Washington ändert seinen Kurs gegenüber Damaskus grundlegend. Nach Jahrzehnten harter Sanktionen wechselt die US-Regierung zu einer aktiven Unterstützung der neuen syrischen Regierung. Ein zentrales Signal dieses Richtungswechsels war die Erklärung von Präsident Donald Trump, Syrien von der Liste der Staaten, die Terrorismus fördern, streichen zu wollen.
Historisches Gespräch auf dem NATO-Gipfel
Die Erklärung fiel während eines persönlichen Treffens von Donald Trump mit dem neuen syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, das im Rahmen des NATO-Gipfels stattfand. Der US-Führer verschleierte seine Absichten nicht und bewertete die Arbeit seines syrischen Amtskollegen positiv.
„Ich denke, ich werde es tun. Warum nicht? Er hat großartige Arbeit geleistet', sagte Trump im Kommentar zur Möglichkeit der Streichung des Status. Diese Entscheidung könnte ein Wendepunkt für das Schicksal des Landes werden, das jahrzehntelang unter internationalem Druck stand.
Wirtschaftliche Folgen und Wiederaufbauplan
Der Status als „Terrorismusförderer', der vom US-Außenministerium verliehen wurde, war das Haupthindernis für die Entwicklung Syriens. Er blockiert den Zugang zu internationalen Finanztransaktionen, schreckt Investoren ab und begrenzt die Aufnahme externer Hilfe. Obwohl die Trump-Administration bereits einige wirtschaftliche Beschränkungen gelockert hat, würde die vollständige Aufhebung des Status den Weg für einen umfassenden Wiederaufbau des Landes nach dem jahrelangen Bürgerkrieg ebnen.
Laut Bloomberg ist die Annäherung an Damaskus Teil einer breiteren Strategie Washingtons. Die USA versuchen gemeinsam mit der Türkei, Syrien in die internationale Zusammenarbeit zu integrieren und damit die Stabilität in der Region zu gewährleisten.
Von „Al-Kaida' zum Staatsoberhaupt
Die Biografie von Ahmed al-Sharaa macht diese politische Wende besonders dramatisch. Er leitete früher das syrische Ableger von „Al-Kaida', wurde 2013 von den USA auf die Terrorliste gesetzt, und für seinen Kopf wurde eine Belohnung von 10 Millionen Dollar ausgesetzt. 2016 erklärte al-Sharaa öffentlich den Bruch mit dem internationalen Terrornetzwerk.
Im Dezember 2024 führte er den syrischen Aufstand an, entmachtete Bashar al-Assad und übernahm die Führung des Landes. Genau diese Transformation ermöglichte es Trump, ihn als Partner zu bewerten, der Ordnung schaffen kann.
Regionale Risiken und die Position Israels
Der Kurswechsel der USA löst in Israel ernsthafte Besorgnis aus, das Damaskus traditionell als einen der wichtigsten regionalen Gegner betrachtet. Im vergangenen Monat äußerte Trump bereits Unzufriedenheit über die Militäroffensive Israels gegen die „Hisbollah' im Libanon und vermutete, dass ein neues Syrien die Gruppe effektiver bekämpfen könnte.
Al-Sharaa bestätigte die Bereitschaft Damaskus, zur Stabilität im Libanon beizutragen, schloss aber eine direkte militärische Intervention aus. Dennoch führt Israel weiterhin Angriffe auf Ziele in Syrien durch und begründet dies mit der Notwendigkeit, neue Angriffe zu verhindern.
Neue Ausrichtung: Syrien und die Ukraine
Die diplomatische Entspannung in Damaskus hat auch Kiew erfasst. Die Ukraine nimmt schrittweise den Kontakt mit der neuen syrischen Regierung wieder auf. Am 5. April besuchte Präsident Wolodymyr Selenskyj Syrien und führte Gespräche mit Ahmed al-Sharaa.
Nach dem Treffen einigten sich die Parteien auf eine Stärkung der Sicherheit und die Schaffung neuer Entwicklungsmöglichkeiten. Der ukrainische Außenminister Andriy Sybyga berichtete von Plänen zur Eröffnung von Botschaften: Syrien plant eine diplomatische Mission in Kiew zu eröffnen, und die Ukraine eine in Damaskus.