Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum, dass ein Wirtschaftseinbruch nicht der Grund für die Beendigung der Kampfhandlungen durch Russland sein werde. Nach seinen Worten werden weder Inflation noch eine Bankenkrise noch der Zinsniveau Moskau dazu zwingen, den Krieg zu beenden, den der Aggressor, wie er betonte, seit 2014 gegen die Ukraine führt. „Ich glaube nicht, dass Russland diesen Krieg wegen eines Wirtschaftseinbruchs beenden wird“, zitiert der Politiker Bild, auf den sich RBC-Ukraine bezieht. Stubb fügte hinzu, dass man nie unterschätzen sollte, wie viele wirtschaftliche Schwierigkeiten die Russen aushalten können.
Wirtschaftlicher Druck als ineffektives Instrument
Der finnische Staatschef wies direkt darauf hin, dass die traditionellen Hebel des wirtschaftlichen Drucks – von der Inflation über Bankenkrisen bis hin zu hohen Zinssätzen – gegenüber dem russischen Regime nicht funktionieren werden. Ebenso, so seine Einschätzung, werden erhebliche Verluste der russischen Streitkräfte nicht der Grund für eine Beendigung des Krieges sein. Damit markierte Stubb eine prinzipielle Position: Wirtschaftssanktionen und ihre Folgen, so schwer ihr Auswirken auf die Bevölkerung auch sein mögen, sind kein ausreichender Anreiz für eine Änderung des außenpolitischen Kurses Moskaus. Diese Einschätzung erfolgt vor dem Hintergrund, dass die russische Wirtschaft nach Angaben ukrainischer und westlicher Quellen faktisch für den militärisch-industriellen Komplex arbeitet, während Sanktionen und Drohnenschläge der Ukraine auf Raffineriekapazitäten die Einnahmen des Budgets erheblich untergraben haben.
Wenn das Regime eine Bedrohung spürt
Das einzige Szenario, bei dem Russland den Krieg nach Stubb beenden könnte, nannte er die Situation, in der „dem aktuellen Regime etwas droht“. „Doch der letzte Tropfen könnte die Situation sein, in der sie spüren, dass dem aktuellen Regime etwas droht“, bemerkte der finnische Präsident. Nach seinen Worten muss Moskau zu dem Schluss kommen, dass es für ihr Regime keinen einzigen Vorteil mehr gibt, diesen Krieg fortzusetzen. Damit verschiebt Stubb den Fokus vom äußeren wirtschaftlichen Druck auf die innere politische Stabilität des Regimes als entscheidenden Faktor für eine mögliche Kursänderung.
Das reale Bild der russischen Wirtschaft
Der Kontext der Aussage Stubbs wird durch Daten zum Zustand der russischen Wirtschaft geprägt. Wie ukrainische Medien feststellen, hat der von Moskau 2014 begonnene lange Krieg dazu geführt, dass die gesamte Wirtschaft des Landes für den militärisch-industriellen Komplex arbeitet. Sanktionen und, was besonders wichtig ist, Angriffe ukrainischer Drohnen haben die Hauptquelle der Budgeteinnahmen – die Einnahmen aus dem Ölexport – abgeschnitten und Russland gezwungen, Kraftstoffe im Ausland zu kaufen. Als Beispiel wird die Tatsache angeführt, dass Weißrussland Russland nun Benzin verkauft. Außerdem hat Russland laut vor Kurzem veröffentlichten Daten die zivilen Ausgaben um ein Drittel gekürzt, mangels Mittel für den Krieg, und das Budgetdefizit des Aggressors hat bereits die Jahresprognose überschritten.
Widersprüchliche Daten
In den Aussagen der Seiten und im faktischen Kontext lässt sich eine gewisse Unstimmigkeit bei der Bewertung der Effizienz des wirtschaftlichen Drucks feststellen. Einerseits behauptet Stubb kategorisch, dass ein Wirtschaftseinbruch Russland nicht dazu bringen wird, den Krieg zu beenden, und dass die Russen erhebliche Schwierigkeiten aushalten können. Andererseits belegen die faktischen Daten zum Zustand des russischen Budgets – die Überschreitung der prognostizierten Defizits, die Kürzung der zivilen Ausgaben um ein Drittel, die Abhängigkeit vom Import von Kraftstoffen –, dass der wirtschaftliche Druck doch eine spürbare Wirkung auf die Möglichkeiten des Staates ausübt. Der Unterschied der Versionen reduziert sich auf die Interpretation: Für einen Beobachter sind die wirtschaftlichen Verluste bereits kritisch, für den anderen berühren sie den Kern des Regimes und seinen Willen, den Krieg fortzusetzen, nicht. Beide Sichtweisen koexistieren im öffentlichen Diskurs ohne endgültige Klärung.