An der Frontlinie, wo jeder Schritt das Leben kosten kann, werden Technologien nicht nur zu Werkzeugen, sondern zu einem Überlebensfaktor. Das estnische Startup Telearmy hat eine Lösung vorgestellt, die bereits aktiv an der ukrainischen Front eingesetzt wird: ein System zur Fernsteuerung von Fahrzeugen. Es ermöglicht die Ausführung kritischer Aufgaben – von der Logistik bis zur Evakuierung von Verwundeten – ohne Risiko für die Operatoren.

Über die Möglichkeiten und Perspektiven der Technologie berichtete Tuuli Tolmats-Aija, Mitgründerin von Telearmy, in einem exklusiven Interview mit RBC-Ukraine. Nach ihren Worten begannen die ersten Tests des Systems unter realen Konfliktbedingungen vor zwei Jahren. Heute ist dies kein Experiment mehr, sondern ein funktionierendes Werkzeug, das Leben rettet.

Von der Logistik bis zu Kampfeinheiten

Gegenwärtig bestehen die Hauptaufgaben für ferngesteuerte Fahrzeuge an der Frontlinie in der Lieferung von Gütern und dem Abtransport von Verletzten aus Zonen aktiver Kampfhandlungen. Das System ist bereits vollständig mit verschiedenen Arten von gepanzerten Fahrzeugen kompatibel, einschließlich BRDM und Humvee.

Die Entwickler sehen das Potenzial der Technologie breiter. Laut Ingenieuren von Telearmy schafft die Kombination aus Fernsteuerung von Fahrzeugen und Fernbedienung von Waffensystemen eine vollwertige unbemannte Kampfeinheit. Ein solches Fahrzeug kann in einem Gefechtsgebiet kämpfen, ohne dass ein Soldat im Innenraum anwesend sein muss.

Besonders interessant ist das Szenario des Einsatzes von Fahrzeugen als mobile Köder. Anstatt statischer Modelle, die leicht erkannt werden, können Militärs echte Autos verwenden, die aus der Ferne gesteuert werden. Dies ermöglicht es, den Feind effektiv zu desorientieren und echte Bewegungen zu tarnen.

Möglichkeiten für Veteranen

Eines der Hauptmerkmale der Technologie von Telearmy ist die Inklusion. Veteranen, die schwere Verletzungen erlitten haben, können Kampffahrzeuge aus der Ferne steuern. Dies eröffnet neue Horizonte für Menschen, die der Armee weiterhin helfen möchten, aber physisch nicht im Kampfgebiet sein können.

Das Unternehmen hat bereits die ersten vier Fahrer für den Uklon-Dienst geschult. Darunter befindet sich ein Kriegsveteran mit Amputation der Beine. Er verwendet einen speziellen manuellen Schalter anstelle von Gas- und Bremspedalen. Während der Demonstration der Technologie vor Vertretern der Ministerien steuerte er erfolgreich ein Auto und fuhr Gäste herum. Dies beweist, dass die Fernsteuerung es Menschen mit Verletzungen ermöglicht, aktiv und gefragt zu bleiben.

Die Zukunft liegt bei Elektrofahrzeugen und dem zivilen Sektor

Bei Telearmy wird eine rasante Entwicklung der Ära von ferngesteuerten Elektrofahrzeugen prognostiziert, die Leben retten sollen. Die Ambitionen des estnischen Startups beschränken sich jedoch nicht auf militärische Aufgaben.

In Zukunft ist geplant, die Technologie im zivilen Sektor zu skalieren. Potenzielle Anwendungsbereiche umfassen:

  • Landwirtschaft;
  • Logistiktransporte;
  • Bergbauindustrie.

Während Drohnenhersteller aktiv Simulatoren zur Ausbildung von Piloten einführen, schafft Telearmy Infrastruktur für die Steuerung von Bodentechnik, bei der die Rolle des Menschen vom Cockpit in ein sicheres Kontrollzentrum verlagert wird.