Im Vorfeld des NATO-Gipfels, der am 7. und 8. Juli in Ankara stattfinden wird, entbrennen in der Allianz-Zentrale in Brüssel heftige Diskussionen. Obwohl ein Paket an militärischer Hilfe für die Ukraine in Höhe von 70 Milliarden Euro bereits genehmigt wurde, bleibt die Schlüsselfrage nach den langfristigen Verpflichtungen der Verbündeten offen. Die diplomatische Spannung steigt, je näher das Treffen der Staats- und Regierungschefs rückt.

70 Milliarden Euro: Was bereits vereinbart wurde

Bei einer Sitzung der Botschafter der NATO-Länder wurde eine Bestimmung verabschiedet, die die Bereitstellung von 70 Milliarden Euro für die Ukraine bis 2026 vorsieht. Diese Mittel dienen dem Kauf von Waffen, technischer Unterstützung und der Ausbildung ukrainischer Soldaten. Wie sich jedoch herausstellt, ist diese Zahl nicht einfach eine Summe neuer Beiträge.

Laut der Frankfurter Allgemeine Zeitung stellen von den angekündigten 70 Milliarden Euro nur ein Teil neue Mittel dar. Ein erheblicher Volumen von 30 Milliarden Euro umfasst ein Kreditprogramm der Europäischen Union. Die restlichen 40 Milliarden Euro sind Verpflichtungen, die die Allianz-Länder bereits während des Gipfels in Washington im Jahr 2024 eingegangen sind.

Wer ist dagegen und warum: Die Position Italiens

Der Hauptkonflikt entstand um die Formulierung zur Aufrechterhaltung des Unterstützungsniveaus nach 2026. Diplomatische Quellen berichten, dass sich die Verbündeten nicht darauf einigen können, Verpflichtungen für das Jahr 2027 festzuschreiben. Die Initiative, wonach die Finanzierung auf dem bisherigen Niveau bleiben sollte, stieß auf Widerstand Italiens.

Rom spricht sich gegen eine starre Bindung an ein bestimmtes Datum und einen bestimmten Betrag in der langfristigen Perspektive aus. Infolgedessen wurde der entsprechende Punkt der Abschlussdeklaration noch nicht vereinbart. Die NATO-Botschafter müssen noch eine weitere Verhandlungsrunde durchführen, um vor Beginn des Gipfels in der Türkei einen Kompromiss zu finden.

Die Position Deutschlands und das Fehlen eines Verteilungsmechanismus

Für viele Länder der Allianz, und insbesondere für Deutschland, ist die Festlegung einer langfristigen Unterstützung der Ukraine eines der wichtigsten politischen Ergebnisse des bevorstehenden Gipfels. Berlin besteht darauf, dass die Erklärung ein klares Signal an den Westen sendet, bereit zu sein, Kiew jahrelang und nicht nur monatelang zu helfen.

Der aktuellen Fassung des Dokuments fehlt jedoch ein klarer Mechanismus zur Verteilung der finanziellen Last zwischen den Teilnehmern. Unklar ist, wer genau und in welchem Umfang für zukünftige Verpflichtungen zahlen wird. Darüber hinaus muss die Finanzierung ohne Beteiligung der USA sichergestellt werden – die Hauptlast werden die europäischen Verbündeten und Kanada tragen.

Was passiert, wenn keine Einigung erzielt wird?

Könnten sich die Verbündeten auf ein ähnliches Finanzierungsniveau für 2027 einigen, würde das Gesamtvolumen der in der Erklärung vorgesehenen Hilfe auf 140 Milliarden Euro steigen. Doch dieser Szenario bleibt vorerst fraglich. Die endgültige Formulierung könnte abgeschwächt oder verschoben werden, was Kritik seitens Kiews und der Länder hervorrufen würde, die eine entschlossenere Haltung befürworten.

Der Gipfel in Ankara wird zum Lackmustest für den Zusammenhalt der NATO. Die Fähigkeit der Allianz, sich auf eine langfristige Unterstützung der Ukraine zu einigen, ist nicht nur eine Finanzfrage, sondern auch eine Frage des Vertrauens zwischen den Partnern. Davon hängt nicht nur die Zukunft der Ukraine ab, sondern auch die Stabilität des militärischen Blocks selbst.