Der Halbleitermarkt hat eine der schärfsten Korrekturen der letzten Monate erlebt. Innerhalb von fünf Handelstagen verloren die Notierungen von SK hynix 26 %, Samsung Electronics 22 % und Micron Technology, die traditionell weniger von Verbraucherspeicher abhängen, gab um 11 % nach. Berichten von RBC und Kommersant zufolge traf der Hauptschlag die Papiere der Chiphersteller Ende Juli 2026, als Investoren massenhaft Verluste realisierten. Zwei zentrale Auslöser waren erstens der bestätigte technologische Fortschritt des chinesischen Unternehmens CXMT und zweitens wachsende Ängste vor einer unvermeidlichen Überproduktion von Speicherchips bis 2029.
Der technologische Sprung von CXMT: Ein erzwungener Schritt, vom Markt als Bedrohung gewertet
Bereits Ende letzter Woche wurde bekannt, dass das chinesische Unternehmen CXMT als weltweit erster Anbieter mit der Serienlieferung von DDR5-Speicher mit vertikalen Transistoren beginnen will. Für ein Unternehmen, das unter US-Sanktionen agiert, ist ein solcher Sprung weitgehend ein erzwungener Schritt – Alternativen zur Umgehung technologischer Beschränkungen bei klassischen Prozessen bleiben kaum. Der Markt nahm das Signal jedoch anders auf: als Bestätigung dafür, dass CXMT die technologische Lücke zu westlichen Konkurrenten stetig schließt. Die Logik der Investoren ist einfach – sollte der chinesische Hersteller seinen Marktanteil weiter ausbauen, wird dies unweigerlich die Margen und Aktienkurse seiner koreanischen und amerikanischen Kontrahenten treffen.
Analystenmeinung: Durchbruch ist gleichbedeutend mit Volumen
In Kommentaren gegenüber CNBC versuchten Analysten, die Panik zu kühlen, und betonten, dass ein technologischer Durchbruch allein noch keinen Zuwachs an Speicherproduktion garantiert. Neue Technologien liefern in den frühen Phasen normalerweise keine hohen Ausbeuten an verwertbaren Produkten: Wenn schätzungsweise die Hälfte der Chips aussortiert werden muss, wird es in nächster Zeit keinen signifikanten Anstieg der CXMT-Produktionsvolumina geben. Der reale Effekt der Ankündigung von DDR5 mit vertikalen Transistoren hängt somit davon ab, wie schnell CXMT den Prozess auf ein industrielles Qualitätsniveau bringt, und nicht von der Lautstärke der Erklärung.
Prognose zur Überproduktion: Von Broadcom bis Elon Musk
Nicht nur die Chefs von Broadcom und Intel, sondern auch südkoreanische Experten warnten den Markt vor der drohenden Überproduktion. In der Maeil Business Newspaper erklärten sie, dass der Speichermarkt bis 2029 buchstäblich mit Angebot überschwemmt sein wird und der aktuelle Superzyklus bis 2030 zu Ende geht und einer Abschwungphase Platz macht. Auch Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk ließ es sich nicht nehmen zu kommentieren, dass „China bis 2028 viel Speicher produzieren wird“. Die Gesamtheit dieser Signale erzeugte in den Köpfen der Investoren das Bild eines bevorstehenden Preissturzes.
Mittelfristiges Defizit und warum der Abschwung milder ausfällt
Ein wichtiger Aspekt, der in Panik-Schlagzeilen oft übersehen wird, ist die zeitliche Verschiebung. Alle großen Speicherhersteller sind derzeit mit dem Ausbau von Produktionskapazitäten beschäftigt, doch diese werden erst in drei bis fünf Jahren betriebsbereit sein. Das bedeutet, dass das Defizit mittelfristig anhalten wird, die Preise hoch hält und den Marktteilnehmern gleichzeitig ermöglicht, Gewinne zu erzielen und in zusätzliche Linien zu investieren. Prognosen von Counterpoint Research zufolge werden die DRAM-Preise im Jahr 2028 um 23 % gegenüber 2027 fallen, aber dennoch etwa 230 % über dem Niveau von 2025 bleiben. Selbst wenn der Markt in eine Abschwungphase eintritt, wird diese nicht so heftig ausfallen wie in vergangenen Zyklen – vor allem dank des Übergangs zu langfristigen Verträgen, die Speichermengen und -preise für Jahre im Voraus festlegen.