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title: "Supermarkt auf Knochen: Skandal um den Bau eines Lidl auf dem Gelände des Konzentrationslagers Gurtnerberg"
description: "In Österreich ist ein Skandal ausgebrochen: Die Behörden haben die Genehmigung erteilt, einen Lidl-Supermarkt auf dem Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Gurtnerberg zu bauen. Historiker sind über die Kommerzialisierung der Erinnerung an die Opfer empört, doch die Beamten halten die erhaltenen Ruinen für nicht würdig, als Denkmal geschützt zu werden. 🏭🚫🛒"
date: 2026-07-05T21:52:00.000Z
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publisher: "XAB.info"
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# Supermarkt auf Knochen: Skandal um den Bau eines Lidl auf dem Gelände des Konzentrationslagers Gurtnerberg

![Lidl-Logo an der Gebäudefassade — Symbol des Supermarkts, der auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Gitternberg errichtet wurde](https://xab.info/media/2026/07/06/lidl-na-meste-konclagerja-skandal-v-avstrii/lidl-na-meste-konclagerja-skandal-v-avstrii-1.webp)

In Österreich hat sich eine massive öffentliche Kontroverse entzündet wegen des Plans, das Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Gurtnerberg zu bebauen. An der Stelle, an der während des Zweiten Weltkriegs Hunderte von Häftlingen inhaftiert waren, planen lokale Behörden und Entwickler den Bau eines modernen Supermarkts der Kette Lidl und eines großen Logistikzentrums.

Die Idee, einen historischen Gedenkort in eine kommerzielle Zone zu verwandeln, hat eine Welle der Empörung unter Historikern, Menschenrechtlern und Vertretern der jüdischen Gemeinde ausgelöst. Doch trotz der Proteste haben Bundesbeamte bereits die Baugenehmigung erteilt.

### Die Geschichte des Ortes: Von Zwangsarbeit bis zu Verkaufsreihen

Das Lager Gurtnerberg wurde im September 1944 eröffnet und war eine Außenstelle des berüchtigten Lagersystems Mauthausen. Es war das zweitgrößte Frauenkonzentrationslager in Österreich. Laut historischen Führern des Gedenkortes waren etwa 400 Frauen im Lager inhaftiert. Die meisten von ihnen waren Jüdinnen, die aus Auschwitz deportiert worden waren, doch die Zusammensetzung der Häftlinge war bunt.

Die Haftbedingungen waren hart: Die Frauen wurden als kostenlose Arbeitskräfte zur Herstellung von Munition eingesetzt. Die jüngste Gefangene war erst 16 Jahre alt, die älteste eine 58-jährige Polin. Im April 1945, kurz vor der Ankunft der Alliierten, wurde das Lager hastig evakuiert.

Heute soll auf diesem Grundstück ein Logistikkomplex mit Ladezonen und Kühlbereichen sowie eine Filiale des deutschen Discounter-Konzerns errichtet werden. Im Wesentlichen werden an der Stelle, an der Menschen einst unter Zwangsarbeit litten, Lastwagen mit Lebensmitteln entladen.

### Korruptionsskandal und Haltung der Behörden

Die Pläne zum Abriss der Lagerreste und zum Bau des Geschäfts wurden bereits 2024 bekannt gegeben, was sofort die ersten Proteste auslöste. Im Zentrum des Skandals stand der Bürgermeister von Leobersdorf, Andreas Ramhart. Laut dem Wiener Zeitung konnte der Beamte, der auch als Immobilienunternehmer tätig ist, möglicherweise persönlichen Gewinn aus diesem Geschäft ziehen.

Die Direktorin des Mauthausen-Museums, Barbara Glück, nannte die Entscheidung zum Abriss des Lagers eine „Schande“. Ihr stimmt Oscar Deutsch, Präsident der Israelischen Kulturgemeinde Wien, zu. Er betonte, dass ein Einkaufszentrum die dunklen Kapitel der Geschichte nicht überdecken dürfe.

„Dieser Gewinn wurde hier auf Kosten der Erinnerung an die gefolterten und ermordeten Frauen erzielt“, erklärte Deutsch und bestand darauf, dass der Ort zur Erinnerung an die Opfer erhalten bleiben müsse.

### Das Gesetz auf Seiten des Bauträgers

Trotz ethischer Argumente sieht die rechtliche Lage für die Entwickler günstig aus. Die Bundesdenkmalamt Österreich hat eine Expertise der erhaltenen Gebäude durchgeführt und zu dem Schluss gekommen, dass die verbliebenen Fragmente „nicht ausreichen, um den Status eines geschützten Denkmals zu erhalten“.

So hat der Staat offiziell den Abriss der Lagerreste genehmigt. Auf dem Gelände, das zum Symbol der Tragödie für Hunderte von Frauen wurde, wird nun ein modernes Logistikzentrum und ein Supermarkt entstehen.