Südkorea hat eine beispiellose Modernisierung seiner Streitkräfte angekündigt, die auf die massenhafte Einführung von unbemannten Fluggeräten setzt. Das Verteidigungsministerium des Landes hat einen ehrgeizigen Plan genehmigt: Bis 2029 sollen 110.000 Drohnen bei der Armee, der Marine, der Luftwaffe und den Marines im Einsatz sein. Parallel dazu ist die Ausbildung von 500.000 Operatoren geplant, die in der Lage sein werden, diese Systeme zu steuern.
Die Drohne als „zweite persönliche Waffe”
Die neue Doktrin verändert den Ansatz zur Nutzung von UAVs grundlegend. Der südkoreanische Verteidigungsminister An Gyu-bak erklärte, dass Drohnen aufhören müssen, eine Eliteausrüstung zu sein, die nur einer kleinen Anzahl von Einheiten zugänglich ist. Stattdessen sollen sie zu einem universellen Kampfinstrument werden, das jedem Soldaten an der Front zur Verfügung steht. Laut dem Minister soll die Drohne für den Soldaten zur „zweiten persönlichen Waffe“ werden, die es ermöglicht, autonom Aufklärung zu betreiben und Schläge zu führen, ohne eine Abstimmung mit dem zentralen Kommando erforderlich zu machen.
„Günstige Drohnen, die in großer Zahl eingesetzt werden, verändern die Art der Kriegsführung grundlegend”, betonte An Gyu-bak. Diese Schlussfolgerung basiert auf der Analyse moderner Konflikte, insbesondere des Krieges in der Ukraine und der Kampfhandlungen im Nahen Osten, wo Drohnen ihre Fähigkeit bewiesen haben, den Verlauf von Schlachten zu verändern.
Technologische Souveränität und Überarbeitung der Beschaffung
Ein wesentlicher Aspekt der Reform ist der vollständige Verzicht auf ausländische Komponenten aus China. Der Verteidigungsminister bestätigte, dass der Anteil chinesischer Teile in den neuen Systemen null betragen wird, was ausschließlich aus Gründen der nationalen Sicherheit diktiert wird. Zur Umsetzung des Plans werden in Seoul die Regeln für öffentliche Aufträge überarbeitet, um die Einführung ziviler Technologien zu beschleunigen und die Entwicklung der eigenen Drohnenindustrie zu stimulieren.
Politischer Kontext und demografische Krise
Die radikale Umstrukturierung der Drohnensteuerung erfolgte vor dem Hintergrund eines lauten politischen Skandals. Der ehemalige südkoreanische Präsident Yoon Suk-yeol wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt, unter anderem für den Befehl, militärische Drohnen nach Nordkorea zu entsenden, um die Einführung des Kriegsrechts im Jahr 2024 zu rechtfertigen. Als Folge dieses Resonanzeffekts hat der amtierende Präsident Lee Jae-myung das alte Kommando für die Drohnensteuerung aufgelöst. Die neue Struktur wird für Strategie und Entwicklung verantwortlich sein, während das operative Management direkt bei den Einheiten verbleibt.
Neben politischen Gründen wird die Reform von demografischen Realitäten diktiert. Südkorea steht vor einer kritischen Verringerung der Anzahl der Wehrpflichtigen, was die Militärs zwingt, sich zunehmend auf Automatisierung und robotergestützte Systeme zu verlassen, um die Verteidigungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Bedrohung aus dem Norden
Die umfassende Aufrüstung Seouls ist eine direkte Antwort auf die Steigerung des militärischen Potenzials Pjöngjangs. Nordkorea entwickelt aktiv eigene unbemannte Systeme, was eine Bedrohung sowohl für militärische als auch für zivile Objekte im Süden darstellt. Darüber hinaus stärkt die DVRK ihre Flotte: Der Staatsführer Kim Jong-un kündigte die Inbetriebnahme eines neuen 5.000-Tonnen-Zerstörers „Choe Hyeon“ an, der in der Lage ist, Atomraketen zu starten. Pjöngjang plant, in den nächsten fünf Jahren jährlich zwei große Kriegsschiffe zu bauen, um seine Flotte zu einer vollwertigen Atomstreitmacht zu machen.