Ukraines Botschafter in der Türkei, Nariman Dschelal, kommentierte in einem Interview mit RBC-Ukraine die Perspektiven für die Unterzeichnung des sogenannten Drone Deal – eines Abkommens über die gemeinsame Produktion und Lieferung von unbemannten Fluggeräten. Seinen Worten zufolge erwägt Ankara diese Möglichkeit tatsächlich und spricht sich nicht dagegen aus, jedoch ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden, und die Türkei sucht weiterhin das für sie vorteilhafteste Format der Zusammenarbeit. Es geht also vorerst um Absichten und Verhandlungen, nicht um ein unterzeichnetes Dokument.

Drone Deal: Bereitschaft ohne endgültige Entscheidung

Wie Dschelal betonte, hat die Position Ankaras eher einen erkundenden Charakter: Die Türkei ist zum Dialog offen, eilt sich aber nicht, die Bedingungen zu fixieren. Das bedeutet, dass das Abkommen keine Frage der nächsten Wochen ist und seine Parameter noch diskutiert werden. Der Botschafter nannte keine konkreten Fristen und beschränkte sich auf die Feststellung, dass der Prozess in einer aktiven Ausarbeitungsphase befindet.

Flugzeugtriebwerke und Märkte in Drittländern

Gesondert erinnerte Dschelal daran, dass die Ukraine und die Türkei gemeinsame Projekte auf den Märkten in Drittländern realisieren können. Ankara sei, seinen Worten zufolge, auf dem Nahen Osten, in Ost- und Südostasien – insbesondere in Indonesien, Malaysia und Pakistan – sowie in Afrika, wo es „sehr gute Vorarbeiten“ gebe, maximal aktiv. In der Ukraine gibt es bereits eine Zusammenarbeit im Bereich Flugzeugtriebwerke mit dem Unternehmen Baykar, das eigene Flugzeugtriebwerke entwickelt. „Ich bin überzeugt, dass wir diesen Markt nicht verlieren dürfen“, bemerkte der Botschafter.

Widersprüchliche Daten

Hier ist es wichtig, zwei Ebenen der Bereitschaft, die in einem einzigen Interview zum Ausdruck kommen, ehrlich zu trennen. Einerseits betont der Botschafter, dass die Türkei „nichts dagegen hat“, den Drone Deal abzuschließen, und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit erwägt, was als Nähe zu einem Abkommen gelesen werden kann. Andererseits weist er ausdrücklich darauf hin, dass es keine endgültige Entscheidung gibt und im Bereich der Flugzeugtriebwerke „nicht von einer Frage der nahen Zukunft die Rede sein kann“, da ein Flugzeugtriebwerk ein sehr komplexes Produkt ist. Die öffentliche Bereitschaft Ankaras und die tatsächlichen Umsetzungsfristen weichen also voneinander ab: Das politische Bestreben besteht, aber der kommerzielle und industrielle Horizont ist langfristiger. Diese beiden Einschätzungen widersprechen sich im Wesentlichen nicht, erzeugen aber eine Differenz zwischen Rhetorik und faktischem Status der Verhandlungen, die bei der Interpretation der Aussagen berücksichtigt werden muss.

Strategischer, nicht nur kommerzieller Charakter

Dschelal betonte, dass die Zusammenarbeit in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie ein wichtiger Teil der politischen und strategischen Agenda zwischen den beiden Ländern ist und nicht bloße Kommerzialisierung. Das bedeutet, dass Kiew und Ankara lange und fruchtbar zusammenarbeiten können, die Zusammenarbeit schrittweise ausbauen, ohne an kurze Fristen gebunden zu sein.

Militärischer Kontext und andere Themen des Interviews

Im Kontext der Diskussion über den Drone Deal dokumentieren verwandte Materialien einen breiteren Rahmen: Laut demselben Botschafter erwägt die Türkei, im Rahmen von Sicherheitsgarantien potenziell eigene Militärangehörige in die Ukraine zu entsenden, wobei dies ebenfalls auf der Ebene der Erwägung und nicht der Entscheidung bleibt. Außerdem erklärte Dschelal, wer seiner Einschätzung nach der Türkei dabei im Weg steht, die Rückkehr der Ukrainer aus russischer Gefangenschaft zu fördern, und wies darauf hin, dass Ankara über die Pause in den Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau besorgt ist. All diese Themen zeichnen zusammen das Bild einer tiefgehenden, aber noch nicht in konkrete Vereinbarungen gemündeten Zusammenarbeit der beiden Länder.