Die ukrainische Kampagne zur Isolierung der besetzten Krim ist auf ein qualitativ neues Niveau übergegangen. Während zuvor der Hauptfokus auf der Zerstörung der Landlogistik lag, hat sich der Schwerpunkt nun auf die Seeverkehrsadern verlagert. Hauptziel sind russische Schiffe, die Treibstoff auf die Halbinsel transportieren.
Dies bezeugt ein neuer Bericht des Institute for the Study of War (ISW), dem das Magazin RBK-Ukraine Zugang verschafft hat. Experten stellen fest, dass Kiew eine schnelle Anpassung an die taktischen Änderungen des Gegners demonstriert hat.
Taktikwechsel: Von der Brücke zum Meer
Der Grund für die Änderung der Angriffsrichtung liegt im Erfolg der vorherigen Operationen. Ständige Angriffe der ukrainischen Armee mit mittlerer und großer Reichweite auf Landrouten haben die Logistik zwischen dem russischen Festland und der Krim gefährdet. Infolgedessen waren die Besatzer gezwungen, sich umzustellen und sich auf Seetransporte zu verlassen, um den akuten Benzinmangel zu bewältigen.
Analysten des ISW betonen: Russland konnte einen zuverlässigen Schutz der Landwege nicht gewährleisten und versucht nun, die Verluste über das Schwarze und das Asowsche Meer auszugleichen. Doch auch hier zeigen die ukrainischen Streitkräfte bereits eine hohe Effektivität.
Massive Angriffe auf die Flotte
Bestätigung für diese neue Phase der Kampagne war eine Serie von Angriffen in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli. Der Kommandeur der unbemannten Systemstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte, Robert Brovdi, berichtete von einem massiven Angriff auf 14 russische Schiffe im Asowschen Meer.
Seinen Worten zufolge haben ukrainische Drohnen in den letzten 96 Stunden insgesamt 35 Fahrzeuge getroffen: Tanklastzüge, Frachtschiffe und Spezialschiffe. Dies zeugt von einem systematischen Ansatz zur Zerstörung der Versorgungsinfrastruktur der Halbinsel.
Anerkennung der Probleme in Moskau
Die Situation mit dem Schutz der Krim sorgt auch in den russischen Sicherheitsstrukturen für Besorgnis. Am 6. Juli veröffentlichte der Journalist Dmitri Kolezew die Worte eines aktiven Generals der russischen Streitkräfte, der die Unfähigkeit Moskaus einräumte, ukrainischen Angriffen mittlerer Reichweite effektiv zu begegnen.
Die Wurzel des Problems liegt in den Entscheidungen des Jahres 2024, als der russische Generalstab die Krim-Verteidigungsgruppe auflöste. Ursache waren ein Mangel an Marineausrüstung und die Unmöglichkeit, einen vollständigen Schutz der Halbinsel vor modernen Bedrohungen zu gewährleisten.
Wirtschaftliche Folgen für Russland
Die Probleme mit Treibstoff sind systemischer Natur und nehmen seit mehreren Wochen zu. Nach Schätzungen der Analysten könnten die Aktionen der ukrainischen Drohnen zur Einstellung von bis zu 40 % der russischen Raffineriekapazitäten geführt haben. Die Treibstoffkrise hat etwa 50 Millionen Bürger Russlands betroffen.
Im Kreml versucht man, die Situation zu beschönigen, indem man den Benzinmangel in der annektierten Krim als „vorübergehende Schwierigkeiten“ bezeichnet. Präsident Wladimir Putin hat der Regierung befohlen, die Krim und Sewastopol im Zuge des starken Anstiegs der Treibstoffpreise zu subventionieren, doch Experten prognostizieren, dass verstärkte Angriffe auf Seetanker die Logistik weiterhin stören und die Lage auf der Halbinsel verschlimmern werden.