Die italienische Staatsanwaltschaft deckte eine großangelegte Spionageoperation auf, die von der russischen Militärnachrichtendienst GRU organisiert wurde. Eine in Italien tätige Gruppe sammelte gezielt Daten über Luftabwehrsysteme, die westliche Länder an die Ukraine liefern, um sie vor russischen Angriffen zu schützen. Die Ermittlungen enthüllten nicht nur die Methoden der Agenten, sondern auch konkrete Ziele Moskaus – von Unterwasserdrohnen bis hin zu Technologien für Raketentriebwerke.

Der Hauptverdächtige und sein Kurator

Im Zentrum der Ermittlungen stand der 59-jährige Gavino Piras, ein ehemaliger Offizier der italienischen Nachrichtendienste. Laut der Ermittlungsbehörden handelte er auf Anweisung des russischen Militärattachés in Rom, Michail Astakow, den die italienischen Behörden als GRU-Offizier betrachten. Die Treffen zwischen ihnen fanden heimlich statt: Astakow übergab Piras Listen mit Anfragen der Führung, und dieser legte im Gegenzug microSD-Karten mit Informationen in einem vorbereiteten Loch in der Wand ab.

Für jeden Datenpaket erhielt Piras 4.000 Euro bar. „Alles, was ich dir geben kann, gebe ich dir, gib es deinem Vorgesetzten weiter', sagte er laut den im Rahmen der Ermittlungen sichergestellten Protokollen zu Astakow.

Was interessierte Moskau?

Die Liste der angeforderten Informationen war breit gefächert und umfasste Schlüsselbereiche der militärischen Hilfe an die Ukraine sowie Technologien mit Doppelnutzung:

  • Daten zu westlichen Luftabwehrsystemen, die an die Ukraine geliefert werden, um sie vor Raketen- und Drohnenangriffen zu schützen;
  • Informationen über den von Leonardo in La Spezia getesteten Unterwasserdrohne;
  • Die Effektivität von Angriffen auf iranische Nuklearanlagen;
  • Technische Details zur Arbeit des italienischen Unternehmens Avio, das Feststofftriebwerke für Raketen herstellt, die seit April 2025 an die US-Armee geliefert werden.

Piras informierte seinen Kurator auch darüber, dass bei den Langstreckenangriffen der Ukraine auf russische Ölanlagen britische und nicht italienische Nachrichtendienste beteiligt sind. Außerdem warnte er Astakow davor, dass italienische Experten den russischen Panzer T-90 untersuchen und versuchen, das Prinzip der autonomen Funktion des darauf montierten Maschinengewehrs zu verstehen. „Wenn es ihnen gelingt, das Geheimnis zu stehlen, werden sie es tun, also seid vorsichtig', zitieren die Gerichtsunterlagen seine Worte.

Anwerbung und Erweiterung des Netzwerks

Mit dem Geld, das er von Astakow erhielt, warb Piras Informanten unter aktiven italienischen Militärs an. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen weitere fünf wahrscheinliche Informanten. Der Anwalt von Piras erklärte nach seiner Festnahme, dass sein Mandant Russland jede geheime Information übermittelte, was jedoch die Anklagepunkte nicht ändert.

Reaktion Italiens und internationaler Kontext

Die italienische Regierung kündigte die Ausweisung von zwei russischen Militärattachés aus der Botschaft in Rom an, darunter Michail Astakow. Außenminister Antonio Tajani nannte die Aktionen Moskaus eine „ernste und inakzeptable Einmischung in italienische Institutionen und die nationale Sicherheit'. „Moskau setzt den hybriden Krieg fort, um den Westen und Italien anzugreifen', betonte er.

Ähnliche Fälle werden auch in anderen europäischen Ländern registriert. So verhaftete die deutsche Staatsanwaltschaft in Berlin einen kasachischen Staatsbürger, der Russland Daten über die militärische Hilfe an die Ukraine übermittelte. Dies belegt den systematischen Charakter der Spionageaktivitäten russischer Nachrichtendienste in Europa, die darauf abzielen, Informationen über westliche Militäritechnologien und deren Einsatz im Konflikt in der Ukraine zu erhalten.