In Deutschland wurde eine besorgniserregende Tendenz festgestellt: Jugendliche wählen zunehmend elektronische Zigaretten anstelle von herkömmlichen. Gesundheitsexperten warnen, dass Vaping keine sichere Alternative darstellt, sondern zu einem neuen Risikofaktor für die heranwachsende Generation wird.

Die Geschichte der Abhängigkeit: von Tabak zu Aromen

Die 30-jährige Antonia S. (Name geändert) ist ein deutliches Beispiel für die veränderte Konsumgewohnheit. Sie begann mit 18 Jahren zu rauchen und versuchte mehrmals aufzuhören, doch Erfolg hatte sie erst nach dem Umstieg auf Vaping. Heute bevorzugt sie eine Flüssigkeit mit Wassermelonen-Geschmack. Eine Flasche mit 10 Milliliter Inhalt, was etwa 60 Zigaretten entspricht, reicht ihr nur für eine Woche.

„Ich fühle mich besser, aber die Abhängigkeit ist viel stärker geworden als bei normalen Zigaretten“, gibt das Mädchen zu. Ihrer Meinung nach ermöglicht Vaping das Rauchen „jederzeit und überall“, da der süßliche Rauch nicht stinkt und keine Konflikte in Innenräumen verursacht. Antonia stellt fest, dass sie nun nicht mehr nach draußen gehen muss, um eine Zug zu nehmen, was zuvor streng tabuisiert war.

Statistik: Anstieg des Konsums unter Jugendlichen

Der Fall von Antonia spiegelt das Gesamtbild wider, das deutsche Ärzte beunruhigt. Laut neuesten Daten verliert die Raucherprävention im Land an Wirksamkeit. Im Jahr 2025 raucht fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Vor vier Jahren lag dieser Wert bei nur etwa 6 %.

Die Situation bei elektronischen Zigaretten ist noch dramatischer: Fast 7 % der Jugendlichen in dieser Altersgruppe nutzen regelmäßig Vapes. Dies ist mehr als eine Verdopplung im Vergleich zu den Werten des Jahres 2021.

Meinung der Behörden: gefährlicher Wendepunkt

Hendrik Strek, der Beauftragte der Bundesregierung für Drogenfragen, der die Studie initiierte, sieht darin einen gefährlichen Wendepunkt. seiner Meinung nach wird Vaping oft zum „Tor“ für eine Nikotinabhängigkeit, die Jugendliche langfristig wieder zum herkömmlichen Tabakkonsum zurückführt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung bestätigt die Gefahr: Es wurden 13 Zusätze identifiziert, die gesundheitsschädlich sind und Krebs verursachen können. In Deutschland sterben täglich 360 Menschen an den Folgen des Nikotin- und Tabakkonsums.

Empfehlungen und Position der Industrie

Um der Epidemie entgegenzuwirken, schlägt Strek ein Bündel von Maßnahmen vor: Verbot von für Jugendliche attraktiven Aromen, Erhöhung der Tabaksteuer und Verwendung der Einnahmen für das Gesundheitssystem sowie Verschärfung der Alterskontrolle bei Käufern. Die Erinnerung daran, dass Personen unter 18 Jahren nicht nur den Kauf, sondern auch den Besitz von nikotinhaltigen Produkten (einschließlich nikotinfreier Vapes) verboten ist, klingt besonders aktuell.

Die Tabakindustrie versucht ihrerseits, ihre Position zu verteidigen. Der Verband der Händler elektronischer Zigaretten erklärt, dass ihre Produkte nicht für Jugendliche bestimmt sind. Unter Berufung auf den wissenschaftlichen Konsens behaupten sie, dass Vapes deutlich weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten und eine Alternative für erwachsene Raucher darstellen können, auch wenn sie nicht völlig harmlos sind.