Der ukrainische Turner Nazar Tscheburnyj hat in einem offenen Schreiben auf Facebook scharfe Kritik am ukrainischen Ministerium für Jugend und Sport sowie am Ukrainischen Turnverband (UTF) geübt und die inländischen Sportstrukturen eines systematischen Fehlens von Unterstützung in der Vorbereitung auf große Wettkämpfe beschuldigt. Laut dem Sportler hat sich stattdessen der Deutsche Turnbund freiwillig um die Kosten gekümmert, die die ukrainischen Stellen trotz mehrfacher Anfragen nicht übernommen haben. Dies berichtet Sport RBC.UA unter Berufung auf die Veröffentlichung von Tscheburnyj selbst.

Vorbereitung unter finanzieller Unsicherheit

Wie der Turner berichtete, musste er aufgrund mangelhafter Trainingsbedingungen in der Ukraine bereits anderthalb Monate vor der Europameisterschaft nach Deutschland reisen, um sich dort vorzubereiten. Tscheburnyj behauptet, wiederholt bei den inländischen Sportstrukturen um die Übernahme der Kosten für den Trainingslehrgang gebeten zu haben, jedoch nur „leere Versprechen“ erhalten zu haben. Infolgedessen bezahlte der Sportler die erste Hälfte der Vorbereitung – einschließlich Unterkunft, Verpflegung, Kraftstoff und weiterer begleitender Ausgaben – aus eigenen Mitteln.

Die Frage der 900 Euro und die Hilfe der deutschen Seite

Zentraler Punkt des Konflikts wurde die Frage der Bezahlung des offiziellen Trainingslehrgangs in Kinbaum, dessen Kosten 900 Euro betrugen. Laut Tscheburnyj stellten die ukrainischen Stellen auch diesmal die erforderlichen Mittel nicht bereit. Als der Deutsche Turnbund von der schwierigen Lage des ukrainischen Turners erfuhr, übernahm er freiwillig die Kosten für seinen offiziellen Lehrgang. „Es ist sehr schade, dass 900 Euro für die Vorbereitung eines Sportlers auf die Europameisterschaft offenbar zu viel sind. Gleichzeitig können sich Mitglieder des Verbandes aber Business-Class-Flüge leisten“, schrieb Tscheburnyj in seinem Schreiben.

„Seid nicht überrascht“ – über den Wechsel des Sportstaatsangehörigkeitsstatus

In seiner Aussage verknüpfte der Turner die finanzielle Gleichgültigkeit der inländischen Strukturen direkt mit der wachsenden Zahl ukrainischer Sportler, die über einen Wechsel des Sportstaatsangehörigkeitsstatus nachdenken. „Und dann wundern sich alle, warum Sportler anfangen, über einen Wechsel des Sportstaatsangehörigkeitsstatus nachzudenken. Seid nicht überrascht“, betonte er. Tscheburnyj fügte hinzu, dass es eine „sinnlose Position“ sei, „lauter als alle anderen von Siegen zu schreien“, wenn man für das Erreichen des Ergebnisses selbst nichts getan habe.

Dank ohne Verband und Ministerium

Zusammenfassend zählte der Sportler diejenigen auf, denen er sein Ergebnis wirklich verdankt: „Für dieses Ergebnis möchte ich ausschließlich meinen Trainer Hennadij Lwowitsch Sartynski, den Deutschen Turnbund, Rolandos sowie meine Angehörigen und Verwandten danken, die an meiner Seite standen und mich unterstützt haben. Aber keineswegs den Ukrainischen Turnverband und auch nicht das Ministerium für Jugend und Sport.“ Zuvor wurde berichtet, dass Tscheburnyj erstmals in seiner Karriere die Europameisterschaft gewann, was sein öffentliches Schreiben für die ukrainische Sportgemeinschaft noch resonanter macht.

Der breitere Kontext: Systemkonflikt im ukrainischen Turnen

Die Aussage von Tscheburnyj ist kein isolierter Vorfall. Laut mehreren ukrainischen und russischen Sportverlagen nimmt im ukrainischen Turnen seit einiger Zeit ein offener Konflikt zwischen aktiven Sportlern und der Führung des UTF zu. Zuvor wurde berichtet, dass eine Gruppe ukrainischer Turner Unzufriedenheit über Entscheidungen des Verbandes zum Ausdruck brachte, einschließlich Fragen im Zusammenhang mit der Absetzung eines Trainers, und sogar die Möglichkeit eines Boykotts der Europameisterschaft erwog. In diesem Kontext wird das öffentliche Schreiben von Tscheburnyj als Teil eines breiteren Vertrauenskrise zwischen den Athleten und den Sportstrukturen des Landes wahrgenommen.