Mit dem Einsetzen der kalten Jahreszeit stehen immer mehr Smartphone-Besitzer vor demselben Problem: Das Gerät verliert schneller an Ladung, wird langsamer und schaltet sich plötzlich ab, obwohl die Anzeige noch 20–30 % Akku ausweist. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein Defekt oder eine „Verschwörung der Hersteller“, dahinter steckt jedoch eine vollkommen erklärbare Physik. Der Grund liegt in den physikalischen Eigenschaften von Lithium-Ionen-Akkus bei niedrigen Temperaturen und nicht in einem Gerätefehler.

Was im Akku bei Frost passiert

Die meisten modernen Handys arbeiten mit Lithium-Ionen-Akkus, in denen sich ein flüssiger Elektrolyt befindet, durch den sich Lithium-Ionen bewegen und Energie für den Betrieb erzeugen. Bei Raumtemperatur laufen diese Prozesse effizient und stabil ab. Sink jedoch die Temperatur, „verdickt“ sich der Elektrolyt, chemische Reaktionen im Akku verlangsamen sich, der Innenwiderstand steigt und die Spannung sinkt drastisch. Infolgedessen verbraucht das Smartphone schneller Strom, kann hängen bleiben und unerwartet ausgehen. Dabei ist der Prozentwert auf dem Display ein algorithmischer Wert und keine exakte Messung: Fällt die Spannung in der Kälte unter ein sicheres Minimum, „denkt“ das System, der Akku sei leer, und leitet eine Notabschaltung ein, um Prozessor und Speicher zu schützen. Tatsächlich ist noch Energie im Akku vorhanden – sie wird durch die Kälte lediglich vorübergehend „blockiert“.

Was Apple und Samsung dazu sagen

Apple erklärt, dass die Nutzung eines iPhones bei sehr niedrigen Temperaturen die Batterielebensdauer vorübergehend verkürzen kann und sich die Werte nach der Rückkehr in wärmere Umgebung meist normalisieren. Dies bedeutet, dass eine plötzliche Abschaltung in der Kälte nicht zwangsläufig auf einen Akkudefekt hinweist. Gemäß den Apple-Empfehlungen sollten iPhones am besten bei Umgebungstemperaturen zwischen 0 und +35 Grad Celsius verwendet werden. Samsung gibt einen ähnlichen Bereich für seine Galaxy-Smartphones an. Wichtig zu verstehen ist: Das heißt nicht, dass das Handy bei minus 1 Grad sofort den Dienst verweigert. Die Reaktion hängt von der Dauer des Aufenthalts in der Kälte, dem Akkuzustand und der Geräteleistung ab. Besondere Aufmerksamkeit ist bei älteren Smartphones geboten, da verschlissene Akkus niedrige Temperaturen spürbar schlechter verkraften.

Wie Sie Ihr Smartphone bei Kälte schützen

Damit sich das Handy nicht im unpassendsten Moment ausschaltet, genügen ein paar einfache Regeln. Erstens: Tragen Sie das Smartphone in der Innentasche – dort ist das Gerät besser vor kalter Luft geschützt als in einer äußeren Jackentasche oder im Rucksack. Zweitens: Lassen Sie das Smartphone nicht im kalten Auto liegen; selbst ein ausgeschaltetes Gerät sollte nicht bei extrem niedrigen Temperaturen aufbewahrt werden. Drittens: Aktivieren Sie den Energiesparmodus (bei iPhone der Modus „Stromsparen“, bei Samsung Galaxy „Energiesparen“); diese drosseln Hintergrundprozesse und senken den Energieverbrauch. Viertens: Reduzieren Sie die Bildschirmhelligkeit, da das Display einen erheblichen Teil der Ladung verbraucht. Fünftens: Halten Sie das Telefon in der Kälte nicht ständig in den Händen – nutzen Sie für Anrufe Kopfhörer und lassen Sie das Gerät in der Tasche. Diese Maßnahmen beseitigen zwar nicht den Einfluss der Kälte auf den Akku, helfen aber, den zusätzlichen Stromverbrauch zu minimieren.

Was Sie nach der Rückkehr ins Warmartige nicht tun sollten

Einer der häufigsten Fehler ist der Versuch, das Smartphone nach der Rückkehr nach Hause möglichst schnell aufzuwärmen. Legen Sie es weder auf die Heizung, noch halten Sie es an einen Heizlüfter oder föhnen es: Der abrupte Temperaturwechsel kann zur Kondenswasserbildung führen, und übermäßige Hitze birgt zusätzliche Risiken für die Elektronik. Am besten belässt man das Gerät in einem trockenen Raum und wartet, bis es sich allmählich auf Raumtemperatur erwärmt. Auch sollte man ein stark abgekühltes Smartphone nicht sofort aufladen: Apple und Samsung sehen Temperaturgrenzen für das Laden vor, und ist der Akku zu kalt, kann das System den Ladevorgang vorübergehend unterbrechen. Lassen Sie das Handy daher vor dem Anschließen an das Ladegerät auf natürliche Weise aufwärmen.

Wann der Akku überprüft werden muss

Schaltet sich das Smartphone nur in der Kälte aus und funktioniert im Warmen wieder einwandfrei, liegt die Ursache höchstwahrscheinlich an der niedrigen Temperatur. Wiederholt sich das Problem jedoch auch zu Hause, sollten Sie den Akkuzustand überprüfen: Beim iPhone geschieht dies in den Batterieeinstellungen, wo die maximale Kapazität angezeigt wird; bei Samsung Galaxy ist eine Diagnose über die Samsung Members-App möglich. Zu den Anzeichen für einen möglichen Verschleiß gehören häufige plötzliche Abschaltungen, eine spürbare Verkürzung der Akkulaufzeit und Systemwarnungen zum Batteriezustand. Treten solche Probleme regelmäßig auf, empfiehlt sich der Gang zu einem autorisierten Servicecenter. Die goldene Regel für die kalte Jahreszeit lautet: Das Smartphone nicht lange in der Kälte liegen lassen, extreme Hitze vermeiden und erst nach Erreichen einer zulässigen Temperatur wieder aufladen.