Das britische Studio Supermassive Games, bekannt für seine interaktiven Horror-Spiele Until Dawn, The Quarry und die Reihe The Dark Pictures Anthology, hat eine neue Welle von Entlassungen angekündigt. Im August 2026 bestätigte das Unternehmen den Beginn von Konsultationen mit den Mitarbeitern, im Rahmen derer bis zu 75 Personen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Dies ist die dritte Massenentlassung im Studio in den letzten drei Jahren, was zu einem kritischen Rückgang der Mitarbeiterzahl geführt hat.
Dritte Welle von Entlassungen und aktuelle Situation im Studio
Die Entscheidung zur Personalabbau wurde von der Geschäftsführung von Supermassive Games und seiner Muttergesellschaft, dem dänischen Konzern Nordisk Games, getroffen. In einer offiziellen Erklärung betonte das Studio, dass der Prozess „schwierig, aber notwendig“ sei, um die Nachhaltigkeit des Geschäfts in absehbarer Zukunft zu gewährleisten. Zum Zeitpunkt der Ankündigung betrug die Mitarbeiterzahl des Studios etwa 175 Personen, was bereits die Hälfte weniger ist als vor Beginn der Krise im Jahr 2024. Der Verlust weiterer 75 Mitarbeiter bedeutet, dass das Studio fast die Hälfte seiner aktuellen Belegschaft verlieren könnte.
Der Konsultationsprozess hat bereits begonnen, jedoch werden die genauen Namen und Positionen der betroffenen Personen derzeit nicht offengelegt. Die Geschäftsführung stellt fest, dass die Maßnahmen auf die Optimierung der Ausgaben und die Anpassung an die aktuellen Marktbedingungen abzielen, die nach Ansicht von Analysten für Entwickler interaktiver Unterhaltung weiterhin schwierig sind.
Chronologie des Personalverlusts: Von 350 auf 100 Mitarbeiter
Die Situation bei Supermassive Games verschlechterte sich schrittweise. Vor Beginn der Krise zählte das Studio etwa 350 Mitarbeiter. Der erste Schlag erfolgte im Februar 2024, als etwa 90 Personen entlassen wurden. Die zweite Welle von Entlassungen fand im Juli 2025 statt, als die Belegschaft um weitere 35 Mitarbeiter schrumpfte. Die aktuelle Ankündigung von Entlassungen von bis zu 75 Personen beendet eine Reihe von Personalverlusten, durch die das Studio, das einst einer der Führer im Genre des interaktiven Kinos war, an der Grenze einer radikalen Strukturveränderung steht.
Parallel zu den Entlassungen im Studio kam es zu einem Führungswechsel. Ende Juni 2026, nur einen Monat vor der Ankündigung neuer Entlassungen, verließ Robert Henrysson das Unternehmen, der das Team weniger als drei Jahre lang – seit Januar 2024 – geleitet hatte. Sein Weggang fiel mit einer Phase der Instabilität zusammen, was Fragen zur strategischen Planung des Konzerns Nordisk Games aufwirft.
Kommerzieller Misserfolg von Directive 8020 und Reputationsverlust
Ein Schlüsselfaktor, der die aktuelle Situation beeinflusst hat, war das Scheitern des letzten großen Releases des Studios – des Spiels Directive 8020 aus dem Zyklus The Dark Pictures Anthology. Das Spiel erschien am 12. Mai 2026 auf PC, PS5 und Xbox Series X/S, konnte aber die Erwartungen nicht erfüllen. Im digitalen Store Steam erhielt das Projekt den Status „Gemischt“ (Mixed), was für ein Studio, das an höhere Bewertungen gewöhnt ist, einen schweren Schlag für den Ruf darstellte.
Das Scheitern von Directive 8020 war kein Einzelfall. Die beiden vorherigen Releases des Studios – The Casting of Frank Stone (2024) und Little Nightmares 3 (2025) – stießen ebenfalls auf eine kühle Reaktion von Kritikern und Spielern. Das Fehlen von Verkaufsschlagern in den letzten zwei Jahren beraubte das Studio der finanziellen Sicherheitsreserve, die für großangelegte Entwicklungen und die Aufrechterhaltung eines großen Teams notwendig war.
Widersprüchliche Daten
Während die offizielle Erklärung von Supermassive Games die Entlassungen als „notwendige Maßnahme für die Nachhaltigkeit“ beschreibt, weisen Marktanalysten auf tiefgreifendere Probleme hin. Einerseits besteht das Studio darauf, die Situation unter Kontrolle zu haben und die zukünftige Entwicklung zu planen. Andererseits lassen der Weggang des Leiters Robert Henrysson nur einen Monat vor der Ankündigung der Entlassungen und eine Reihe von Misserfolgen vermuten, dass das Studio in einer systemischen Managementkrise steckt und nicht nur auf Marktschwankungen reagiert. Einige Quellen in der Branche gehen davon aus, dass der Konzern Nordisk Games die Strategie des Besitzes der Marke Supermassive Games überdenken könnte, was zu weiteren Änderungen in der Zukunft führen könnte.