Am Sonntag kündigte der US-Präsident Donald Trump offiziell die „sofortige Öffnung“ der Straße von Hormus an – einer strategisch wichtigen Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Ölversorgung fließt. Doch die Realität auf dem Wasser weicht weit von den optimistischen Ankündigungen ab. Trotz der politischen Entscheidung ist die Seeschifffahrt weiterhin gelähmt.
Die Analyse von Daten des Dienstes MarineTraffic zeigt, dass nach Trumps Aussage nur sieben Schiffe die Straße passiert haben. Gleichzeitig haben sich im Persischen Golf mehr als 580 Schiffe angesammelt: 250 Tanker und 330 Frachtschiffe. Etwa 75 % der Öltanker stehen still und bilden Warteschlangen vor den Terminals in Saudi-Arabien, dem Irak und den VAE.
Drei Barrieren auf dem Weg zur normalen Schifffahrt
Experten identifizieren drei kritische Faktoren, die Kapitäne davon abhalten, trotz der Aufhebung der offiziellen Blockade zur See zu fahren.
1. Angst vor iranischen Beschuss
Teheran blockierte die Straße Ende Februar als Reaktion auf Angriffe Israels und der USA. Seitdem haben iranische Streitkräfte jedes Schiff beschossen, das versuchte, ohne Genehmigung zu passieren. „Angesichts der aktuellen Lage wäre ein außergewöhnlich mutiger Kapitän erforderlich, um die Straße von Hormus zu durchqueren“, erklärte Martin Kelly von der EOS Risk Group.
2. Verwirrung bezüglich der US-Blockade
Die Situation wird durch die Unbestimmtheit seitens der USA verschärft. Trump kündigte zunächst die Aufhebung der Blockade an, präzisierte jedoch später, dass sie bis zur offiziellen Unterzeichnung eines Abkommens in Kraft bleiben würde. US-Kriegsschiffe halten ihre Positionen weiterhin besetzt. Reedereien müssen bis Freitag warten und hoffen auf Stabilität und Klarheit bei den Spielregeln.
3. Das Problem der Minenfelder
Der Iran hat erhebliche Abschnitte der Straße vermint und offiziell gedroht, Schwimminen im Falle eines Angriffs auf seine Küste einzusetzen. Diese Objekte sind nun zum Ärgernis der internationalen Gemeinschaft geworden. Nach Schätzungen der Experten kann der Prozess der Minenräumung zwischen 30 Tagen und einem halben Jahr dauern. Großbritannien und Frankreich haben bereits ihre Kriegsschiffe zur Unterstützung der Operation entsandt. Das britische Schiff RFA Lyme Bay, ausgestattet mit Minensuchsystemen, wurde bereits in der Nähe von Zypern gesichtet. Die Minensucher müssen sich mit einer Geschwindigkeit von nur 4–6 Kilometern pro Stunde bewegen, um den Meeresboden sicher zu untersuchen.
Neue Spielregeln: Wer zahlt für den Durchgang?
Die Straße von Hormus galt historisch als freier natürlicher Weg. Doch der Iran beabsichtigt, die Spielregeln zu ändern. Teheran hat das „Verwaltungsbüro des Persischen Golfs“ gegründet und plant, Durchfahrtsgenehmigungen für Schiffe auszustellen. Das iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet über eine mögliche Einführung einer „Gebühr für Dienstleistungen“.
Die USA und ihre Verbündeten lehnen diese Ansprüche kategorisch ab. Trump besteht auf einem kostenlosen Durchgang für alle. Der Analyst Navin Das stellt die Schlüsselfragen: „Wer wird dies gewährleisten? Wie wird dies sichergestellt? Wie werden die Gebühren erhoben? Was denken andere Länder des Persischen Golfs dazu?“
Wirtschaftliche Folgen: Preisverfall und Unsicherheit
Trotz des Staus in Hormus reagieren die Märkte auf die Nachrichten über die Aufhebung der Blockade optimistisch. Die Weltölpreise beginnen zu sinken. Die Brent-Rohölfutures verloren 4,08 Dollar (4,7 %) und liegen bei 83,25 Dollar pro Barrel, während das amerikanische Rohöl West Texas Intermediate 4,35 Dollar (5,1 %) einbüßte und auf 80,53 Dollar fiel.
Experten warnen jedoch: Ein politisches Abkommen kann die Straße schnell öffnen, aber die kommerzielle Schifffahrt wird sich nur allmählich normalisieren. Die Risiken bleiben zu hoch, und Versicherer eilen nicht, die Verantwortung für potenzielle Verluste zu übernehmen.
Ukrainische Experten haben bereits eine Prognose für die Kraftstoffpreise an den Tankstellen für den Sommer und Herbst 2026 abgegeben. Die Prognosen stimmen in einem Punkt überein: Eine Rückkehr zu den Preisen von Februar 2026 wird im Juni oder in naher Zukunft nicht eintreten.