Die strahlgetriebenen Kampfdrohnen vom Typ „Shahed', die Russland zunehmend gegen die Ukraine einsetzt, werden zu einer der schwierigsten Zielscheiben für die Luftverteidigung und Interceptor-Drohnen. Laut Timofej Jurkow, Mitgründer des Unternehmens Contra-Drone, übersteigt die Geschwindigkeit dieser Apparate 400–450 km/h, und die meisten vorhandenen Interceptor-Drohnen sind physikalisch nicht in der Lage, in einem solchen Geschwindigkeitsbereich zu arbeiten. Infolgedessen gibt es nur sehr wenige bestätigte Treffer strahlgetriebener „Shaheds', und die vorhandenen Fälle werden von Experten eher als Zufälle denn als eine stabile taktische Tendenz eingestuft.

Die Physik des Intercepts: Warum das Einholen scheitert

Das Navigationsprinzip des strahlgetriebenen „Shahed' hat sich im Vergleich zu seiner klassischen Variante grundsätzlich nicht geändert: Die Apparate stützen sich weiterhin auf ein trägheitsbasiertes Navigationssystem und eine CRPA-Antenne. Das bedeutet, dass das Spektrum und die Methoden der elektronischen Störung im Großen und Ganzen ähnlich bleiben. Allerdings wird gerade der physische Intercept – also die Kollision oder die Detonation des Interceptors in unmittelbarer Nähe zum Ziel – kritisch erschwert. Dem Operator des Interceptors reicht es nicht mehr, das Ziel einfach „einzuholen': Er muss die Flugbahn des „Shahed' im Voraus berechnen und einen Vorgriffs-Intercept durchführen, was ein deutlich höheres Maß an Können und Zielgenauigkeit erfordert als bei der Arbeit mit gewöhnlichen Luftdrohnen.

Die Grenzen der Interceptor-Drohnen selbst

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf die Geschwindigkeit des Ziels. Wie Jurkow angibt, stoßen die Interceptor-Drohnen selbst auf ingenieurtechnische Grenzen: Bei Erreichen einer Geschwindigkeit von etwa 350 km/h beginnen Schwierigkeiten mit der Funktionsfähigkeit einzelner Bauteile, und die Bordbatterien halten den erforderlichen Lastmodus nicht immer aus. Dies erzeugt eine „Geschwindigkeitsdecke' für die Interceptor-Drohnen, die deutlich unter der Reisegeschwindigkeit des strahlgetriebenen „Shahed' liegt, wodurch das Fenster für eine erfolgreiche Kollision äußerst eng wird.

Radar als Antwort auf die Geschwindigkeit

Unter diesen Bedingungen wird laut Experten von Contra-Drone die Kombination von Interceptor-Drohnen mit persönlichen Radargeräten zunehmend relevanter. Ein solches System ermöglicht es, schnelle Ziele in einer frühen Phase zu erkennen und den Interceptor nicht auf das Ziel selbst, sondern auf den Schnittpunkt seiner Flugbahn zu lenken. Das Unternehmen Contra-Drone produziert unter anderem Radargeräte für Feuergruppen, und wie Jurkow anmerkt, wird „die Frage des Intercepts – das Ziel nicht einzuholen, sondern es entlang seiner Bahn abzufangen – mit steigender Geschwindigkeit der „Shaheds' zunehmend an Bedeutung gewinnen'.

Elektronische Störung bleibt das Hauptinstrument

Trotz der wachsenden Schwierigkeiten des physischen Intercepts bleibt die Unterdrückung der Navigation der „Shaheds' durch Mittel der elektronischen Störung (EW) eine der optimalsten Lösungen. Besonders relevant ist dies bei Szenarien massierter Angriffe, wenn gleichzeitig eine große Anzahl von Drohnen auf eine Stadt oder ein Objekt zufliegt: Die überwiegende Mehrheit der „Shaheds' verliert gerade aufgrund der EW-Unterdrückung und nicht aufgrund physischer Beschädigung die Möglichkeit, das Ziel zu erreichen. Laut Jurkow unterscheidet sich die Drohnenrakete „Bandierol' im Hinblick auf den EW-Schutz grundsätzlich nicht vom gewöhnlichen „Shahed' und erreicht, obwohl sie ein strahlgetriebenes Gerät ist, nicht die Geschwindigkeiten des strahlgetriebenen „Shahed', weshalb sie für dieselben Unterdrückungsmethoden verwundbar bleibt.

Kontext der Eskalation

In letzter Zeit setzt Russland gegen die Ukraine sowohl strahlgetriebene Drohnen vom Typ „Shahed' als auch Drohnenraketen „Bandierol' zunehmend ein, was die Luftverteidigung und die Operatoren der Interceptor-Drohnen zusätzlich belastet. RBC-Ukraine hatte zuvor ausführlich berichtet, wie die Crews der Interceptor-Drohnen arbeiten und mit welchen Schwierigkeiten sie bei der „Jagd' auf schnelle Ziele konfrontiert sind, und erklärt auch, warum die „Bandierol' trotz ihrer Fähigkeit, im Flug aktiv zu manövrieren, für EW verwundbar bleibt.