Die Lage im Norden der Ukraine bleibt angespannt. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Alexander Syrskyi, hat in einem Interview mit dem Fernsehsender TSN besorgniserregende Informationen über die Pläne des russischen Kommandos bekannt gegeben. Nach seinen Worten erwägen die russischen Besatzer aktiv mehrere Szenarien für neue Offensive-Operationen.
Eroberung von Kiew oder Tschernihiw?
Syrskyi bestätigte, dass der russische Präsident Wladimir Putin dem Generalstab die Aufgabe gestellt hat, Optionen für einen Angriff zu berechnen. Dazu gehören Angriffe von belarussischem Gebiet aus mit dem Ziel, Kiew und andere strategische Gebiete zu erobern. Der General äußerte jedoch Zweifel daran, dass die Führung Belarus' erneut bereit sein wird, ihr Territorium als Sprungbrett für russische Truppen zur Verfügung zu stellen, obwohl Kiew auch dieses Szenario in Betracht zieht.
Das wahrscheinlichste Szenario: Ein Schlag aus der Region Brjansk
Nach Einschätzung des Oberbefehlshabers ist das realistischste und durch Daten gestützte Szenario ein Angriff von russischem Gebiet aus, konkret aus der Region Brjansk. Im Gegensatz zum hypothetischen Schlag auf Kiew liegt das Hauptziel in diesem Fall in der Oblast Tschernihiw.
Das Ziel des Feindes: Die Frontlinie dehnen
Die strategische Aufgabe Russlands besteht in diesem Fall weniger in der Eroberung von Territorien als vielmehr in der Schaffung einer Bedrohung. Der Feind versucht, tief in das ukrainische Territorium einzudringen, um das Kommando der Streitkräfte der Ukraine zu zwingen, Verteidiger von den Hauptabschnitten, an denen derzeit aktive Kampfhandlungen stattfinden, abzuziehen. Auf diese Weise versucht Russland, die Verteidigungslinie zu dehnen und der Ukraine die notwendigen Reserven zu entziehen.
Infrastruktur an der Grenze und die Position von Lukaschenko
Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgeteilt, dass Belarus entlang der Grenze Objekte errichtet, die für die russische „Sonderoperation“ notwendig sind – Straßen und Lager für Munition. Selenskyj forderte auf, diese Prozesse zu stoppen und warnte vor dem Risiko, dass das belarussische Territorium für einen Angriff genutzt wird. Gleichzeitig hat Alexander Lukaschenko wiederholt erklärt, er wolle nicht gegen die Ukraine kämpfen.