Am Sonntag hat die taiwanische Regierung einen überraschenden Schritt im Informationskrieg mit dem chinesischen Festland unternommen. Das National Intelligence Bureau der Insel hat eine spezielle Website ins Leben gerufen, die Bürger der Volksrepublik China dazu bewegen soll, Aufklärungsdaten zu übermitteln. Die Initiative richtet sich an diejenigen, die, so die taiwanischen Behörden, von der aktuellen politischen System ermüdet sind und bereit für Veränderungen sind.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und strenge Kontrolle

In einer auf der neuen Plattform veröffentlichten Erklärung stellt das National Intelligence Bureau Taiwans fest, dass die chinesische Wirtschaft in den letzten Jahren mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert ist. Experten des Amtes bemerken, dass die politische Kontrolle „hart“ bleibt und soziale Probleme im Zusammenhang mit der Sicherung des Lebensunterhalts sich anhäufen. Laut den Verfassern der Erklärung provozieren diese Bedingungen öffentliche Unzufriedenheit, wodurch immer mehr Menschen sich mit verschiedenen Informationen an taiwanische Behörden wenden.

KI-Video und Aufruf zum Handeln

Um Aufmerksamkeit zu erregen, wurde auf der Website ein einminütiges Video platziert, das von einer Künstlichen Intelligenz generiert wurde. Im Video ist ein chinesischer Staatsbeamter zu sehen, der die Entlassung seiner Kollegen beobachtet – eine Metapher für die Instabilität innerhalb des Systems. Das taiwanische Amt ruft chinesische Bürger sowohl innerhalb des Landes als auch im Ausland auf, „aktiv Informationen bereitzustellen und mutig Veränderungen anzustreben“.

Der Kanal wird als Mittel zur Erweiterung der Quellen für Aufklärungsdaten des Amtes positioniert. Die neue Taktik folgt, so die Behörden, dem Beispiel von Behörden in den USA, Großbritannien und Israel, die ähnliche Mechanismen zur Datensammlung aus dem Ausland nutzen.

Sperrung und Zugang über VPN

Gegenwärtig ist die Website in China blockiert, der Zugang ist jedoch über ein VPN möglich. Wie Reuters feststellt, nutzen viele Chinesen dieses Werkzeug bereits, um Zugang zu westlichen sozialen Medien und Suchmaschinen zu erhalten, was den Kanal potenziell effektiv macht.

Gegenmaßnahmen Peking und Kontext des Konflikts

Bereits 2024 versuchte China eine ähnliche Taktik: Peking kündigte die Einrichtung einer E-Mail-Adresse an, an die Bürger Straftaten melden konnten, die von taiwanischen „Separatisten“ begangen wurden. Dies war Teil einer Informationskampagne gegen die Insel.

China betrachtet das selbstverwaltete Taiwan als sein Territorium, während Taipeh dies kategorisch ablehnt. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch das Festland denkt Taiwan häufiger über seine eigene Sicherheit nach. Insbesondere strebt die Insel danach, die ukrainische Erfahrung im Widerstand gegen einen großen Aggressor zu übernehmen.

Militärische Übungen und Machtdemonstration

Kürzlich hat Taiwan militärische Übungen abgehalten, bei denen Raketen in Richtung China gestartet wurden. Dies war eine Demonstration dafür, wie die Insel einen Angriff abwehren könnte, falls er stattfinden sollte. Der Start der Website zur Sammlung von Geheimdienstinformationen kann als Fortsetzung dieser Strategie betrachtet werden – eine Kombination aus militärischer Bereitschaft und Informationsarbeit.

Taiwan stärkt somit nicht nur seine Verteidigung, sondern arbeitet aktiv im Informationsraum, um Verbündete innerhalb Chinas zu finden. Es ist noch zu früh, um über die Ergebnisse dieser Kampagne zu sprechen, doch die Tatsache des Starts einer solchen Website zeugt von der Ernsthaftigkeit der Absichten der taiwanischen Behörden.