Auf dem Gelände des Michaelsklosters mit der goldenen Kuppel in Kiew funktioniert heute der museum-archäologische Raum „Torhauskirche und Kiew im 10.–13. Jahrhundert“. Die Initiative, die von Archäologen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Freiwilligen umgesetzt wurde, lenkt den Blick auf den Erhalt und die Präsentation des archäologischen und architektonischen Erbes der altrussischen Epoche. Das Projekt ist ein einzigartiges Phänomen in der Museumslandschaft der Hauptstadt: Bei einer geschätzten Kostenhöhe von 1–1,5 Mio. Hrywnja in den Jahren 2025–2026 wurden für seine Umsetzung praktisch keine Budgetmittel aufgewendet.

Siebenhundert Jahre Vergessen und die Tragik der 1930er-Jahre

Die Torhauskirche des Michaelsklosters mit der goldenen Kuppel wurde im 12. Jahrhundert erbaut und diente als Haupteingang des Klosters. Nach Ansicht vieler Historiker wurde sie während des Einfalls der Truppen Batys zerstört und nie wieder aufgebaut. Über sie wurde mehr als siebenhundert Jahre lang vergessen. In den 1930er-Jahren zerstörten die sowjetischen Besatzer den gesamten Klosterkomplex und ließen nur wenige Objekte stehen. Wie der Autor der Publikation, Roman Malenkow, Chefredakteur und Mitbegründer des regionalen Portals „Ukraina Inkognita“, anmerkt, hätte es weder das wiederhergestellte Kloster noch die Torhauskirche selbst gegeben, wenn der damals geplante Bau vollständig hätte realisiert werden können.

Archäologische Ausgrabungen Ende der 1990er-Jahre

Systematische wissenschaftliche Untersuchungen des Geländes, auf dem die Torhauskirche stand, begannen vor der Wiederherstellung des Klosterkomplexes Ende der 1990er-Jahre. Bei der Erforschung der Kulturschicht des 10.–13. Jahrhunderts stießen die Archäologen auf Fundamente und Mauerreste der Torhauskirche. Zu den Funden dieser Ausgrabung gehörten Fragmente von Platten (Plinfa), Fragmente altrussischer Keramik, Gebrauchsgegenstände, Elemente metallener Verzierung und Reste von Baumörteln. Die Ergebnisse der Ausgrabungen ermöglichten es, die Grenzen des Klostergebiets im 12. Jahrhundert, die Bautechniken jener Zeit und die städtebauliche Struktur der Oberstadt Kiews zu präzisieren. Allerdings wurden die Reste der Torhauskirche unter einem Pavillon abgedeckt und fast ein Vierteljahrhundert lang vergessen, ohne dass das Objekt gar in die staatliche Registrierung aufgenommen wurde.

Museumswürdigung 2025 und die Rolle der Toloks

Erst im Jahr 2025 begannen auf Initiative von Archäologen, Vertretern des Staatlichen Instituts für archäologische Untersuchungen „Altes Kiew“ sowie der Organisationen der Zivilgesellschaft „Ukraina Inkognita“ und „Die Mutigen wiederherstellen“ die Arbeiten zur Museumswürdigung der Reste der Torhauskirche. Parallel wurde das Registrierungsdokument erstellt, und heute ist das Objekt offiziell ein archäologisches Denkmal. Ein wichtiger Bestandteil der Projektumsetzung war die Beteiligung der Öffentlichkeit in Form von Toloks: Freiwilligenputz- und Geländepflegeaktionen wurden mit Einbeziehung von Archäologen durchgeführt, die die Teilnehmer über die Regeln der Arbeit mit der Kulturschicht unterwiesen. Die Teilnehmer der Toloks halfen dabei, die Fläche von Bauschutt zu räumen, den Boden abzutransportieren, mit dem das Objekt noch in den 1990er-Jahren konserviert worden war, und das Gelände für die Schaffung eines musealen Raums vorzubereiten.

Ausstellung und weitere Pläne

Bei der Umsetzung des Projekts halfen auch Mäzene, die Kies für den Boden bereitstellten sowie die Wände des Pavillons verarbeiteten und anstrichen. An den Wänden sind Informationstafeln und Banner angebracht. Die Arbeit ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Im Pavillon ist eine Ausstellung archäologischer Artefakte geplant, die sich auf jene Epoche beziehen. Bereits ausgestellt ist eine Platte (Plinfa) mit Abdrücken von Tierpfoten und einer menschlichen Fußsohle. Insgesamt wird der Ausstellungsbereich drei Hauptthemen beleuchten: die städtebauliche Struktur Kiews im 10.–13. Jahrhundert, die Geschichte des Baus und des Betriebs des Michaelsklosters sowie die Methodik moderner archäologischer Untersuchungen.

Widersprüchliche Angaben

In den vorliegenden Quellen wurden keine wesentlichen Widersprüche in Daten, Zahlen oder Versionen der Ereignisse festgestellt. Der einzige Vorbehalt betrifft die Ursachen der Zerstörung der Torhauskirche: Im Text heißt es, dass sie „nach Ansicht vieler Historiker“ während des Einfalls der Truppen Batys zerstört wurde, was als vorherrschende, aber nicht einzige Ansicht in der wissenschaftlichen Gemeinschaft formuliert wird. Alle übrigen Fakten – die Daten der Ausgrabungen, die Dauer des Vergessens, die Projektkosten und die Zusammensetzung der Teilnehmer – werden widerspruchsfrei und konsistent dargestellt.