Am 12. August steht Europa vor einer einzigartigen Herausforderung für seine Energieinfrastruktur. Eine partielle Sonnenfinsternis, die über dem Kontinent stattfinden wird, wird zu einem plötzlichen und vorübergehenden Rückgang der Photovoltaik-Energieerzeugung führen. Die Netzbetreiber bereiten sich bereits auf dieses Ereignis vor und prognostizieren Schwankungen in der Erzeugung, die dem Abschalten mehrerer großer Kraftwerke entsprechen.
Prognose für Frankreich und Europa
Der französische Hochspannungsnetzbetreiber RTE hat davor gewarnt, dass die Finsternis eine schnelle Abnahme und anschließende Rückkehr des Sonnenlichts zur Folge haben wird. Dies wird zu starken Schwankungen in der Solarenergieerzeugung innerhalb weniger Dutzend Minuten führen. Die Finsternis wird zwischen 19:30 und 21:30 Uhr Ortszeit erwartet.
Laut Berechnungen wird die gesamteuropäische Solarenergieerzeugung in den Spitzenzeiten der Verdunkelung um etwa 9700 MW sinken. Dieser Rückgang entspricht 3,7 % der gesamten installierten Solarkapazitäten der Europäischen Union. Für Frankreich werden die Verluste bei klarem Wetter etwa 1800 MW betragen (ungefähr 3 % der nationalen Erzeugung).
In einigen Regionen Frankreichs wird die Finsternis bis zu 99 % der Sonnenoberfläche verdecken, während im Norden Spaniens eine totale Finsternis erwartet wird. Im europäischen Maßstab wird Frankreich weniger betroffen sein als Deutschland (prognostizierter Rückgang von 3300 MW) oder Spanien (3000 MW).
Risikomanagement und Erfahrung aus der Vergangenheit
Trotz der beträchtlichen Zahlen hat RTE versichert, dass keine "Auswirkungen auf die Verbraucher" erwartet werden. Die Stromversorgung in Frankreich bleibt stabil. Ein Schlüsselfaktor ist der Zeitpunkt des Ereignisses: Die Finsternis findet am Ende des Tages statt, wenn der Höhepunkt der Solarenergieerzeugung bereits überschritten ist und die Gesamtlast auf dem Netz geringer ist.
Die Situation unterscheidet sich grundlegend von der Finsternis im Jahr 1999. Damals befand sich die Photovoltaik-Energieerzeugung noch in den Kinderschuhen, und weltweit waren nur etwa 1 Gigawatt Kapazitäten installiert. Der heutige Maßstab der Solarenergieerzeugung zwingt die Betreiber, neue Parameter in der Steuerung des Energiesystems zu berücksichtigen. Das Ereignis wird von der Vereinigung europäischer Netzbetreiber ENTSOE überwacht.
Die Netzbetreiber haben bereits Erfahrung im Umgang mit ähnlichen Ereignissen. Während der partiellen Finsternis am 20. März 2015 sank die Solarenergieerzeugung in Frankreich um 2000 MW, und der gesamteuropäische Rückgang belief sich auf 35 Gigawatt. Dank sorgfältiger Vorbereitung und Koordination konnte das System in Echtzeit problemlos stabilisiert werden.
Widersprüchliche Daten
Während die Situation in Frankreich und Deutschland vollständig unter Kontrolle ist, verzeichnen andere Länder der Region ernsthafte Probleme mit der Stromversorgung, was einen angespannten Kontext für die Manöver im Energiesystem schafft. Insbesondere in Georgien kam es in den letzten zwei Wochen zum dritten großflächigen Blackout, der Tiflis, Batumi und Kutaisi ohne Strom ließ und den Betrieb der U-Bahn lahmlegte. Auch in Ungarn drohte die Stilllegung des einzigen Kernkraftwerks, was zu einer Energiekrise hätte führen können, wie sie das Land seit mehr als 40 Jahren nicht mehr erlebt hat. Diese Ereignisse unterstreichen die Verwundbarkeit moderner Stromnetze gegenüber externen Faktoren, sei es durch technische Störungen oder astronomische Ereignisse.
Fazit
Die Sonnenfinsternis am 12. August wird eine Prüfung für die Koordination der europäischen Energiesysteme sein. Es wird erwartet, dass die Schwankungen in der Erzeugung dank der Erfahrungen der vergangenen Jahre und der Arbeit der ENTSOE erfolgreich kompensiert werden und die Verbraucher keine Unannehmlichkeiten spüren werden.