie in der frühen Phase die Entwicklung des Skandals vollständig stoppen können. Stattdessen „gräbt sich Martynovska einfach maximal selbst ein“, so Garmasch.

Kontext des Skandals

Zur Erinnerung: Während des Interviews mit Masha Efrosinina erzählte Olga Martynovska, dass sie angeblich als Kind Katzen vom Dach geworfen und Böller an deren Schwänze gebunden habe. Nach der Veröffentlichung des Ausschnitts folgte eine scharfe Reaktion im Netz, und der Clip wurde gelöscht.

Masha Efrosinina selbst erklärte, dass sie keine Gewalt gegen Tiere unterstützt, und präzisierte, dass die Worte von Martynovska eine „unglückliche Hyperbel“ und keine wörtliche Beschreibung der Ereignisse waren. Auch die Organisation UAnimals reagierte auf den Skandal und betonte, dass Grausamkeit gegenüber Tieren unter keinen Umständen akzeptabel sei.