In der Musikindustrie bricht eine neue Ära der Transparenz an. Ab Mitte September 2026 setzt der Streaming-Riese Spotify eine umfassende Reform um, die darauf abzielt, die Kreationen echter Menschen von denen der Künstlichen Intelligenz zu trennen. Die Plattform führt eine obligatorische Kennzeichnung für Interpreten ein, deren öffentliche Identität generiert ist, und verändert die Empfehlungsalgorithmen grundlegend, indem sie Inhalte von „KI-Personas' daraus ausschließt.

Zwei Kategorien von Kennzeichnungen: „KI-Persona' und „Wahrscheinliche KI-Persona'

Den aktualisierten Plattformregeln zufolge werden in den Künstlerprofilen neue Abzeichen erscheinen. Die erste Kategorie – „AI Persona' (KI-Persona) – wird vergeben, wenn der Künstler freiwillig bestätigt, dass seine öffentliche Identität von einer Künstlichen Intelligenz generiert wurde. Spotify verlässt sich jedoch nicht ausschließlich auf die Ehrlichkeit der Künstler. Es wurde eine zweite Kategorie eingeführt – „Likely AI Persona' (Wahrscheinliche KI-Persona).

Dieses Abzeichen wird von der Plattformverwaltung angebracht, wenn deren Algorithmen und manuelle Prüfungen Anzeichen dafür erkennen, dass das Profil (einschließlich Name und fotorealistische Bilder) mit Hilfe von neuronalen Netzen erstellt wurde. Künstlern mit einer großen Fangemeinde wird bei der Prüfung Priorität eingeräumt, um Nutzer vor massivem Spam und minderwertigen Inhalten zu schützen, die häufig automatisch generiert werden.

Ausschluss aus Empfehlungen und Schutz der Hörer

Die wichtigste Konsequenz des Abzeichens „KI-Persona' wird der automatische Ausschluss der Musik dieser Künstler aus den persönlichen Empfehlungen sein. Spotify begründet dies mit der Reaktion auf Nutzeranfragen: Hörer hatten Unmut darüber geäußert, dass Algorithmen ihnen Titel von Interpreten vorschlagen, die wie echte Menschen wirken, in Wirklichkeit aber digitale Konstrukte sind. Das Unternehmen erklärt, dass es darauf abzielen wird, menschliche Kreativität hervorzuheben und „Spam sowie minderwertige Inhalte' herauszufiltern.

Wichtig ist, dass die Kennzeichnungen die Identität des Interpreten betreffen, nicht die Art der Musikproduktion. Derzeit verfügt Spotify über kein System zur Kennzeichnung von Titeln, die mit Hilfe von KI geschrieben, aber von echten Menschen interpretiert wurden. Die Plattform verlässt sich weiterhin auf die Selbstauskunft der Künstler in Bezug auf die Nutzung neuronaler Netze im Sound-Produktionsprozess.

Widersprüchliche Daten und das Ausmaß des Problems

Die Einführung der Kennzeichnungen erfolgt vor dem Hintergrund einer akuten Krise der Überproduktion von Inhalten. Daten des Spotify-Konkurrenten Deezer zeigen, dass Titel, die mit Hilfe von KI erstellt wurden, bis August 2026 bereits 50 % aller täglichen Uploads auf der Plattform ausmachen. Dies erzeugt eine erhebliche Belastung für die Moderationsalgorithmen.

Es gibt eine Nuance bei der Interpretation der Aktionen von Spotify. Einerseits behauptet das Unternehmen, gegen Spam und minderwertige Inhalte vorzugehen. Andererseits könnten Kritiker darin einen Versuch sehen, die Aufmerksamkeit auf „geprüfte' Künstler zu monopolisieren. Spotify betont, dass das Abzeichen „Wahrscheinliche KI-Persona' kein Urteil ist: Der Künstler erhält eine Benachrichtigung und kann Berufung einlegen. In Zukunft ist auch die Einführung einer Funktion geplant, die es den Hörern selbst ermöglicht, verdächtige Profile zu melden.

Verifizierungssystem und Zukunft der Plattform

Zur Bestätigung des Status als echter Mensch verwendet Spotify das Abzeichen „Verified by Spotify' (Von Spotify verifiziert). Dies schafft ein zweistufiges Vertrauenssystem: Auf der einen Seite „menschliche' Künstler mit Verifizierung, auf der anderen Seite „KI-Personas' mit entsprechenden Kennzeichnungen. Wenn das System einen Künstler fälschlicherweise als KI markiert, kann er eine Überprüfung einleiten, um seine Echtheit zu beweisen und den Zugang zu den Empfehlungen wiederherzustellen.