In der Welt der Elektrofahrzeuge, wo jeder gefahrene Kilometer und jeder Prozentpunkt erhaltener Kapazität von entscheidender Bedeutung sind, zeichnete sich Tesla traditionell durch seine Strategie der vertikalen Integration aus. Obwohl der Elektroautohersteller einen Teil seiner Traktionsbatterien bei externen Partnern einkauft, bestimmt gerade die Qualität dieser Komponenten die langfristigen Besitzkosten. Eine kürzlich durchgeführte großangelegte Studie des schwedischen Unternehmens Carla hat nun Licht darauf geworfen, welche Akkumulatoren unter realen Betriebsbedingungen die beste Kapazitätserhaltung aufweisen.

Umfang der Studie und Stichprobe

Die von Electrek veröffentlichten Ergebnisse basieren auf Daten des schwedischen Händlers für gebrauchte Elektrofahrzeuge, Carla. Da sich das Unternehmen auf den Sekundärmarkt spezialisiert hat, erfordert dies eine sorgfältige Diagnose des Batteriezustands bei der Erstprüfung, was die Zusammenstellung einer einzigartigen Datenbank ermöglichte. In die Stichprobe gingen fast 10.000 Elektrofahrzeuge ein, die zwischen 2022 und 2026 in Schweden getestet wurden. Dieser Datenumfang ermöglicht statistisch signifikante Schlussfolgerungen zur Haltbarkeit verschiedener chemischer Zusammensetzungen von Akkumulatoren.

Interne Tesla-Rangliste: Der Sieg der chinesischen Chemie

Der Vergleich zeigte, dass innerhalb des Tesla-Modellprogramms die Modelle Model 3 mit Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) des chinesischen Unternehmens CATL der klare Favorit sind. Nach einer Laufleistung von 100.000 Kilometern behalten diese Akkumulatoren im Durchschnitt 93,3 % ihrer ursprünglichen Kapazität. Dies ist das beste Ergebnis unter allen getesteten Fahrzeugen der Marke Tesla.

Den zweiten Platz belegten Fahrzeuge mit NMC-Traktionsbatterien des südkoreanischen Riesen LG Chem. Bei derselben Laufleistung weisen sie eine Restkapazität von 91,5 % auf. Den dritten Platz in der Spitzengruppe belegt das Joint Venture von Tesla und Panasonic, das NCA-Akkumulatoren liefert. Bei ihnen variiert die Restkapazität nach 100.000 Kilometern je nach Nennkapazität der Batterie zwischen 88,2 % und 89,8 %.

Technische Kompromisse: Warum LFP gewinnen

Der Vorteil von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) liegt in ihrer höheren Lebensdauer. Diese Technologie ist jedoch nicht ohne Nachteile. LFP-Akkumulatoren weisen eine geringere Energiedichte auf, was sie bei vergleichbarer Kapazität schwerer macht als NMC- und NCA-Analoga. In letzteren sind Nickel und Kobalt mit Mangan oder Aluminium kombiniert, was eine bessere Energieeffizienz pro Gewichtseinheit gewährleistet.

Trotzdem haben LFP-Batterien erhebliche Vorteile: Sie sind weniger brandgefährlich und vertragen eine vollständige Aufladung auf 100 % besser, was für den täglichen Gebrauch von Vorteil ist. Gleichzeitig verlieren NMC-Batterien bei negativen Temperaturen langsamer an Ladung, was für nördliche Breitengrade kritisch ist. Ein weiterer entscheidender Faktor bleibt der Preis: LFP-Batterien sind die günstigsten unter denen, die in Massen-Elektrofahrzeuge verbaut werden.

Globaler Kontext und langfristige Perspektiven

Betrachtet man die Rangliste im Hinblick auf alle in die Carla-Stichprobe eingegangenen Elektrofahrzeugmarken, ändert sich das Bild. Die Spitzenreiter bei der Restkapazität sind Modelle der südkoreanischen Marken Hyundai und Kia sowie Elektrofahrzeuge von Volvo/Polestar und BMW i3. In diesem Gesamtergebnis belegt die Tesla Model 3 mit CATL-Batterie lediglich den achten Platz. Dennoch wiesen alle Modelle, die in die Top 20 eingezogen sind, nach 100.000 Kilometern eine Restkapazität von über 90 % auf.

Zusätzliche Daten der Studie des Unternehmens Geotab zeigen, dass moderne Elektrofahrzeuge bei aktiver Nutzung im Jahr etwa 1,8 % der Kapazität des Traktionsakkumulators verlieren. Formal erlaubt dies eine Nutzungsdauer der Batterien von mehr als 20 Jahren. Tesla selbst gibt an, dass ihre Akkumulatoren nach 320.000 Kilometern nicht mehr als 15 % ihrer Kapazität verlieren, wobei die stärkste Degradation zu Beginn des Lebenszyklus der Batterie auftritt.