Eine wirksame Möglichkeit, russischen ballistischen Raketen entgegenzutreten, wird der Ukraine erst mit der Beschaffung eigener Serienballistik zur Verfügung stehen. Dies erklärte der Luftfahrtexperte Konstantin Krivolap in einem Kommentar an RBK-Ukraine. Nach seiner Ansicht liegt der Schlüssel zum Sieg in diesem Konfrontationsfeld in der Zerstörung der Startfahrzeuge des Gegners noch vor dem Start.

Versteckte Bedrohung: Wo sich die „Iskander“ verstecken

Laut dem Experten befinden sich die russischen Startfahrzeuge, die in der Lage sind, die ukrainische Hauptstadt anzugreifen, im Landesinneren – in einer Entfernung von 200 bis 250 Kilometern von der Grenze. In den letzten Jahren wurden nur wenige bestätigte Fälle der Zerstörung von operativ-taktischen Raketenkomplexen (OTRK) „Iskander“ registriert. Der Hauptgrund für die Schwierigkeit ihrer Aufdeckung liegt in der Taktik ihrer Lagerung und Aufstellung.

In den meisten Fällen werden diese Komplexe in Kaponieren auf Militärflugplätzen gelagert, wo sich große Lager für die Luftfahrt befinden. Das Vorrücken der bodengestützten Komplexe auf Kampfstellungen ist ohne Hilfe spezialisierter Technik praktisch unmöglich zu bemerken. Die Perimeter solcher Flugplätze stehen unter verstärkter Bewachung, was eine visuelle Beobachtung für einen normalen Menschen sinnlos macht.

Zeitrennen: Luftwaffe gegen Raketen

Der einzige Weg, um die Bewegung eines „Iskander“ zu registrieren, ist der Einsatz von Aufklärungsdrohnen mit großer Reichweite. Doch selbst bei erfolgreicher Aufdeckung entsteht ein kritisches Problem mit dem Zeitfaktor. Sobald die Drohne die Daten an das Kommandozentrum übermittelt, wird eine Kette von Befehlen für die Kampfluftwaffe ausgelöst.

Während die ukrainischen Flugzeuge starten und die Distanz zum Ziel überwinden, schafft es der russische OTRK, die Position zu erreichen und einen Schlag zu führen. Zeitberechnungen zeigen, dass die Fahrt zur Startposition 40–50 Minuten und das Aufstellen weitere 20 Minuten dauert. Das bedeutet, dass die Luftwaffe den russischen Berechnungen voraus sein muss, was unter den aktuellen Bedingungen äußerst schwierig ist.

Lösung: Die Geschwindigkeit der eigenen Ballistik

Der Experte ist überzeugt, dass die Situation durch das Erscheinen ukrainischer ballistischer Raketen, wie zum Beispiel der FP-7, radikal verändert werden könnte. Diese Raketen, hergestellt von der Firma Fire Point, sind in der Lage, Entfernungen von 250–300 Kilometern zu überwinden und mit hoher Geschwindigkeit zu schlagen.

Die Logik ist einfach: Die Anzahl der Startorte ist begrenzt. Wenn ein Komplex ankommt und mit dem Aufstellen beginnt, kann er mit eigener Ballistik angegriffen werden. Laut Krivolap reicht es aus, 2–3–5 Komplexe zu zerstören, damit die restlichen russischen Berechnungen über die Zweckmäßigkeit des Ausfahrens auf die Positionen nachdenken. Unter Bedingungen, bei denen jedes Ausfahren die Zerstörung droht, werden weitere Angriffe für den Gegner zum Selbstmord.

Kontext: Waffenproduktion in Russland

Fragen der Effizienz und Herkunft von Waffen bleiben im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zuvor berichtete das Hauptamt für Aufklärung (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, dass Russland japanische und chinesische Werkzeugmaschinen zur Herstellung von gelenkten Luftbomben (KAB), Raketen und Artilleriemunition verwendet.

Auch im Ministerium wurde auf die Entdeckung von 68 neuen Komponenten in russischen Raketen und Drohnen hingewiesen, die für Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur eingesetzt werden. Diese Daten unterstreichen die Komplexität und technologische Dichte des modernen Konflikts, in dem der Kampf nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Bereich der Lieferketten und Technologien stattfindet.