Die Technologien zur Fernsteuerung von Fahrzeugen, die es Operatoren ermöglichen, Fahrzeuge ohne physische Anwesenheit im Innenraum zu steuern, erreichen in der Ukraine ein neues Niveau. Das estnische Unternehmen Telearmy hat begonnen, seine Lösungen sowohl im Verteidigungssektor als auch im zivilen Bereich aktiv einzuführen. Dies erklärte Mitbegründerin Tuuli Tolmats-Aija in einem Interview mit RBC-Ukraine.

Militärische Anwendung: Von der Theorie zur Front

Die Entwickler haben bereits mit der Anpassung ihrer Systeme an die spezifischen Bedürfnisse der ukrainischen Armee begonnen. Das Unternehmen hat eine Zusammenarbeit mit dem Generalstab der Streitkräfte der Ukraine und der Abteilung ASD aufgenommen. Das Ergebnis dieser Arbeit war die Umrüstung eines gepanzerten Aufklärungs- und Patrouillenfahrzeugs (BRDM) für den Einsatz an der Front. Die Steuerung dieses Kampffahrzeugs kann nun ferngesteuert erfolgen, was die Sicherheit der Besatzung erheblich erhöht.

In sechs Jahren hat das Team von Telearmy erhebliche Erfahrungen gesammelt, indem es seine Entwicklung in neun verschiedene Fahrzeugtypen integriert hat. Derzeit befindet sich das Unternehmen in der Phase der Skalierung: Die Anzahl der angeschlossenen Fahrzeuge soll von Dutzenden auf Hunderte erhöht werden.

Ziviler Sektor und Taxis

Parallel zu den Militärprojekten betritt Telearmy den zivilen Markt in der Ukraine. Zusammen mit dem beliebten Taxi-Service Uklon wurde bereits mit der Einführung von Technologien zur Fernsteuerung in der Transportindustrie begonnen. Dies steht im Einklang mit früheren Schritten des Dienstes, der zuvor Tests mit fahrerlosen Taxis auf dem Gelände des internationalen Flughafens „Boryspil“ begann.

In Estland selbst wurde die Technologie bereits zertifiziert und funktioniert vollumfänglich in den Bereichen Carsharing und Taxi. Dort können sich Fahrzeuge ohne einen Sicherheitsfahrer im Innenraum mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h bewegen.

Autopilot und Wettbewerb mit Tesla

Auf die Frage nach dem Wettbewerb mit dem Technologie-Giganten Tesla antwortete Tuuli Tolmats-Aija bejahend, jedoch mit einer wichtigen Einschränkung: Es geht um den Wettbewerb in Bezug auf Anwendungsszenarien und nicht um den Reifegrad der Systeme. Dennoch sind die Pläne des Unternehmens ehrgeizig.

Im Sommer dieses Jahres plant Telearmy, die ersten Elemente eines Autopiloten einzuführen. Dies wird es dem Operator ermöglichen, ein Fahrzeug autonom auf einer Route zu entsenden, wodurch er für die Steuerung eines anderen Fahrzeugs freigegeben wird, das eine militärische oder zivile Mission erfüllt.