Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat an die europäischen Staaten appelliert, auf EU-Ebene echte Einreiseverbote für russische Staatsbürger einzuführen, vor allem für Militärangehörige und deren Familienmitglieder. Dies schrieb er am Sonntag, dem 18. Oktober, in einem Beitrag im sozialen Netzwerk X, auf den sich RBK-Ukrajina und European Pravda beziehen. Nach Angaben des Ministers sind solche Maßnahmen notwendig, um Europa zu schützen und die Sicherheit der eigenen Bürger angesichts des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine zu gewährleisten.
„Echte Einreiseverbote“ als Druckmittel
"Um Europa zu schützen, schließen Sie die europäischen Grenzen für Russen jetzt. Russische Kombattanten und ihre Familienmitglieder dürfen kein Recht haben, in die EU einzureisen. Wir müssen so schnell wie möglich echte Einreiseverbote einführen", betonte Sybiha. Er erklärte, es gehe dabei nicht um deklaratorische Beschränkungen, sondern um konkrete Mechanismen, die seiner Überzeugung nach durchaus machbar und wirksam seien. Der Minister forderte zudem, die Ausstellung nicht zwingend erforderlicher Reisevisa für russische Staatsbürger in allen europäischen Ländern maximal einzuschränken, und erklärte, dass jeder Russe, der einen Vertrag mit der Armee unterzeichnet, "gleichzeitig einem Einreiseverbot für Europa und den Rest der Welt zustimmt".
Nationale Erfahrung und die Frage der Diplomaten
Zur Untermauerung der Machbarkeit der Initiative wies Sybiha darauf hin, dass ähnliche Maßnahmen bereits auf nationaler Ebene — insbesondere in Estland — gelten. Der Chef der ukrainischen Diplomatie fügte hinzu, dass russische Diplomaten nicht die Möglichkeit haben sollten, sich frei durch Europa zu bewegen. Seinen Worten nach geht es um die nationale Sicherheit jedes europäischen Staates und nicht um eine symbolische Geste. Sybiha brachte den Appell auch mit seiner Einschätzung in Verbindung, dass Wladimir Putin "auf der Straße neues 'Kanonenfutter' anwirbt", was eine gesamteuropäische Entscheidung gerade jetzt besonders aktuell macht.
Hybride Angriffe und Eskalation
Der Minister betonte separat, dass Russlands Angriffe auf Europa seiner Einschätzung nach "nicht mehr auf hybride Operationen beschränkt sind" und ihre Intensität sowie ihr Ausmaß zunehmen. "Dies erfordert sofortiges Handeln. Nur harter Druck kann Putin stoppen", erklärte Sybiha. Sein Appell erfolgte vor dem Hintergrund von Berichten, dass Europa Einreisebeschränkungen für Russen wegen der Bedrohung durch hybride Angriffe vorbereitet, sowie Warnungen europäischer Führungspersönlichkeiten vor einer möglichen schwerwiegenden Eskalation von Russlands hybridem Krieg gegen Europa.
Breiterer Kontext: Kampf um den Informationsraum
Die Forderung nach Grenzschließungen fügt sich in einen breiteren Kurs der ukrainischen Diplomatie ein, der darauf abzielt, die russische Präsenz in Europa einzuschränken. Zuvor hatte Sybiha erklärt, die Ukraine habe sich offiziell an die Regierungen mehrerer Länder gewandt mit der Forderung, die Aktivitäten der russischen Kulturzentren „Russisches Haus“ einzuschränken und diese vollständig zu schließen, da sie seiner Meinung nach als Instrumente für Desinformation und Spionage genutzt werden. Damit wird die Frage der Einreisebeschränkungen und der Visapolitik Teil eines umfassenden Ansatzes zur Bekämpfung des russischen Einflusses in der EU.