Der 23. Juni wurde zu einem markanten Tag für die Transportinfrastruktur des besetzten Krim. Die Spezialkräfte (SSO) der Ukraine bestätigten die Zerstörung einer der strategisch wichtigen Eisenbahnbrücken über den Nordkrim-Kanal. In der offiziellen Mitteilung des Ministeriums hieß es lapidar: „Der erste ist weg“.

Strategische Bedeutung des Kanals

Der Nordkrim-Kanal ist ein gigantisches wasserbauliches Bauwerk aus der Sowjetzeit, das sich über mehr als 400 Kilometer vom Kachowka-Stausee am Dnepr erstreckt. Bis 2014 deckte er bis zu 85 % des Süßwasserbedarfs der Halbinsel und versorgte die Landwirtschaft sowie Städte, darunter Simferopol und Sewastopol.

Nach der Besetzung der Krim im Jahr 2014 unterbrach jedoch die Ukraine die Wasserversorgung. Russland nahm sie erst nach der Eroberung des Kachowka-Kraftwerks im Februar 2022 wieder auf, doch im Sommer 2023, nach der Zerstörung des Staudamms, wurde die Wasserversorgung über den Kanal erneut eingestellt. Dennoch behielt die Infrastruktur des Kanals eine kritische Bedeutung für die russische Kriegsmaschine.

Logistikkorridor für die Besatzer

Das Gebiet entlang des Kanals ist zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden. Über ihn führen Dutzende von Übergängen, die zur Versorgung der russischen Truppen in der Krim und an der Südfront genutzt werden. Auf diesen Routen werden Technik, Munition, Treibstoff und Personal verlegt. Insgesamt werden über den Kanal mehr als 10 Eisenbahnbrücken und etwa 100 Straßenbrücken überquert.

Verlauf der Operationen im Juni 2026

Im Juni 2026 intensivierten die Verteidigungskräfte der Ukraine die Angriffe auf die Transportinfrastruktur in dieser Region. Bereits am 18. und 19. Juni wurden Eisenbahnbrücken in den Gebieten von Rosdolne und Wladislawowka angegriffen. Die Operation war jedoch noch nicht abgeschlossen.

In der Nacht zum 22. Juni führten Drohnen der SSO einen präzisen Schlag gegen eine Eisenbahnbrücke in der Nähe des Dorfes Rosdolne aus. Infolge des Angriffs wurde das Gleisbett zerstört und ein Brückenbogen eingestürzt. Von den Kämpfern veröffentlichte Fotos zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

Zweite Phase der Mission

Nach dem ersten Schlag versuchten die russischen Besatzer, die Verbindung wiederherzustellen. Untergrundkämpfer der Widerstandsbewegung der SSO berichteten über die Ankunft spezieller Reparations-Eisenbahnfahrzeuge am Unfallort. Dies war das Signal für den Beginn der zweiten Phase der Operation.

In der Nacht zum 23. Juni kehrten die Drohnen der SSO zum Ziel zurück. Dieses Mal waren die Schläge nicht nur gegen die Überreste der Brücke, sondern auch gegen die eingetroffene Reparaturtechnik gerichtet. Infolgedessen wurde das Objekt endgültig zerstört und ein schwerer Schlag gegen die logistischen Ketten des Gegners versetzt.