Im US-Senat entbrennt ein heftiger Streit um einen Gesetzesentwurf, der darauf abzielt, den Sanktionsdruck auf Moskau zu erhöhen. Die Initiative, die darauf gerichtet ist, den Kauf russischer Rohöl durch Importländer zu blockieren, stößt auf unerwarteten Widerstand innerhalb der eigenen Koalition, die die Ukraine unterstützt. Im Zentrum des Konflikts steht nicht die Frage der Unterstützung für Kiew, sondern die Bedenken der Demokraten hinsichtlich einer Erweiterung der Befugnisse von Präsident Donald Trump im Bereich der Zollpolitik.
Ultimatum für Käufer russischen Öls
Der Kern des vorgeschlagenen Gesetzesentwurfs besteht in der Einführung strenger wirtschaftlicher Beschränkungen für Länder, die weiterhin Energieträger aus der RF kaufen. Die Trump-Administration hat die Initiative ergriffen, Zölle von bis zu 100 % für die fünf größten Importeure russischer Rohstoffe festzulegen. Nach Angaben amerikanischer Medien sind China, Indien und die Türkei auf dieser Liste.
Anhänger der Initiative, darunter der Urheber des Gesetzesentwurfs, Senator Lindsey Graham, begründen die Notwendigkeit der Schritte damit, dass dies einen der wichtigsten Finanzierungsquellen des russischen Haushalts abschneiden würde. Die ursprüngliche Version des Dokuments war noch radikaler und sah Zölle von 500 % vor, doch im Verlauf der Diskussionen wurde der Satz auf 100 % gesenkt.
Das Dilemma der Demokraten: Hilfe für die Ukraine versus „Vernunftlosigkeit“ Trumps
Trotz des Konsenses über die Notwendigkeit, Druck auf den Kreml auszuüben, haben sich einige demokratische Senatoren gegen den vorgeschlagenen Mechanismus ausgesprochen. Ihr Hauptvorwurf besteht darin, dass die Verknüpfung von Sanktionen mit den Zollbefugnissen des Präsidenten einen gefährlichen Präzedenzfall schafft. Die Befürchtung besteht darin, dass diese Instrumente in Zukunft für die Einführung neuer Zölle verwendet werden könnten, die nichts mit Sanktionen gegen Russland zu tun haben.
Senator Cory Booker betonte in seiner Erklärung, dass er die Ukraine zwar voll unterstützt, aber keine Erweiterung der Befugnisse zulassen kann, die seiner Meinung nach bereits zu „vernunftlosem Missbrauch“ und Schaden für die US-Wirtschaft geführt haben.
Eine ähnliche Position vertrat Senator Raphael Warnock, der seine „tiefe Besorgnis“ über die Übertragung zusätzlicher Hebel der Exekutive auf den Handel zum Ausdruck brachte. Kongressabgeordneter Gregory Meeks ging noch weiter und nannte den vorgeschlagenen Mechanismus ein „Trojanisches Pferd“, das darauf abzielt, die Macht des Weißen Hauses in der Zollpolitik zu erweitern.
Republikanische Antwort und die Gefahr des Scheiterns der Abstimmung
Die Republikaner kritisierten das Zögern ihrer Gegner scharf. Senator Katie Britt stellte die Frage nach den Prioritäten der Demokraten direkt und erklärte, dass ihre Uneinigkeit die Unterstützung der Ukraine gefährde. „Hassen sie Trump mehr, als sie der Ukraine wirklich helfen wollen?“, fragte sie.
Senator Jerry Moran nannte die stattfindenden Streitigkeiten „bedauerlich“ und wies darauf hin, dass politische Intrigen nicht im Wege der Erreichung strategischer Ziele stehen sollten. Die Trump-Administration ihrerseits zeigt weiterhin ihre Bereitschaft, Zollinstrumente einzusetzen: Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die die Wirkung eines Teils der zuvor eingeführten Zölle einschränkte, kündigte das Weiße Haus neue Zölle in Höhe von 10 % bis 12,5 % für Dutzende Länder an und begründete dies mit dem Kampf gegen Zwangsarbeit.
Ausblick und globaler Kontext
Nach Medienberichten könnte der Gesetzesentwurf bereits nächste Woche im Senat zur Abstimmung stehen, doch sein Schicksal hängt davon ab, ob ein Kompromiss zwischen den Befürwortern harter Sanktionen und den Gegnern einer Erweiterung der Präsidentschaftsbefugnisse gefunden werden kann.
Interessanterweise findet die Debatte in Washington vor dem Hintergrund von Änderungen in der Sanktionspolitik Europas statt. Zuvor hatte die EU von einem möglichen Verzicht auf die Praxis der Annahme großer Sanktionspakete gegen Russland berichtet. Stattdessen erwägt Brüssel einen Übergang zu gezielteren und flexibleren Beschränkungen, um die Wirksamkeit des Drucks auf die russische Wirtschaft zu erhöhen.