In der Ukraine startet offiziell ein Pilotprojekt, das eine der drängendsten Probleme der letzten Jahre lösen soll – die Wohnungsfrage für Binnenvertriebene (BVL). Im Rahmen dieser neuen Initiative erhalten lokale Gemeinden die Möglichkeit, freie Privathäuser zu kaufen und sie Vertriebenen unter den Bedingungen einer Sozialmiete zur Verfügung zu stellen.
Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Volksabgeordnete Jelena Schuljak berichtet, wurden für die Umsetzung dieses umfangreichen Programms im Staatshaushalt für 2026 bereits 1 Milliarde Griwna eingeplant. Vor Ort läuft derzeit eine intensive Arbeit: Die Gemeinden analysieren ihren Wohnungsbestand und erstellen Listen leerstehender Häuser, die mit staatlichen Mitteln erworben werden können.
Strenges Auswahlverfahren: Warum die meisten Gemeinden nicht in den Pilot aufgenommen wurden
Trotz des großen Interesses an dem Programm erwiesen sich die Teilnahmebedingungen als außerordentlich streng. Um in das Projekt aufgenommen zu werden, müssen die Siedlungen über eine entwickelte Infrastruktur verfügen: Es müssen Arbeitsplätze, Schulen, Kindergärten, medizinische Einrichtungen und ein gut ausgebautes Verkehrsnetz vorhanden sein.
Gerade diese hohen Anforderungen waren der Grund dafür, dass die meisten Bewerber in der Anfangsphase nicht an der Initiative teilnehmen konnten. Laut Jelena Schuljak haben von den 25 Gemeinden, die Anträge gestellt haben, nur fünf die erste Auswahlrunde bestanden. Genau in diesen Gebieten hat nun die aktive Suche nach Wohnobjekten und die Erstellung von Listen der unterstützungsbedürftigen Familien begonnen.
Wer erhält Wohnraum und unter welchen Bedingungen
Das Programm basiert auf den Prinzipien der Sozialmiete. Die wichtigsten Parameter für den Kauf und die Belegung sehen wie folgt aus:
- Kostengrenze: Der maximale Kaufpreis für ein Privathaus darf 500.000 Griwna nicht überschreiten.
- Wohnbedingungen: Die Immobilien werden den Vertriebenen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Familien müssen lediglich die verbrauchten Nebenkosten selbst bezahlen.
- Prioritätskategorien: Vorrang bei der Wohnraumversorgung erhalten ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie Familien mit Kindern.
- Eigentumsstatus: In der ersten Phase des Projekts bleiben die Häuser im Besitz der lokalen Behörden und werden den Vertriebenen nicht ins Privateigentum übertragen.
Kritische Belastung der Regionen
Der Start des Projekts ist für die Regionen, die den Hauptstrom der evakuierten Bürger aufgenommen haben, von kritischer Bedeutung. Insbesondere in den Oblasten Winnyzja und Chmelnyzkyj wird ein erhebliches Bevölkerungswachstum verzeichnet. In einigen Gemeinden machen Binnenvertriebene 25–30 % der Gesamtbevölkerung aus, wodurch die lokale Infrastruktur und das Versorgungsnetz an einigen Orten die Belastung bereits nicht mehr bewältigen können.
Zusätzliche Maßnahmen und Zukunft des Programms
Auf Ebene des Parlaments werden zusätzliche Initiativen intensiv diskutiert, die auf eine umfassende Lösung der Wohnungsfrage abzielen. Zu den wichtigsten Richtungen gehört die Strategie zur Entwicklung eines Systems für erschwingliche Mieten, die massive Erweiterung der Bestände an Sozialwohnungen sowie die Legalisierung des Schwarzmarktes bei Vermietungen durch die Einführung einer speziellen ermäßigten Steuerbelastung für Vermieter.
Parallel dazu funktioniert in der Ukraine erfolgreich ein innovativer Mechanismus zur Reservierung finanzieller Mittel mithilfe spezieller Wohn-Gutscheine. In der ersten Phase erhielten Veteranen und Personen, die infolge von Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten haben, prioritären Zugang zur Finanzierung. In Zukunft planen die Behörden, dieses Projekt zu skalieren und die Gültigkeit der Gutschein-Programme auf andere Kategorien von Binnenvertriebenen auszudehnen.