In den Gängen der Macht in Kiew reift ein politischer Sturm. Obwohl offizielle Stellen schweigen, bestätigen Quellen im Rathaus und in der Bankowa: Die Frage des Ersatzes des Leiters der Stadtverwaltung für Militärfragen (KMVA) Timur Tschatschenko steht erneut auf der Tagesordnung. Doch entgegen den Gerüchten über einen baldigen Rücktritt wird eine tatsächliche Entscheidung möglicherweise erst im Herbst getroffen.
Kampf um Einfluss: Warum der Rücktritt verschoben wird
Die Situation um Tschatschenko erinnert an einen langwierigen Konflikt zwischen der Präsidentschaftsadministration und dem Rathaus. Anfang Mai verbreiteten sich im Internet Gerüchte, dass Tschatschenko seinen Rücktritt eingereicht habe. Der Beamte selbst wies diese Behauptungen schnell als beauftragte Falschmeldungen zurück. Dennoch geben Insider aus dem Team von Vitali Klitschko zu: Tschatschenko hat tatsächlich einen Rücktritt erwogen.
Der Grund liegt in der komplexen Rolle, die er spielen muss. Laut Quellen besteht seine Funktion darin, dem Bürgermeister „widerstehen“ zu müssen, während er gleichzeitig nicht in der Lage ist, die Stadt effektiv zu verwalten, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Diese Doppelrolle scheint für ihn unerträglich geworden zu sein.
Strategie der Bankowa: Warum man auf den Herbst wartet
Im Umfeld von Tschatschenko wird die Absicht eines Rücktritts bestritten; die Informationslecks werden mit internen personellen Umstrukturierungen in der Patronatsdienststelle in Verbindung gebracht. Die entscheidende Entscheidung liegt jedoch bei der Bankowa. Aktuell ist man bereit, Tschatschenko noch eine weitere Chance zu geben, doch im Herbst könnte sich die Situation grundlegend ändern.
Politiker argumentieren pragmatisch: Würde man den Leiter der KMVA jetzt ersetzen, würde der neue Verantwortliche automatisch die Verantwortung für die Vorbereitung der Hauptstadt auf den Winter übernehmen. Bei Störungen bei Wärme- und Stromversorgung, was nicht ausgeschlossen ist, würde dies seine Reputation treffen. Indem man die Entscheidung bis zum Herbst hinauszögert, kann die Macht die Verantwortung neu verteilen und möglicherweise den Druck auf Klitschko selbst erhöhen, indem sie sowohl „die eigenen“ als auch „die fremden“ angreift.
Wer könnte der neue Leiter der KMVA werden?
Falls ein Personalaustausch doch stattfindet, tauchen bereits konkrete Namen als mögliche Nachfolger auf. Zu den Favoriten gehört der Leiter der Bezirksverwaltung Solomjanka, Serhij Mowenko. Auch positive Bewertungen gibt es für seinen Kollegen aus dem Bezirk Obolon, Kyrylo Fesik.
Inmitten dieser Intrigen hat das Kabinett der Minister strenge Bedingungen gestellt: Die Vorbereitung Kiews auf den Winter muss fristgerecht abgeschlossen werden. Dafür wurden mehr als vier Milliarden Griwna bereitgestellt, und die Berichterstattung wird streng kontrolliert. In diesem Wettlauf um Ressourcen und Verantwortung könnte die politische Landkarte Kiews in naher Zukunft neu gezeichnet werden.