Bei einigen Vorstellungen des Films „Spider-Man: Ein neuer Tag“ stellten Zuschauer und Kinooperatoren einen anhaltenden grünen Schleier auf dem Bild fest: Dunkle Szenen erhielten einen trüben, „verschmutzten“ Farbton, und in Sälen mit Laserprojektion wirkte der Artefakt am ausgeprägtesten. Nach vorliegenden technischen Daten liegt die Ursache nicht im Film selbst, sondern in der Vorbereitung des digitalen Distributionspakets (DCP) für nicht-IMAX-Säle: Beim finalen Rendern kam es zu einem Fehler in den Koeffizienten der Farbtransformationsmatrix, was zu einer falschen Darstellung des DCI-P3-Farbraums auf den Projektoren führte. Im Folgenden eine technische Analyse, wie dieser visuelle Defekt genau entsteht und warum er je nach Saalformat unterschiedlich auftritt.
Farbraumtransformation und Fehler der Matrixumrechnung
Kinoprojektoren arbeiten im Standard-Farbraum DCI-P3 mit dem Farbmodell CIE XYZ und einer Gammakurve von 2,6. Eine korrekte Wiedergabe erfordert eine präzise Matrixumrechnung vom Arbeitsraum des Masters in den Raum des Projektors unter Anwendung von LUT-Tabellen zur Kompensation. Laut Beschreibung des Defekts kam es im DCP-Paket für normale Säle zu einem Fehler in den Koeffizienten dieser Matrix, was drei zusammenhängende Anomalien verursachte. Erstens verschob sich der Weißpunkt: Die Farbtemperatur wich vom kalibrierten Punkt D65 (6500 K) in Richtung des grünen Spektrums ab, in den Bereich von etwa 5400–5800 K. Zweitens erhielt der untere Bereich der Helligkeitsskala (von 0 bis 5 Nits) im Schwarzgradienten einen parasitären Anstieg im Green-Kanal um 12–15 %, wodurch dunkle Szenen trüb und grünlich wirkten. Drittens ermöglichte eine fehlerhafte XML-Metadatei des Pakets den Wiedergabeservern von Dolby und Doremi nicht, die korrekte LUT-Kompensationstabelle für Xenon- und Laserprojektoren anzuwenden, wodurch der Fehler auf Ebene der gesamten Vorstellung festgeschrieben wurde.
Unterschiede zwischen den Formaten Laser, IMAX und Xenon
Derselbe Paketdefekt zeigt sich je nach technischer Ausstattung des Saals unterschiedlich. In Laserkinos (RGB Laser) machten hohe Spitzenhelligkeit und erweiterter Farbumfang den Artefakt am deutlichsten sichtbar: Der grüne Schleier erhielt einen ausgeprägten, „giftig-neonartigen“ Charakter. In zertifizierten IMAX-Sälen fehlte der Defekt nach vorliegenden Daten: Das IMAX-Netzwerk verwendet isolierte proprietäre IMAX-DCP-Pakete, die auf einer separaten technischen Basis DMR (Digital Media Remastering) gemastert wurden, also nicht den gleichen fehlerhaften Matrixumrechnungsschritt durchlaufen haben. Auf klassischen Lampenprojektoren wurde der Film anders wahrgenommen: Durch den natürlichen Helligkeitsabfall der Xenon-Lampen wirkte das Bild übermäßig dunkel („ausgebrannt“) und weniger scharf, was den Farbschub teilweise maskierte, aber nicht beseitigte.
Was das für den Zuschauer und den Verleiher bedeutet
Für den Zuschauer beschränkt sich der praktische Schluss auf die Erkenntnis, dass die Bildqualität desselben Films je nach Saal und Projektionsformat sowie der Korrektheit des verwendeten DCP-Pakets erheblich variieren kann. Für den Verleiher und die Kinoketten wurde der Vorfall zu einem bezeichnenden Beispiel für die Verwundbarkeit moderner digitaler Filmverteilungs-Pipelines: Ein Fehler in der Matrixumrechnung und der Validierung der XML-Metadatei verbreitet sich auf alle Vorstellungen, die dieses Paket nutzen, und lässt sich nicht durch Einstellungen vor Ort kompensieren. Die typische Reaktion in solchen Fällen ist die Neuzusammenstellung und erneute Validierung des DCP-Pakets sowie die vorübergehende Verlegung der Vorstellungen auf Säle mit korrektem Mastering (einschließlich IMAX), bis der Fehler auf Pipeline-Ebene behoben ist.
Aufbau der DCP-Pipeline und Entstehung des Fehlers
Ein digitales Kinopaket (DCP) ist ein Container mit Video, Audio und dienstlichen XML-Dateien, die die Wiedergabeparameter beschreiben, einschließlich des Farbraums und der LUT-Tabellen. Die Pipeline umfasst Mastering, Umrechnung der Farbräume für das Zielausstattung, Verpackung und Validierung. Genau in der Phase der DCI-P3-Matrixumrechnung und Generierung der Metadatei wurde laut Vorfallbeschreibung ein Fehler begangen: Falsche Matrixkoeffizienten und eine fehlerhafte XML-Datei verhinderten, dass die Dolby- und Doremi-Server die erforderliche Kompensation anwenden konnten. Da das IMAX-Mastering eine separate technische DMR-Basis nutzte, blieben seine Pakete davon unberührt. Dies erklärt, warum der Defekt einen „paketbezogenen“ und keinen „filmbezogenen“ Charakter hat und warum er in Sälen verschwindet, die einen anderen Master verwenden.