In 35 Jahren Unabhängigkeit haben ukrainische Sportlerinnen und Sportler wiederholt höchste Meisterleistung auf der Weltbühne gezeigt: Sie wurden Welt- und Europameister, gewannen Olympische Spiele und stellten Rekorde auf. Am Ende dieses Weges wurden Alexander Usyk und Olga Charlan mit der Auszeichnung „Nationale Legende der Ukraine“ geehrt. Sport RBC.UA erinnert an die glanzvollsten Sportereignisse in der Geschichte des unabhängigen Staates – von der ersten olympischen Medaille bis hin zu Vereins- und Boxtriumphen, die in die nationale Sportchronik eingegangen sind.

Erste Schritte auf der Weltbühne: Olympia 1994 und der gymnastische Triumph

1994 trat die Ukraine erstmals in ihrer Geschichte als unabhängiger Staat bei den Olympischen Spielen an – bei der Wintersportolympiade in Lillehammer. Das Debüt wurde historisch: Die ukrainischen Sportler errangen zwei Medaillen – Gold für Oksana Bajul im Eiskunstlauf der Frauen und Bronze für die Biathletin Walentina Zerbe-Nesina. Besonders prägend war der Triumph von Bajul: Die 16-jährige Eiskunstläuferin bescherte dem Land die erste olympische Goldmedaille in der Geschichte der Unabhängigkeit. Auch das folgende Jahr 1995 brachte Erfolg – Lylja Podkopejewa vollbrachte einen der glanzvollsten Triumphe in der Geschichte des ukrainischen Sports, indem sie die ungeschlagene Weltmeisterin im Sportturnen wurde. Bei der Weltmeisterschaft in Sapporo (Japan) gewann die 17-jährige Ukrainerin das Mehrkampf mit 39,248 Punkten, verwies die Russin Swetlana Chorkina und die Rumänin Lavinia Miloszewitschi auf die Plätze und gewann zudem Gold im Sprung am Sprungturm sowie Silber am ungleich hohen Barren und am Balken – und wurde so die titelreichste Sportlerin dieser Meisterschaft.

Fußballgipfel: vom „Goldenen Ball“ Schewtschukos bis zum Viertelfinale der WM 2006

2004 wurde Andrej Schewtschuk der erste ukrainische Fußballer nach der Erlangung der Unabhängigkeit, der den „Goldenen Ball“ erhielt – die wichtigste individuelle Auszeichnung des Weltfußballs. Der Stürmer von Mailand hatte eine herausragende Saison gespielt und setzte sich in der Abstimmung vor Deco und Ronaldinho durch, als dritter Vertreter des ehemaligen Sowjetrusslands nach Jewgeni Blochin und Igor Belanow. Sein Sieg war eine Anerkennung nicht nur seiner persönlichen Meisterschaft, sondern auch des Status der Ukraine auf der Fußballkarte der Welt. Vor zwanzig Jahren zog die ukrainische Nationalmannschaft erstmals in ihrer Geschichte in die Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft ein: Das Team von Jewgeni Blochin überraschte bereits in der Qualifikation den Fußballkontinent, indem es seine Gruppe gewann und direkt für die WM qualifiziert wurde. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland schafften die Ukrainer nach einem schlechten Start den Einzug ins Viertelfinale, wo sie den späteren Champions – den Italienern – unterlagen. Der Einzug ins Achtelfinale bleibt bis heute das beste Ergebnis der Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften.

Vereins- und Boxtriumph: „Schachtar“, die Klitschkos und der Londoner Boxsport

2009 gewann der donesk „Schachtar“ den ersten europäischen Vereinspokal seiner Geschichte. Im Finale des UEFA-Pokals in Istanbul besiegte das Team von Mircea Lucescu den deutschen „Werder“ mit 2:1 nach Verlängerung, das entscheidende Tor erzielte Jadson. Dies bleibt der erste und bis heute einzige Triumph eines ukrainischen Vereins in einem europäischen Wettbewerb, abgesehen von der Champions League. Im Boxen erzielten die Brüder Witali und Wladimir Klitschko eine einzigartige Leistung von Weltniveau: Nach dem Sieg Wladimirs über David Haye hielten die Brüder gleichzeitig alle vier großen Gürtel im Schwergewicht – Wladimir die Titel der WBA, IBF und WBO, Witali den der WBC. Sie wurden die ersten Brüder in der Geschichte, die gleichzeitig alle Haupttitel der prestigeträchtigsten Gewichtsklasse kontrollierten. Die Olympischen Spiele 2012 in London wurden zum Triumph für den ukrainischen Boxsport: Alexander Usyk im Superschwergewicht und Wassyl Lomatschenko in der Leichtgewichtsklasse errangen Goldmedaillen, wobei es für Lomatschenko bereits die zweite olympische Goldmedaille war. Insgesamt holten die ukrainischen Boxer in London fünf Medaillen – zwei Gold, Silber für Denys Berintschyk und Bronze für Alexander Hwosdyk und Taras Scheljestjuk – was zum erfolgreichsten Auftritt des ukrainischen Boxsports bei einer Olympiade wurde.

EURO 2012 und Wintergefühle: Gastgeberland und olympische Staffel

Das grandioseste Ereignis in der Geschichte des ukrainischen Sports war die Fußball-Europameisterschaft – der zu diesem Zeitpunkt größte Sportwettbewerb, der auf dem Gebiet eines unabhängigen Staates ausgetragen wurde. Die Spiele der EURO fanden in Kiew, Donezk, Charkiw und Lwiw statt, und die Hauptstadt-Arena NSK „Olympischer“ beherbergte das Turnierfinale. Für die Ukraine war dies nicht nur ein großes Sportereignis, sondern auch eine Möglichkeit, sich der Welt als Land zu präsentieren, das einen Wettbewerb des höchsten Niveaus organisieren kann. Die olympische Staffel in Sotschi 2014, an der Wita Semerenko, Walentina Semerenko und Jelena Pidhruschna teilnahmen, wurde zu einem der emotionalsten Sportmomente in der Geschichte der unabhängigen Ukraine.

Anerkennung der Nation: die Auszeichnung „Nationale Legende der Ukraine“

Höhepunkt des mehrjährigen Weges der ukrainischen Athleten auf der Weltbühne war die staatliche Anerkennung ihres Beitrags: Alexander Usyk und Olga Charlan erhielten die Auszeichnung „Nationale Legende der Ukraine“. Diese Errungenschaften – vom ersten olympischen Gold von Bajul bis zu den Box- und Fußballtriumphen – prägten das sportliche Bild des unabhängigen Staates und bestätigten seinen Platz unter den großen Sportmächten der Welt.