Der moderne Krieg in der Luft besteht nicht nur aus Manövern und Präzision, sondern auch aus einer unsichtbaren Schlacht der Funksignale. Ukrainische Spezialisten und Entwickler von Systemen der elektronischen Kriegsführung (EW) geben Einblicke in die Details der Neutralisierung von Drohnen und Marschflugkörpern des Gegners. Die Verteidigung basiert auf zwei fundamentalen Mechanismen: dem Abhören von Kommunikationskanälen und dem Spoofing der Satellitennavigation.

Zwei Fronten der Funk-Schlacht

Laut Materialien von RBK-Ukraine basiert die Arbeit von EW-Mitteln auf der Unterdrückung oder Verzerrung der Signale, die für den Betrieb einer Drohne notwendig sind. Der erste Mechanismus ist das klassische Störverfahren. Spezialisierte Geräte erzeugen ein starkes Funkrauschen, das die Kommunikationskanäle zwischen Pilot und Drohne überdeckt. Unter solchen Bedingungen eines „elektromagnetischen Nebels' kann die Drohne physisch keine Steuerbefehle empfangen.

Die zweite Methode ist das Spoofing. Dies ist ein raffinierterer Angriff, der die Täuschung von GPS-Satellitensignalen beinhaltet. Infolgedessen erhält die Drohne falsche Koordinaten, gerät vom Kurs ab oder verliert vollständig die Orientierung im Raum. Beide Methoden zielen darauf ab, die Drohne für den Gegner noch vor Erreichen des Ziels unbrauchbar zu machen.

Physik der Unterdrückung: Der Kampf der Leistungen

Maxim Tefutl, Product Owner der EW-Abteilung von TAF Industries, erläutert die technische Essenz des Prozesses. Im System „Pilot-Drohne' sind zwei Schlüsselempfänger involviert: einer befindet sich auf der Drohne selbst (empfängt Befehle und Navigation), der zweite auf der Fernbedienung des Operators (empfängt den Videostream). Um das Ziel zu neutralisieren, reicht es aus, einen dieser Kanäle zu unterdrücken.

Die Arbeit eines Funkempfängers hängt von der Fähigkeit ab, ein nützliches Signal vor dem Hintergrund von Rauschen zu isolieren. EW-Mittel erzeugen Radiowellen auf denselben Frequenzen wie die Steuer- oder Videokanäle der Drohne. Dies senkt künstlich das Signal-Rausch-Verhältnis unter die Empfindlichkeitsschwelle des Empfängers.

Diese Aufgabe wird durch rohe Kraft gelöst. Damit die Störung wirksam wird, muss ihre Leistung an der Empfängerrantenne die Leistung des Nutzsignals übertreffen. Aus diesem Grund erzeugen EW-Komplexe Störungen mit einer Leistung von 50 Watt und mehr, was die schwachen Sender, die auf Drohnen installiert sind, bei weitem übertrifft. Einige Anlagen greifen die Steuerung an, andere die Videoverbindung und wieder andere die Navigation.

Reaktion der Drohne auf den Verbindungsverlust

Wenn die EW-Wirkung zum Verlust der Verbindung oder Orientierung führt, hängt das weitere Schicksal der Drohne von den darin implementierten Algorithmen ab. Je nach Einstellungen kann die Drohne:

  • Notfallmäßig zur Startbasis zurückkehren;
  • Eine erzwungene Landung am nächsten verfügbaren Ort durchführen;
  • In der Luft schweben und auf die Wiederherstellung der Verbindung warten;
  • Unkontrolliert abstürzen.

Schutz vor „Schahed'-Drohnen und Marschflugkörpern

Ukrainische EW-Komplexe zeigen eine einzigartige Wirksamkeit auch gegen komplexere Ziele wie Kamikaze-Drohnen vom Typ „Schahed'. Experten stellen fest, dass ukrainische Systeme als erste in der Welt gelernt haben, solche Drohnen direkt während ihres Anflugs auf eine Stadt zu unterdrücken. Dafür ist jedoch ein abgestimmtes Zusammenwirken erforderlich: von 2 bis 10 taktischen EW-Komplexen, die in Verbindung mit Funkaufklärung (RER) und Radaren agieren. Die Anzahl der erforderlichen Anlagen hängt vom Typ des Kommunikationssystems ab, das auf einem bestimmten „Schahed' installiert ist.

Zusätzlich können ukrainische EW-Mittel auch Marschflugkörper beeinflussen. Sie beeinträchtigen die Funktion von Funkhöhenmessern und Systemen zur optischen Navigationskorrektur. Ohne genaue Daten über Höhe und Kurs verlieren die Raketen die Orientierung und stürzen außerhalb der geplanten Ziele ab, ohne der Infrastruktur Schaden zuzufügen.