Im politischen Raum Ungarns zeichnet sich eine ernste personelle Veränderung vor dem Hintergrund des resonanten Falls der Beschlagnahmung von Vermögenswerten der ukrainischen „Oschadsbank“ ab. Der Generalstaatsanwalt des Landes, Gábor Balint Nagy, könnte seinen Posten verlassen. Diese Information wird durch indirekte Aussagen des Ministerpräsidenten Péter Madjar bestätigt, der einen Zusammenhang zwischen einem möglichen Rücktritt und dem Skandal mit den Geldtransportbeamten nicht ausschloss.
Reaktion des Ministerpräsidenten auf personelle Umstrukturierungen
Laut dem Magazin HVG, auf das sich RBC-Ukraine bezieht, erklärte Péter Madjar im Gespräch mit Journalisten, dass für den Rücktritt des amtierenden Generalstaatsanwalts keine speziellen Maßnahmen erforderlich seien. Gábor Balint Nagy wurde noch während der Amtszeit von Viktor Orbán auf diesen Posten berufen. Auf die direkte Frage, ob ein potenzieller Rücktritt mit dem Fall der Geldtransportbeamten zusammenhänge, antwortete der Ministerpräsident lakonisch: „Möglicherweise hängt dies damit zusammen“.
Dieser Schritt fügt sich in die allgemeine Linie der neuen Regierung ein, die eine umfassende Reform staatlicher Institutionen eingeleitet hat. Zuvor hatte Madjar bereits Entschlossenheit gezeigt, das Erbe der vorherigen Regierung zu ändern, insbesondere im Medienbereich, wo versucht wurde, die Medienimperien Orbáns zu liquidieren.
Details des Vorfalls: 40 Millionen Dollar und 9 kg Gold
Das Schlüsselerlebnis, das den Katalysator für eine Überprüfung der Personalpolitik im Sicherheitssektor darstellte, war der Vorfall vom 5. März 2026. In der Nähe von Budapest stoppten ungarische Strafverfolgungsbehörden zwei gepanzerte Fahrzeuge der „Oschadsbank“. Im Laderaum der Fahrzeuge befand sich eine große Ladung: 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold. Laut der offiziellen Version handelte es sich um einen standardmäßigen Geldtransport zwischen der österreichischen Raiffeisen Bank und der ukrainischen Bank.
Die Situation um die Festnahme entwickelte sich schnell zu einem internationalen Skandal. Sieben Geldtransportbeamte, die die Ladung begleiteten, verbrachten mehr als 28 Stunden in Handschellen. Während der Festnahme wurde einer der Bankmitarbeiter während der Vernehmung zweimal gezwungenermaßen injiziert. Danach verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Mannes rapide, und er musste dringend ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Ermittlungen und Rückgabe der Vermögenswerte
Nachdem Péter Madjar die Macht übernommen hatte, gab er den Befehl, die Handlungen der Sicherheitskräfte unverzüglich unabhängig zu untersuchen. In die Ermittlungen wurden die Nationale Steuer- und Zollverwaltung, das Antiterrorzentrum und andere Behörden einbezogen, die mit der Festnahme zu tun hatten.
Das Ergebnis der Prüfung war die Anerkennung eines Fehlers: Im Mai 2026 gab Ungarn der „Oschadsbank“ alle beschlagnahmten Mittel und Vermögenswerte in vollem Umfang zurück. Die Folgen für den Ruf der Behörde und bestimmter Beamten erwiesen sich jedoch als schwerwiegend.
Kurswechsel in der Medienpolitik
Parallel zur Aufarbeitung des Falls „Oschadsbank“ überprüften die neuen ungarischen Behörden ihre Haltung gegenüber ukrainischen Informationsressourcen. Das Verbot ukrainischer Medien, das von Orbáns Regierung im Jahr 2025 als Gegenmaßnahme zu den Beschränkungen ungarischer Medien in der Ukraine eingeführt worden war, wurde aufgehoben. Das Ministerium bezeichnete diese Entscheidung als Korrektur eines Fehlers der vorherigen Führung, was auf eine Kursänderung in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern hindeutet.