In Kiew haben die Behörden nach einer Tragödie, die vier Menschenleben forderte, ernsthafte Gesetzesänderungen eingeleitet. Das Ministerium für Innere Angelegenheiten (MIA) der Ukraine bereitet ein Maßnahmenpaket vor, das darauf abzielt, Fahrer zu bekämpfen, die die Verkehrsregeln systematisch verletzen. Das Hauptinstrument des Drucks wird nicht ein Punktesystem sein, sondern sofortige Sanktionen bei Anhäufung von Verstößen.
Mechanismus der neuen Strafen
Der Innenminister Igor Klymenko erklärte, dass die Strafverfolgungsbehörden derzeit nicht über ausreichende Hebel verfügen, um Fahrer zu beeinflussen, die ständig die Geschwindigkeit überschreiten und Unfälle provozieren. Zur Lösung dieses Problems wird ein Mechanismus geprüft, der automatische Sanktionen vorsieht, sobald ein bestimmter Schwellenwert von Verstößen erreicht ist.
Laut dem Chef des Innenministeriums wird als Beispiel ein Szenario geprüft, bei dem ein Fahrer nach dem zehnten Geschwindigkeitsverstoß schwerwiegenden Konsequenzen ausgesetzt wird. Zu den möglichen Maßnahmen gehören:
- Entzug des Führerscheins;
- Vorübergehende Einschränkung des Rechts, ein Kraftfahrzeug zu führen;
- Verpflichtung zur Wiederholung der Führerscheinprüfungen.
Klymenko betonte, dass bei der Entwicklung neuer Regeln nicht nur die Anzahl der Verstöße, sondern auch deren Schwere berücksichtigt werden wird. Ein Geschwindigkeitsüberschreiten von 10 km/h gilt als ein Verstoß, während ein Überschreiten von 50–80 km/h als eine Situation eingestuft wird, die zu einer Tragödie führen kann.
Zeitplan und Beteiligte an der Entwicklung
Die Frage nach neuen Sicherheitsmaßnahmen wird bereits am Mittwoch vom Strafverfolgungsausschuss der Werchowna Rada erörtert. Darüber hinaus wird das Innenministerium separate Sitzungen zur Verkehrssicherheit abhalten. Der Entwurf der Vorschläge befindet sich in der aktiven Vorbereitungsphase: An ihm arbeiten die Nationale Polizei, Volksabgeordnete, Juristen und Fachexperten. Es wird erwartet, dass der Entwurf des Dokuments in den nächsten Tagen fertiggestellt sein wird.
Der Minister stellte fest, dass die Einführung eines Punktesystems derzeit nicht geplant ist, da hierfür eine umfangreiche digitale Infrastruktur geschaffen werden müsste. Kurzfristig haben einfachere und effektivere Reaktionsmechanismen Priorität.
Auslöser für die Reformen war die Tragödie in Kiew
Die Initiative der Behörden ist eine direkte Reaktion auf den tödlichen Verkehrsunfall, der am 5. Juni in Kiew stattfand. Gegen 17:30 Uhr prallte ein Mercedes, der mit hoher Geschwindigkeit fuhr, an der Kreuzung der Wadym Hetman-Straße und der Uschynsky-Straße in einen unterirdischen Fußgängertunnel. Bei dem Unfall kamen vier Menschen ums Leben: ein 12-jähriger Junge, eine Frau und zwei Polizisten.
Am 8. Juni verhängte ein Gericht gegen den 49-jährigen Fahrer des Mercedes eine Haftstrafe von 60 Tagen. Die Polizei hatte ihm zuvor den Verdacht der Begehung einer Straftat vorgeworfen. Wie sich herausstellte, war der Verdächtige zuvor wiederholt wegen von Verkehrsverstößen, vor allem wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, zur Verantwortung gezogen worden. Am Tag der Tragödie arbeitete er als Taxifahrer.
Die Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko bestätigte zuvor, dass die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Verringerung der Unfallrate vorbereitet. Dazu gehören eine Verschärfung der Haftung bei systematischen Verstößen, härtere Sanktionen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, die Verbesserung des Systems zur Erfassung von Verstößen und die gesetzliche Regulierung der Nutzung von leichtem persönlichen Elektromobilitätsmitteln.