Das Organisationskomitee des Europäischen Kulturforums hat offiziell den Namen des Preisträgers des Europäischen Kulturpreises 2026 bekannt gegeben. Den Preis erhält der britisch-deutsche Bildhauer Tony Cragg. Diese Entscheidung markiert den Höhepunkt der langjährigen Anerkennung seines Beitrags zur Transformation der bildenden Künste und zur Entwicklung der Kulturlandschaft des Kontinents.
Die feierliche Preisverleihung findet am 4. September 2026 in Amsterdam statt. Die Veranstaltung wird im legendären Königlichen Konzerthaus (Het Koninklijk Concertgebouw) abgehalten. Laut Rainer Schrenkler, dem Vorsitzenden des Forums, wird der Preis für den innovativen Ansatz des Meisters verliehen, der die Traditionen der Bildhauerei neu interpretiert und in den modernen europäischen Kontext integriert hat.
Anthony Douglas Cragg, geboren 1949 in Liverpool, verfügt über einen einzigartigen Hintergrund: seine Grundausbildung ist naturwissenschaftlich. Seit 1977 lebt und arbeitet er in Deutschland, im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Craggs künstlerische Methode basiert auf einer tiefgreifenden Analyse molekularer und tektonischer Strukturen von Materialien. Er transformiert Bronze, Holz, Stahl und Glas in monumentale abstrakte Formen, die oft Assoziationen mit natürlichen Landschaften und geologischen Prozessen hervorrufen.
Bei der Zeremonie in den Niederlanden wird die Laudatio von Dr. Felix Krämer, dem Generaldirektor des Kunstmuseums Kunstsammlung im Kunstsammlung Düsseldorf, vorgetragen. Dies unterstreicht die enge Verbindung des Künstlers mit der deutschen Kunstszene, in der er nicht nur als Resident, sondern als Schlüsselfigur der institutionellen Entwicklung fungiert.
Craggs Beitrag geht weit über die Ausstellungsräume hinaus. Er hat umfangreiche Infrastruktur- und Bildungsprojekte realisiert, die das Gesicht deutscher Städte verändert haben. Über 30 Jahre lang unterrichtete er an der Kunstakademie Düsseldorf und bekleidete von 2009 bis 2013 das Amt des Rektors dieser führenden europäischen Hochschule.
Einen besonderen Stellenwert in seiner Tätigkeit nimmt der Skulpturenpark „Waldfrieden“ in Wuppertal ein. Gegründet 2008 auf der Basis einer verlassenen privaten Residenz, erstreckt sich der Park über eine Fläche von etwa 15 Hektar. Hier ist eine permanente Freiluftausstellung mit rund 60 großformatigen Werken von Cragg selbst und anderen Klassikern des Modernismus zu sehen. Im Jahr 2026 wird der Park als Plattform für temporäre Ausstellungen dienen, darunter Werke von Rebecca Horn.
Craggs Karriere ist durch eine Reihe prestigeträchtiger Errungenschaften geprägt. 1988 vertrat er Großbritannien auf der 43. Biennale in Venedig und wurde Turner-Preisträger. Seine Werke sind in bedeutenden öffentlichen Räumen auf der ganzen Welt integriert, von den Boboli-Gärten in Florenz bis hin zu jüngeren Einzelausstellungen in Rom und Venedig.
Der Europäische Kulturpreis ist eine der bedeutendsten nichtstaatlichen Auszeichnungen der Makroregion. Er wird an Künstler, Architekten und öffentliche Institutionen für die Förderung grenzüberschreitender Dialoge verliehen. In verschiedenen Jahren waren die Preisträger unter anderem Daniel Libeskind, Mads Mikkelsen und Sonya Yoncheva. Letztere wird übrigens am Galakonzert in Amsterdam im Jahr 2026 teilnehmen und mit dem Nationalen Jugendorchester der Niederlande auftreten.
Experten betonen die symbolische Bedeutung der Auszeichnung Craggs. Der Künstler mit der doppelten Staatsangehörigkeit von Großbritannien und Deutschland ist zum Symbol der Widerstandsfähigkeit europäischer Integrationsprozesse im humanitären Bereich geworden. Dies ist vor dem Hintergrund der institutionellen Folgen des Brexit besonders relevant. Die Nominierung des Meisters wurde vom Expertengremium des Forums auf einer Sitzung in Düsseldorf einstimmig unterstützt.
Laut der Satzung des Forums hat der Preis keinen festen Geldwert. Es handelt sich um eine Anerkennung des professionellen Status (Peer Review), die von der Organisation umfangreicher interdisziplinärer Ausstellungsprojekte unter Unterstützung des niederländischen Kulturministeriums und partnernder EU-Museen begleitet wird.

