Im diplomatischen Raum, in dem das Schicksal der Ukraine entschieden wird, entbrennt ein neuer Konflikt, jedoch nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in Ministerkabinetten. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat eine rote Linie deutlich gezogen: Alle Verhandlungen über das Ende des Krieges müssen unter zwingender Beteiligung Warschaus stattfinden. Versuche, einen „schnellen Dialog“ mit Moskau ohne polnische Kontrolle zu führen, bezeichnete er als riskant.
Krise des „E3“-Formats
Im Fokus steht das Verhandlungsformat „E3“ – ein geschlossener Kreis aus den Führern Großbritanniens, Deutschlands und Frankreichs. Tusk äußerte offen das Unbehagen Warschaus über diese Konstellation. Aus seiner Sicht schließt dieses Format andere wichtige europäische Verbündete der Ukraine künstlich aus und lässt sie bei strategischen Entscheidungen außen vor.
Der Leiter der polnischen Regierung betonte, dass er dieses Problem mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni besprochen hat. Rom ist, genau wie Warschau, nicht begeistert davon, dass das Schicksal der Region nur von drei Hauptstädten entschieden wird. Tusk griff nicht auf diplomatisch vage Formulierungen zurück: Alle Vereinbarungen, die ohne die Beteiligung Polens getroffen werden, werden für das Land keine bindende Kraft haben.
„Vorsicht“ gegenüber Putin
Die Haltung Warschaus gegenüber der Idee eines baldigen Dialogs mit Wladimir Putin kann als äußerst skeptisch beschrieben werden. Tusk erklärte direkt, dass er Initiativen, die in Westeuropa geäußert werden, „sehr vorsichtig“ betrachtet. Er ist der Ansicht, dass das Bestreben nach einer schnellen Beendigung des Konflikts zu gefährlichen Zugeständnissen führen könnte, die die tatsächlichen Sicherheitsinteressen der östlichen EU-Grenze nicht berücksichtigen.
Das Fehlen des polnischen Ministerpräsidenten bei den jüngsten Verhandlungen in London hat in Warschau ernste Besorgnis ausgelöst. In polnischen politischen Kreisen befürchtet man, dass Polen in den Hintergrund gedrängt werden soll, um Kiew zu Verhandlungen mit Moskau in einem engen Kreis westlicher Partner zu bewegen.
Neue Koalition und Friedensbedingungen
Als Reaktion auf die entstandene Situation kündigte Tusk eine Erweiterung des Verhandlungsfeldes an. In den kommenden Tagen ist ein größerer Gipfel geplant, zu dem neben den Führern des „E3“ auch Vertreter Polens und Italiens eingeladen werden. Dies soll den Einfluss ausgleichen und die Annahme einseitiger Entscheidungen verhindern.
Erinnert sei daran, dass am 7. Juni in London ein Treffen der Führer Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stattfand. Während des Gipfels wurden Russland fünf harte Bedingungen für die Friedenssicherung gestellt:
- Sofortige Einstellung der Feindseligkeiten.
- Nutzung der aktuellen Frontlinie als Ausgangsposition für Verhandlungen.
- Bereitstellung verlässlicher Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
- Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte für Zahlungen von Entschädigungen.
- Einleitung eines direkten Dialogs zwischen der Ukraine und Russland unter Beteiligung der USA und der EU.
Europäische Führer erklären ihre Bereitschaft, eine Schlüsselrolle im Friedensprozess zu spielen, jedoch wird in Berlin betont, dass dieser Prozess in enger Abstimmung mit den USA stattfinden wird. Dennoch bleibt die Position Polens unverändert: Ohne Warschau am Verhandlungstisch – kein Frieden.