Im Jahr 2026 steht das ukrainische Hochschulsystem vor einer wichtigen Phase der Veränderungen. Studienbewerber, die ihre Schulausbildung im Ausland absolviert haben, können erstmals in ukrainische Universitäten eintreten, ohne das obligatorische Nationale Mehrfachfach-Testverfahren (NMT) abzulegen. Stattdessen werden die Hochschulen die Ergebnisse ihrer nationalen Abschlussprüfungen berücksichtigen.
Diese Informationen bestätigte der stellvertretende Minister für Bildung und Wissenschaft der Ukraine, Nikolai Trofimenko, in einem Interview mit der Zeitung RBC-Ukraine. Der Beamte erläuterte die Details des Mechanismus, der es ukrainischen Bürgern, die ihren Schulbesuch in europäischen Ländern abgeschlossen haben, ermöglicht, Zugang zum Hochschulwesen in ihrer Heimat zu erhalten.
Welche Prüfungen ersetzen das NMT
Die Neuerung betrifft diejenigen Studienbewerber, die einen ausländischen Sekundarschulabschluss und die Ergebnisse entsprechender Abschlussprüfungen vorweisen können. Zu den anerkannten Prüfungen gehören:
- Matura – in Polen;
- Abitur – in Deutschland;
- Baccalauréat – in Frankreich.
Die Entscheidung darüber, ob die Ergebnisse dieser Prüfungen anstelle der NMT-Fächer angerechnet werden, trifft die Zulassungskommission der jeweiligen Hochschule. Grundlage hierfür sind die Unterlagen des Bewerbers und die geltenden Zulassungsregeln der Bildungseinrichtung.
Wie die Punkte umgerechnet werden
Die Methode zur Umrechnung von Noten aus ausländischen Systemen in die ukrainische 200-Punkte-Skala wurde bereits festgelegt. Sie ist in Anlage 11 der Zulassungsordnung für Hochschulen festgehalten. Zur Veranschaulichung führte Nikolai Trofimenko das Beispiel der polnischen Matura-Prüfung an.
In Polen liegt die Mindestgrenze für das Bestehen bei 30 %, das Maximum beträgt 100 %. Gemäß der Umrechnungsformel:
- 30 % entsprechen 100 Punkten der ukrainischen Skala;
- 100 % entsprechen 200 Punkten.
Wenn ein Bewerber also 65 % in einem Fach erzielt, wird sein Ergebnis in 150 Punkte umgerechnet. Dies ermöglicht eine präzise Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit des Kandidaten bei der Zulassung.
Kontext der Zulassungskampagne 2026
Die Einführung des neuen Mechanismus erfolgt vor dem Hintergrund der aktiven Vorbereitung auf die Zulassungskampagne 2026. In der Ukraine wurde bereits die Registrierung elektronischer Portale für Studienbewerber gestartet, was den Prozess der Dokumenteneinreichung und die Verfolgung des Zulassungsstatus vereinfacht.
Zuvor hatten Rektoren einiger führender Hochschulen das Bildungsministerium aufgefordert, den Zulassungsschnitt für bestimmte Elite-Studiengänge von 150 auf 130 Punkte zu senken. Das Ministerium erklärte jedoch offiziell, dass es nicht plane, den Mindestwettbewerbspunkt zu ändern.
Die neuen Regeln, die die Anerkennung ausländischer Prüfungen ermöglichen, eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für ukrainische Jugendliche, die gezwungen sind, im Ausland zu lernen. Dies ist ein Schritt zur Integration von Bildungsstandards und zur Unterstützung von Studierenden unter den aktuellen Umständen.