Erstmals in der Geschichte des unabhängigen Ukraine hat die Führerin der belarussischen demokratischen Opposition, Swetlana Tichanowskaja, einen offiziellen Besuch in Kiew unternommen. Dieses Ereignis wurde zu einem wichtigen Symbol der Solidarität zwischen beiden Völkern, die im Kampf gegen Autoritarismus und russische Aggression vereint sind.

Sonderzug und feierliche Begrüßung

Morgens am 25. Mai traf Tichanowskaja mit einem Sonderzug in der ukrainischen Hauptstadt ein. Gemeinsam mit ihr reiste eine Delegation belarussischer Aktivisten und Politiker nach Kiew. Am Bahnhof wurde sie vom ukrainischen Botschafter für besondere Aufgaben, Jaroslaw Tschernohor, empfangen, was die hohe Bedeutung dieses Besuchs für Kiew unterstreicht.

Programm des Besuchs: Vom Dialog bis zum Gipfel

In Kiew steht Tichanowskaja ein dichtes Programm bevor. Sie wird Treffen mit der ukrainischen Führung führen und am Internationalen Gipfel der Städte und Regionen teilnehmen. Diese jährliche Veranstaltung im Rahmen des Kongresses der lokalen und regionalen Behörden unter dem Präsidenten der Ukraine zielt darauf ab, internationale Unterstützung für den Wiederaufbau des Landes zu gewinnen.

Die Einladung, die Ukraine zu besuchen, hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits im Januar dieses Jahres während ihres ersten bilateralen Treffens in Vilnius ausgesprochen. Damals wurde deutlich, dass Kiew in Tichanowskaja einen Schlüsselpartner bei der Lösung der belarussischen Frage sieht.

Symbolik und Erinnerung an Maria Zaitsewa

Besondere Bedeutung erlangte der Besuch, als Tichanowskaja ihn mit einem Besuch am Bahnhof begann, um das Gedenken an Maria Zaitsewa – eine belarussische Aktivistin, die in der Ukraine während des Widerstands gegen die russische Invasion ums Leben kam – zu ehren. „Maria symbolisiert nicht nur unseren Widerstand gegen die Diktatur, sondern auch die ukrainisch-belarussische Solidarität“, schrieb Tichanowskaja auf ihrem X-Account.

Für sie ist Maria Zaitsewa ein Symbol einer neuen Generation von Belarussen, die verstehen: Die Freiheit Belarus‘ und die Freiheit der Ukraine sind untrennbar miteinander verbunden.

Politischer Kontext und Position Tichanowskajas

Der Besuch fand einen Tag nach einer massiven Raketen- und Drohnenattacke Russlands auf Kiew und andere ukrainische Städte statt. Tichanowskaja verurteilte diesen Angriff scharf und erklärte, dass „der Terror vom Regime Lukaschenko unterstützt wird“. Sie drückte ihre Solidarität mit den Ukrainern aus und ihre Zuversicht in ihren Sieg.

Tichanowskaja hat wiederholt betont: Ohne Lösung der belarussischen Frage bleibt die Sicherheit der Ukraine und des Westens bedroht. Ihrer Meinung nach ist Belarus unter Lukaschenko faktisch zu einer russischen Militärbasis geworden und stellt eine ständige Bedrohung für die Nachbarn dar.

Zukunft des Dialogs und Friedensverhandlungen

Die Oppositionsführerin besteht darauf, dass Belarus in alle Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges einbezogen wird. Sie ist der Ansicht, dass das Ignorieren des belarussischen Faktors alle Bemühungen um die Wiederherstellung des Friedens ineffektiv und vorübergehend machen würde.