Eine neue umfassende Studie des Instituts für nationale Widerstandsfähigkeit und Sicherheit (NU „INUB“) hat unerwartete Muster im Leben von Ukrainern unter temporärem Schutz in den Ländern der Europäischen Union aufgedeckt. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Bericht „Das System des russischen hybriden Einflusses auf Ukrainer in der EU“, zwingen dazu, die üblichen Vorstellungen darüber zu überdenken, wie soziale Unterstützung die Integration und Beschäftigung beeinflusst.

Ende 2025 befanden sich rund 4,3 Millionen Ukrainer unter temporärem Schutz in Europa. Der vom Rat der EU bis zum 4. März 2027 verlängerte Status ist für viele eine Garantie für Sicherheit geworden, stellt sich jedoch, wie Soziologen herausfanden, nicht immer als Garantie für eine schnelle Anpassung heraus.

Siedlungsgeografie: Wo Ukrainer leben

Die Analyse von Eurostat-Daten zeigte, dass sich Ukrainer nicht gleichmäßig über den Kontinent verteilt haben. Die absolute Mehrheit der ukrainischen Staatsbürger wählte nur zwei Länder, während ihre Zahl in den übrigen Staaten deutlich geringer ist. Die Spitzenreiter bei der Aufnahme von Flüchtlingen sind:

  • Deutschland
  • Polen
  • Tschechien
  • Italien
  • Frankreich

Es ist anzumerken, dass die Daten für Frankreich möglicherweise etwas zu niedrig ausfallen, da dort minderjährige Kinder oft nicht berücksichtigt werden.

Fünf verschiedene Lebensszenarien

Die Forscher betonen: Es gibt keinen einheitlichen „europäischen Modus“ für Flüchtlinge. Die staatliche Politik gegenüber vorübergehend vertriebenen Personen in jedem der fünf führenden Länder folgt völlig unterschiedlichen Algorithmen. Dies sind keine Variationen eines Systems, sondern fünf einzigartige Ansätze, die unterschiedliche Lebensbedingungen schaffen.

Trotz der Unterschiede in der Gesetzgebung haben Experten ein gemeinsames strukturelles Muster identifiziert, das die Beschäftigung beeinflusst. Es stellte sich heraus, dass gleiche formale Hilfe entgegengesetzte Ergebnisse liefert, je nachdem, wie die Institutionen eines bestimmten Landes organisiert sind.

Das Paradoxon: Je mehr gezahlt wird, desto weniger wird gearbeitet

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie war die inverse Beziehung zwischen dem Niveau der sozialen Hilfe und dem Beschäftigungsanteil. In Ländern, in denen die Zahlungen für einen alleinstehenden Erwachsenen höher sind, ist die Beschäftigungsquote der Ukrainer niedriger. Dies ist keine Frage des Arbeitswillens, sondern eine Folge von „Hindernissen“ auf dem Weg zur Arbeit:

  • Hohe Eintrittsschwelle auf den Arbeitsmarkt;
  • Sprachbarrieren;
  • Komplexe Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen.

Beispielsweise fehlt es in Italien und Frankreich an regelmäßiger finanzieller Unterstützung; es wird nur eine kurzfristige Hilfe in den ersten Monaten gewährt. In anderen Ländern ist das System der Zahlungen hingegen großzügiger und länger andauernd, was paradoxerweise die Motivation zur sofortigen Jobsuche senkt.

Wer passt sich am besten an?

Die Leiterin des Labors für soziologische Forschung des „INUB“, die Doktorandin der Soziologie Kateryna Nastoyacha, kommentierte die Ergebnisse der Präsentation. Ihrer Meinung nach ist es noch zu früh, von einer vollständigen „Assimilation“ der Ukrainer in anderen Ländern zu sprechen – es geht lediglich um Integration.

Die Expertin hob eine klare Altersstratifizierung bei der Anpassung hervor:

  • Kinder: passen sich den neuen Realitäten am besten an.
  • Jugendliche: sind die verwundbarste Kategorie.
  • Ältere Generation: integriert sich praktisch nicht in die neuen Gesellschaften.

Das bedeutet, dass die Zukunft der ukrainischen Diaspora in Europa weitgehend davon abhängt, wie schnell die Jugend die institutionellen Barrieren überwinden kann, während die ältere Generation außerhalb der Integrationsprozesse bleibt.