In Prag entbrennt ein politischer Streit um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die tschechische rechtsextreme Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD) hat eine Kampagne initiiert, um den ukrainischen Staatschef des Ordens des Weißen Löwen zu entziehen. Auslöser für diese Aktion ist der jüngste, weit beachtete Skandal in Polen, wo Warschau Selenskyj bereits seiner höchsten Auszeichnung beraubt hat.

Das Echo des polnischen Skandals

Die Entscheidung der tschechischen Abgeordneten war nicht zufällig. Sie erklärten offen, dass sie von den Handlungen des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki inspiriert wurden. Mitte Juni entzog der polnische Staatschef Selenskyj den Orden des Weißen Adlers, indem er sich auf die Verleihung einer Ehrenbezeichnung an eine Einheit der Spezialkräfte der ukrainischen Streitkräfte zu Ehren der Helden der UPA berief. Diese Entscheidung löste in Kiew eine heftige Reaktion aus, bei der viele Beamte ankündigten, polnische Auszeichnungen zurückgeben zu wollen. Warschau bestätigte jedoch, dass der Orden postalisch zurückgesandt wurde und sich nun im Büro des Präsidenten befindet.

Die Position des tschechischen Präsidenten

Trotz der aktiven Haltung der Rechtsextremen wird deren Initiative in Tschechien nicht umgesetzt werden können. Das Team des Staatspräsidenten Petr Pavel hat die rechtlichen Grenzen klar definiert: Eine staatliche Auszeichnung kann nur auf Anordnung eines Gerichts entzogen werden.

Die Sprecherin des Staatsoberhaupts, Markéta Ržeháková, erläuterte, dass weder die Verfassung noch das geltende Recht dem Präsidenten die Befugnis geben, Auszeichnungen eigenmächtig zu widerrufen. Ihrer Aussage zufolge ist ein Entzug des Ordens ausschließlich auf der Grundlage eines rechtskräftigen Gerichtsurteils möglich, das eine Strafe in Form des Entzugs von Ehrenbezeichnungen vorsieht. Solche Maßnahmen werden in der Regel nur in Fällen angewendet, die im Strafgesetzbuch vorgesehen sind.

Rechtliche Sackgasse für die Initiatoren

Die Versuche der tschechischen Abgeordneten, Selenskyj den Orden zu entziehen, stießen somit auf eine harte rechtliche Barriere. Ohne ein entsprechendes Gerichtsurteil, das derzeit nicht vorliegt, ist das Verfahren zur Aberkennung der Auszeichnung nicht möglich. Dies setzt einen Punkt unter die Versuche der tschechischen Rechtsextremen, das polnische Szenario zu kopieren, und lässt Wolodymyr Selenskyj weiterhin als Inhaber des Ordens des Weißen Löwen.