In der Ukraine hat sich ein resonanter Skandal um den Versuch der Registrierung der Marke „На щите эвакуация павших' (Auf dem Schild: Evakuierung der Gefallenen) entzündet. Die Bezeichnung klingt ähnlich wie der Name eines bekannten humanitären Projekts der Streitkräfte der Ukraine, das sich mit der Suche und Evakuierung der Leichen gefallener Soldaten befasst. Der Versuch der Kommerzialisierung oder Aneignung eines Symbols, das Teil des nationalen Gedächtnisses geworden ist, hat eine breite öffentliche Resonanz und das Eingreifen der Regulierungsbehörden ausgelöst.

Geschichte der Registrierungsversuche und Rücknahme der Anträge

Laut dem Ukrainischen Nationalen Amt für geistiges Eigentum und Innovationen (UKRNOISI) reichte die Organisation „Zentraler Militärrat' im Jahr 2025 zwei Anträge auf Registrierung der Bezeichnung „НА ЩИТЕ эвакуация павших' ein. Die Anträge erhielten die Registrierungsnummern m202502514 und m202506457. Der Registrierungsprozess wurde jedoch nicht abgeschlossen. Das Verfahren zu diesen Anträgen wurde im Juli und November 2025 ausgesetzt. Schließlich teilte der Antragsteller offiziell mit, dass die Anträge als zurückgezogen gelten.

Das UKRNOISI betonte, dass die Marke auf Basis dieser Anträge nicht registriert wurde und auch nicht registriert werden kann. Das Amt stellte zudem fest, dass es nicht befugt ist, jemandem die Einreichung von Markenregistrierungsanträgen zu verbieten, jedoch wird jeder Antrag einer strengen Prüfung auf Einhaltung der Gesetzgebung und Vorliegen von Ablehnungsgründen unterzogen.

Herkunft des Symbols und seine Bedeutung

Der Name „На щите' (Auf dem Schild) wurde bereits 2022 für die humanitäre Mission der Streitkräfte der Ukraine verwendet. Die Idee, die sowjetische Bezeichnung für gefallene Soldaten „Fracht 200' zu ersetzen, schlug der Veteran und Freiwillige Leonid Ostaltsev vor. Bei der Umsetzung des Projekts schloss sich die Freiwillige Tatyana Kepler an. Im August 2022 teilte der Generalstab offiziell mit, dass das humanitäre Projekt der Streitkräfte der Ukraine „EVAKUATSIYA 200' zum Projekt „НА ЩИТЕ' reformiert wurde.

Laut Tatyana Kepler entwarf ihre Mutter, die Künstlerin Marysha Kepler, die Autorenschrift für die Inschrift. Die Freiwillige merkte an, dass der Name entstand, um über gefallene Verteidiger nicht als „Fracht', sondern als Menschen zu sprechen, die „mit dem Schild oder auf dem Schild' nach Hause zurückkehren. Derzeit planen die Freiwilligen, die Urheberrechte an der Schriftart „На щите' und dem Abzeichen zu registrieren und diese anschließend dem Verteidigungsministerium zu übergeben.

Widersprüchliche Daten: Wer stand hinter den Anträgen?

Während der Ermittlungen gab es erhebliche Uneinigkeiten über die Identität des tatsächlichen Initiators der Antragstellung. In den Dokumenten wurde Daniil Shmatkov als Vertreter der Organisation „Zentraler Militärrat' angegeben. Laut „Suspilne' ist er Kandidat der technischen Wissenschaften, Dozent und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter der Nationalen Universität für Innere Angelegenheiten in Charkiw.

Shmatkov selbst bestreitet seine Beteiligung an der Antragstellung kategorisch. Er erklärte, dass er 2025 bei der Firma „4B Ukraine' arbeitete und die Dokumente angeblich über sein persönliches elektronisches Konto ohne sein Zutun eingereicht wurden. Nach seinen Worten ist er kein Vertreter der Organisation. Das UKRNOISI bestätigte, dass Shmatkov am 11. August 2026 einen Antrag auf Rücknahme des Antrags sowie eine Erklärung zum Widerruf der Vertretung eingereicht hat.

Die Situation wird durch Fakten über die antragstellende Organisation selbst verkompliziert. Die Organisation „Zentraler Militärrat' wurde bereits 2015 in Kiew registriert. Als Mitbegründer sind Alexander Serafimowitsch und Eduard Korobow aufgeführt. Beide Männer bestreiten eine aktuelle Beteiligung an der Tätigkeit der Organisation. Eduard Korobow, ehemaliger Bewohner der Stadt Chystiakowe (Torez) in der Oblast Donezk, wurde in die Datenbank „Mirotvorec' aufgenommen, da er zwischen 2017 und 2021 wahrscheinlich die Grenze zu Russland vom besetzten Teil der Oblast Donezk aus überquerte.

Position des Regulators und öffentliche Reaktion

Das UKRNOISI erklärte, dass seine Position zur Verwendung von Kriegssymbolen unverändert bleibt. „Es ist unzulässig, von dem Thema Krieg, militärischen Symbolen, dem Heldentum ukrainischer Verteidiger und Verteidigerinnen, dem Gedenken an die Gefallenen und gesellschaftlich bedeutsamen Symbolen, die mit dem russisch-ukrainischen Krieg verbunden sind, zu profitieren', hieß es im Amt.

Gleichzeitig bedeutet die rechtliche Vertretung eines Antrags nicht automatisch, dass der Antragsteller das Eigentumsrecht an der entsprechenden Bezeichnung erhält. In diesem Fall wurden beide Anträge bereits 2025 zurückgezogen und führten nicht zur Registrierung einer Marke. Dennoch bleibt die bloße Tatsache des Versuchs, ein fremdes Symbol für persönliche oder kommerzielle Zwecke zu nutzen, Gegenstand öffentlicher Verurteilung.