Seit Anfang 2026 hat sich die Zahl der Einsätze von unbemannten Bodenfahrzeugen (UGVs) an der Front verfünffacht. Während es zu Jahresbeginn etwa siebentausend waren, erreichte der Wert bis zum Herbst rund fünfunddreißigtausend. Dies erklärte Viktor Pawlow, UGV-Bataillonsoffizier der 3. Sturmbrigade und Gründer der Ausbildungsstätte für Bodenroboter-Operateure, im RBC-Ukraine-Podcast 'DAS IST DIE BASIS'. Seinen Worten zufolge ist das Wachstum der Einsatzzahlen nicht nur ein statistischer Trend, sondern ein Signal für eine qualitative Wende in der Taktik: UGVs übernehmen zunehmend nicht nur Logistik- und Evakuierungsaufgaben, sondern auch Kampf-, Ingenieur- und Aufklärungsfunktionen, die früher ausschließlich von Menschen ausgeführt wurden.

Von der Logistik zum Feuer: Erweiterung der Kampffunktionen

Noch vor Kurzem beschränkte sich die Hauptrolle von Bodenroboter auf die Bergung von Verwundeten und die Lieferung von Nachschub an die Front. Heute, so Pawlow, wächst die Kampffunktion der UGVs: Auf den Systemen werden Geschütztürme montiert, die gewissermaßen einen Maschinengewehttrupp oder eine Granatwerferposition ersetzen. UGVs übernehmen die Sektorüberwachung, das Abziehen feindlichen Feuers, Aufklärung und das Verlegen von Minen. 'Alles, was früher Menschen getan haben — Aufklärung, Beobachtung, das Halten von Sektoren, das Abziehen von Feuer —, kann ein UGV tun. Wir sind auf dem Weg dorthin', betonte der Offizier. Seiner Einschätzung nach bleibt die Logistik das Fundament: Auf sie entfallen etwa 90% aller Aufgaben, da ohne die Versorgung der Truppen mit Proviant und Munition weder Verteidigung noch Angriff möglich ist.

Drohnenabwurf und die Evolution der 'Kamikazes'

Eine der auffälligsten taktischen Neuerungen, die Pawlow mit der Operation Vivaldi verbindet, war der Abwurf von UGVs mithilfe von unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs). Seinen Angaben nach wurde diese Taktik von Kämpfern der Einheit NC-13 angewandt, die sich auf bewaffnete Bodenroboter spezialisiert hat: Die Systeme wurden ins feindliche Hinterland abgeworfen, was für den Gegner einen Überraschungseffekt erzeugte. Auch andere Brigaden haben begonnen, große Drohnen für den Transport von Robotern an vorgegebene Punkte einzusetzen. Parallel dazu entwickelt sich die Klassifikation der Angriffsmittel weiter: Verstand man früher unter einem 'Kamikaze' eine Drohne mit einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm und einer Nutzlast von rund 30 Kilogramm, so gibt es inzwischen kompaktere Roboter, die von einer normalen Drohne getragen werden können. Pawlow prognostiziert, dass in naher Zukunft eine Reihe verschiedener UGV-Typen für unterschiedliche Kampfeinsätze entstehen wird.

Evakuierung, Verluste und der Preis einer Mission

Die Evakuierung von Verwundeten ist laut Pawlow einer der Hauptgründe für den massiven Einsatz von UGVs geworden. Unter den Bedingungen des massiven Einsatzes von FPV-Drohnen durch den Gegner und ständiger Luftüberwachung ist das Bergen eines Verwundeten durch eine menschliche Evakuierungsgruppe praktisch unmöglich geworden. Bodenroboter übernehmen diese Funktion und senken die Personalverluste. Im Durchschnitt absolviert ein UGV fünf bis sechs Missionen, was nach Einschätzung des Offiziers angesichts der Feuerintensität ein guter Wert ist. Ein System kann bis zu 200 Kilogramm Fracht transportieren — das entspricht der Last, die zehn Personen zu Fuß tragen müssten. 'Das sind mindestens 60 Menschen, die am Leben geblieben und nicht verwundet worden sind', fasste Pawlow zusammen und betonte, dass jede Roboter-Mission ein gerettetes Leben sei. Auch die Evakuierung von Zivilisten aus Frontortschaften wird praktiziert: Bestimmte Einheiten haben gezielt Operationen für diesen Zweck vorbereitet.

Umnutzung alter Technik und die Rolle von Ingenieuren

Die Frage des Einsatzes veralteter Panzerwagen im unbemannten Format hat laut Pawlow bereits praktische Bestätigung gefunden. Während der Operation Vivaldi hat beispielsweise ein mit Sprengstoff beladener Schützenpanzer einen Kampfeinsatz ausgeführt. Der Offizier weist darauf hin, dass die Umrüstung alter sowjetischer Technik den Austausch interner Komponenten, die Installation von Kommunikationsmitteln und Anpassungen erfordert, aber in der Übergangszeit ist dies eine logische 'Null-Müll-Produktion'. Als internationalen Kontext nannte er das Beispiel Indiens, wo Berichten zufolge daran gearbeitet wird, T-72-Panzer in unbemannte Systeme umzuwandeln. Gleichzeitig betont Pawlow die kritische Rolle der Ingenieureinheiten: Weder Drohnen noch UGVs funktionieren ohne Ingenieure, da jedes Mittel an die jeweiligen Einsatzbedingungen angepasst, mit Kommunikation ausgestattet und gegebenenfalls modifiziert werden muss.

Internationale Aufmerksamkeit und Entwicklungshorizont

Viktor Pawlow stellt fest, dass die Entwicklung ukrainischer UGVs auch im Ausland, einschließlich von globalen Autoherstellern, genau verfolgt wird. Seinen Worten nach wird der Horizont der Bodenroboter-Entwicklung durch eine einfache Logik bestimmt: 'Zumindest so lange, bis wir Menschen an gefährlichen Orten bei der Erfüllung gefährlicher Aufgaben durch eine unbemannte Komponente ersetzen.' Somit ist das Fünffache Wachstum der Einsatzzahlen in einem knappen Jahr nur die erste Phase einer Transformation, in der sich Bodenroboter von einem Hilfsmittel für die Versorgung zu einem universellen Kampf- und Ingenieurskomplex wandeln, der nahezu jede Aufgabe bewältigen kann, die zuvor einem lebenden Kämpfer übertragen wurde.