Der offizielle Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Georgij Tichyj, hat in seinem Account im sozialen Netzwerk X die Rhetorik des Kremls über einen „nahestehenden Sieg“ scharf kritisiert. Nach seinen Worten widersprechen die tatsächliche Lage an der Front und die Statistik der Verluste den Aussagen der russischen Behörden vollständig.
Tichyj erinnerte daran, dass der von Moskau mit der Erwartung eines Blitzsieges begonnene Angriffskrieg nun bereits im fünften Jahr andauert. In dieser Zeit konnte die russische Seite keines der gesetzten Ziele verwirklichen. Der Sprecher des Außenministeriums nannte eine schockierende Zahl: Seit mehr als vier Jahren des umfassenden Einmarschs hat Russland 1,3 Millionen Männer verloren.
„POV: Ihr redet so, als würdet ihr den Krieg gleich gewinnen (bereits das fünfte Jahr in Folge). REALITÄT: Ihr habt einen Angriffskrieg begonnen, um schnell zu gewinnen; ihr habt kein einziges Ziel erreicht und dabei in über 4 Jahren 1,3 Millionen Männer verloren“, schrieb der ukrainische Diplomat.
Stopp des Vorrückens und Eskalation auf dem Territorium der RF
Den Angaben des ukrainischen Ministeriums zufolge sind die Versuche russischer Truppen, vorzurücken, derzeit von den ukrainischen Verteidigern vollständig blockiert. Tichyj betonte, dass der Krieg nicht mehr ausschließlich ein Grenzkonflikt ist, sondern direkt auf das Territorium der Russischen Föderation zurückkehrt.
„Euer langsames Vorrücken ist gestoppt – der Krieg kehrt auf euer Territorium zurück“, fasste der Sprecher des Außenministeriums zusammen.
Innere Krise in Russland
Die Aussagen des Sprechers des Außenministeriums kamen vor dem Hintergrund einer ernsthaften inneren Spannung in Russland. Kürzlich hielt Wladimir Putin auf dem Parteitag der Partei „Einiges Russland“ eine Rede, in der er die aktuelle Periode als „schicksalhaft“ für das Land bezeichnete. In seiner Rede behauptete er, der Westen versuche angeblich, sich der RF zu entledigen, und erklärte die gegen die Ukraine kämpfenden Soldaten zur neuen „wahren Elite“ der russischen Gesellschaft.
Doch solche Aussagen stehen im Widerspruch zu realen soziologischen Daten. Im Juni ist das Vertrauen der russischen Bürger in Putin auf ein historisches Tiefststand seit Beginn des umfassenden Einmarschs eingebrochen und liegt bei nur 69 %. Die Popularität des Präsidenten ist nach dem größten Luftangriff auf Moskau rapide gesunken.
Die Situation im Land spitzt sich so zu, dass in der Staatsduma erstmals öffentlich vom Führungspersonal verlangt wurde, einen klaren Plan für das Ende der Kampfhandlungen gegen die Ukraine vorzulegen. Dies zeugt davon, dass sich die innenrussische Agenda von der Rhetorik des Sieges hin zur Suche nach einem Ausweg aus dem langwierigen Sackgasse verschiebt.