Die ukrainische Metallurgiebranche steht vor einer ernsthaften Bedrohung: Ein erheblicher Teil der Metallimporte aus der Türkei wird aus billigem russischem Rohmaterial hergestellt. Der Präsident der Föderation der Metallurgen der Ukraine (FMU), Serhij Bilenskyj, hat die Regierung aufgefordert, umgehend Antidumpinguntersuchungen einzuleiten, um die inländischen Hersteller zu schützen.

Laut RBC-Ukraine bleibt die Türkei der größte Importeur russischer Metallprodukte. Im Jahr 2025 stieg der Export von Schwarzmétall aus Russland in die Türkei um 42 % und erreichte 3,3 Milliarden Dollar. Besonders deutlich war das Wachstum bei Halbfabrikaten: Der Export von Brammen stieg um 22 %, von quadratischen Halbzeugen um 50 % und von Roheisen um 83 %.

Russisches Rohmaterial als Grundlage des türkischen Exports

Der Anteil russischer Produkte in den türkischen Importen hat kritische Werte erreicht. Im Jahr 2025 betrug er 78 % im Segment Roheisen, 52 % bei Brammen und 44 % bei quadratischen Halbzeugen. Dies verleiht den türkischen Herstellern einen erheblichen Kostenvorteil. Nach der Weiterverarbeitung gelangt diese Ware bereits unter türkischer Marke auf den ukrainischen Markt, jedoch zu Preisen, mit denen lokale Werke nicht konkurrieren können.

Heute macht türkisches Metallgut mehr als 60 % der Stahlimporte in die Ukraine aus. Im Zeitraum von 2022 bis 2025 importierte das Land 131.000 Tonnen Rohrprodukte aus der Türkei. Die jährlichen Liefermengen dieser Produkte haben sich nach Beginn des umfassenden Krieges um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Momentan kontrollieren türkische Rohre 10–15 % des ukrainischen Binnenmarktes.

Gefahr für ukrainische Werke

Die Föderation der Metallurgen stellt fest, dass der Druck durch billige Importe direkte Auswirkungen auf Produktionsvolumen, Verkäufe, die finanzielle Lage der Unternehmen und die Erhaltung von Arbeitsplätzen hat. Ukrainische Werke arbeiten bereits unter schwierigen Bedingungen: hohe Strompreise, Personalmangel, logistische Schwierigkeiten und Kriegsrisiken. Die zusätzliche Konkurrenz durch Produkte, die aus russischem Rohmaterial hergestellt wurden, stellt eine direkte Bedrohung für die Arbeit in den Industrieregionen dar.

Die interministerielle Kommission für den internationalen Handel hat bereits ein Antidumpingverfahren für den Import von geschweißten Stahlrohren aus der Türkei eingeleitet. Die FMU warnt jedoch: Das Verfahren kann sich über ein Jahr oder länger hinziehen. Daher fordert die Branche die sofortige Einführung von Antidumpingzöllen und eines Ursprungskontrollmechanismus nach dem „Melt-and-Pour“-Prinzip, der bereits in der EU gilt.

Risiko einer Umleitung von Strömen aus Europa

Eine zusätzliche Gefahr stellt eine mögliche Verschärfung der Schutzmaßnahmen der Europäischen Union dar. Nach Einschätzung der Branche könnte der Export türkischen Stahls nach Europa um 50–60 % zurückgehen. In diesem Fall würden die überschüssigen Mengen neue Absatzmärkte suchen – und die Ukraine könnte ihr nächstes Ziel werden.

„Wenn die Europäische Union den türkischen Import einschränkt, werden die überschüssigen Mengen andere Absatzmärkte suchen. Die Ukraine muss ihre Hersteller im Voraus schützen, sonst wird ein Teil dieser Ware zu uns umgeleitet“, betonte Serhij Bilenskyj.

Zuvor hatte auch der Präsident der Holding „Ukrmetallurgprom“, Alexander Kalenkov, erklärt, dass türkische Importe aus russischem Rohmaterial ukrainische Rohrerzeuger vom eigenen Markt verdrängen. Das Gesamtvolumen solcher Lieferungen entspricht bereits der Jahresproduktion eines mittelgroßen ukrainischen Rohrerzeugers.