Der NATO-Gipfel in Ankara endete nicht nur mit der Unterzeichnung von Deklarationen, sondern auch mit einer drastischen Änderung der Rhetorik in den Beziehungen zwischen Washington und seinen europäischen Verbündeten. US-Präsident Donald Trump, an Bord des Flugzeugs Air Force One, formulierte harte Bedingungen für den weiteren Aufenthalt amerikanischer Truppen auf dem europäischen Kontinent. Im Mittelpunkt standen zwei scheinbar unzusammenhängende Fragen: die geopolitische Position Europas im Konflikt um den Iran und der territoriale Status Grönlands.
Der Iran-Faktor: Der Preis der Loyalität der Verbündeten
Hauptauslöser für die Eskalation der Spannungen war die Weigerung der meisten EU-Länder, eine Militäroperation der USA gegen iranische Infrastruktur zu unterstützen. Trump äußerte seine tiefe Enttäuschung darüber, dass die europäischen Partner nicht bereit sind, ihren Luftraum und Logistikzentren zur Sicherung der Schifffahrt im Hormus-Straße bereitzustellen. Die einzige Ausnahme bildete Großbritannien, das begrenzten Zugang zur Luftwaffenbasis RAF Fairford gewährte.
Besonders scharfer Kritik unterlag Spanien. Der Chef des Weißen Hauses bezeichnete Madrid als „ineffizienten Partner' im Rahmen der Architektur der kollektiven Sicherheit und gab bereits Anweisung an die zuständigen Behörden, ein Audit der bilateralen Handelsbeziehungen durchzuführen. Die Logik Washingtons ist einfach: Die finanzielle und operative Last der Eindämmung des Irans auf Länder zu verlagern, deren Wirtschaft kritisch von der Stabilität der Kohlenwasserstofflieferungen aus dem Nahen Osten abhängt.
Grönland als strategischer Vermögenswert
Das zweite Schlüsselelement der Rede war die Wiederbelebung der Debatte über Grönland. Trump betonte, dass die strategische Bedeutung der arktischen Insel für die nationale Verteidigung der USA nicht mit ihrer Rolle für Dänemark vergleichbar ist. Kopenhagen antwortete jedoch mit einer entschiedenen Ablehnung. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bestätigte, dass Grönland kein Gegenstand kommerzieller oder territorialer Geschäfte sei und der Souveränitätsstatus der Autonomie unverändert bleibe.
Trotzdem haben die USA technische Konsultationen zur Schaffung eines mehrstufigen Raketenabwehrsystems „Golden Dome' in der Arktik intensiviert, was den Wunsch Washingtons zeigt, seinen Einfluss in der Region unabhängig vom politischen Status des Territoriums zu stärken.
Neue Zahlen und echte Kürzungen
Die Worte des Präsidenten werden durch konkrete Maßnahmen untermauert. Das Pentagon hat bereits mit der Reduzierung der operativen Kräfte in Europa begonnen: Eine Flugzeugträgerkampfgruppe und ein Teil der Tankflugzeugflotte wurden vorübergehend zurückgezogen. Im Rahmen der „Ankara-Deklaration' wurde den Verbündeten ein neues Ziel gesetzt: die Verteidigungsetats bis 2035 auf 3,5 % des BIP zu erhöhen.
Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der versuchte, die scharfen Kanten zu glätten, forderte einen geordneten Übergang der Verpflichtungen. Als Beweis für die Bereitschaft Europas verwies er auf abgestimmte Verteidigungseinkäufe in Höhe von über 50 Milliarden Dollar. Die Einleitung einer 6-monatigen umfassenden Überprüfung des Umfangs der US-Militärpräsenz auf dem Kontinent signalisiert jedoch, dass das Zeitalter der bedingungslosen amerikanischen Verteidigung Europas zu Ende gehen könnte.