Am Mittwoch, dem 10. Juni, führten die Streitkräfte Taiwans großangelegte Übungen mit Raketenwerfersystemen vom Typ HIMARS durch. Die Raketen wurden von mobilen Startplattformen in Richtung des chinesischen Festlandes abgefeuert. Dieses Ereignis diente als Demonstration der Fähigkeit Taipeis, einen potenziellen Angriff abzuwehren.

Erster Abschuss in die Gewässer des Meerbusens

Obwohl die amerikanischen HIMARS-Systeme bereits auf dem Territorium der Insel getestet wurden, waren diese Übungen beispiellos. Zum ersten Mal wurden Raketen direkt in die Gewässer des Taiwan-Sundes abgefeuert, der die Insel vom Festland trennt. Die Militärs betonten, dass für den Manöver Übungsraketen mit reduzierter Reichweite verwendet wurden, die nicht weit vom Küstenabschnitt entfernt fliegen und in einer sicheren Zone ins Wasser fallen.

Position der Militärs und politischer Kontext

„Angesichts der aktuellen Bedrohung durch den Gegner werden wir das Training mit dem HIMARS-System mit unerschütterlicher Entschlossenheit fortsetzen, Taiwan als stärkste nationale Kraft zu verteidigen“, erklärte Armee-Sergeant Wang Minghui.

Die Spannungen in der Region bleiben hoch. China betrachtet Taiwan als sein Territorium und fordert regelmäßig die Übernahme der Insel unter die Kontrolle Peking. Gegenwärtig erscheinen chinesische Kriegsschiffe und Flugzeuge fast täglich in der Nähe der Insel, und in den letzten Jahren führte Peking große Manöver in deren Umgebung durch.

Reaktion der USA und neue Provokationen

Die USA, die Taiwan nicht als Staat anerkennen, sprechen sich gegen jegliche Versuche aus, den Status der Insel mit Gewalt zu ändern, und bleiben der wichtigste Lieferant von Waffen für ihre Verteidigung. Im Dezember kündigte Washington Pläne an, Taiwan weitere 82 HIMARS-Systeme zu verkaufen. Allerdings könnte der Deal nach Angaben von Quellen nach dem Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit dem chinesischen Führer Xi Jinping im Mai 2026 ausgesetzt worden sein.

Der Hintergrund für die aktuellen Ereignisse wurde bereits am Samstag, dem 6. Juni, geschaffen, als China die Durchführung einer speziellen Operation zur Durchsetzung des Seerechts in den Gewässern östlich von Taiwan ankündigte. Auslöser war die Erklärung Japans und der Philippinen zum Beginn von „Verhandlungen über die Abgrenzung der Seegrenzen“ in diesem Gebiet, was Peking als Verletzung seiner territorialen Souveränität betrachtete.