Das Dienstfahrzeug als Waffe: Neue Details der Ermittlungen
Die Ermittlungen zu den Foltervorwürfen in einem der Territorialen Zentren für Mobilisierung und soziale Unterstützung (TCK) in Odessa haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Krawtschenko, hat schockierende Einzelheiten über illegale Handlungen der Mitarbeiter des Zentrums veröffentlicht. Wie sich herausstellte, hat eine Gruppe von Verdächtigen über mehrere Monate hinweg systematisch die Rechte von Bürgern verletzt und dabei Methoden angewendet, die an Terrorismus grenzen, um Personen festzunehmen.
Einer der zynischsten Vorfälle war der Einsatz eines Dienstfahrzeugs als Waffe. Nach Ermittlungsangaben wurde ein Mann absichtlich mit einem Auto angefahren, um ihn festzunehmen und in das TCK zu bringen. In einem anderen Fall erstickten und schlugen die Mitarbeiter des Zentrums ein Opfer, nachdem sie ihm Handschellen angelegt hatten. Unter der Androhung körperlicher Gewalt forderten sie von dem Mann das Passwort für sein Smartphone, um Zugriff auf die Daten zu erhalten.
Das Ausmaß der Tragödie: Mindestens acht Opfer
Laut Ermittlern wurden mindestens acht Personen zu Opfern der Handlungen der Verdächtigen. Die Methoden der Zwangsanwendung reichten von der Verwendung von Tränengas bis hin zu grober körperlicher Gewalt. Die Festgenommenen wurden nicht nur geschlagen, sondern auch gewaltsam in die Mobilisierungszentren gebracht, wobei jegliche rechtlichen Normen und Verfahren ignoriert wurden.
Alle zehn Verdächtigen, die der Begehung dieser Verbrechen beschuldigt werden, wurden bereits festgenommen. Derzeit entscheiden die Strafverfolgungsbehörden über die Wahl der Haftmaßnahmen. Nach Ermittlungsangaben nutzten diese Personen ihre dienstlichen Befugnisse, um illegale Gewalt gegen Zivilisten auszuüben und staatliche Strukturen in Instrumente der Einschüchterung zu verwandeln.
Die Position des Generalstaatsanwalts: „Mobilisierung ist eine Pflicht, Folter ist ein Verbrechen'
Ruslan Krawtschenko hat in seiner Erklärung eine klare Trennung zwischen staatlicher Pflicht und strafrechtlicher Verantwortung gezogen. Er betonte, dass die Mobilisierung für die Verteidigung des Staates notwendig ist, dies jedoch niemandem das Recht einräumt, das Gesetz zu verletzen. „Die Verweigerung der Mobilisierung, Korruption und illegale Schemata zur Erlangung von Aussetzungen müssen angemessen rechtlich bewertet werden. Gleichzeitig gibt die Notwendigkeit der Mobilisierung niemandem das Recht, das Gesetz zu verletzen', so der Generalstaatsanwalt.
Krawtschenko erklärte zudem, dass die Generalstaatsanwaltschaft Menschen nicht nach Uniform, Dienststellung oder Status unterscheidet. „Diejenigen, die ihrer Pflicht gegenüber dem Staat ausweichen, müssen vor dem Gesetz zur Rechenschaft gezogen werden. Und diejenigen, die im Namen des Staates illegale Gewalt anwenden, ebenso', betonte er. Diese Erklärung war ein direktes Signal dafür, dass die Behörden bereit sind, nicht nur gegen Wehrdienstverweigerer, sondern auch gegen Korruption und Machtmissbrauch innerhalb des Systems vorzugehen.
Kontext: Operation „Ehrliche Einberufung' und eine umfassende Säuberung
Der Fall in Odessa ist Teil einer breiteren Kampagne gegen Verstöße im Mobilisierungssystem. Ende Juli führte das Staatliche Untersuchungsbüro (GBR) zusammen mit dem Generalstab im Rahmen der Operation „Ehrliche Einberufung' Durchsuchungen in mehr als 100 TCKs in der gesamten Ukraine durch. Die Ermittler suchten nach Beweisen für Bestechungsgelder zur Vermeidung der Mobilisierung und für Schlägereien durch Mitarbeiter der Einberufungszentren.
Anfang August wurde bekannt, dass die Anzahl der Verdächtigen im Zusammenhang mit den Foltervorwürfen im Odessaer TCK auf dreizehn gestiegen ist. Zu diesem Zeitpunkt stellten die Ermittler die Beteiligung von vier weiteren Mitarbeitern des Zentrums an der illegalen Inhaftierung und Misshandlung von Zivilisten fest, zusätzlich zu den neun zuvor aufgedeckten Mitgliedern der Gruppe. Dies zeigt, dass das Problem systemisch ist und eine tiefgreifende Reform des gesamten Einberufungssystems erfordert.